Bolken
Tragfest, frostsicher und langlebig: Hier wird der Baustoff der Zukunft getestet

Recyclingbaustoff aus der Stahlwerkproduktion wird probehalber in der Aeschistrasse bei Bolken verbaut.

Rahel Meier
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Rechts schön zu sehen das EOS-Granulat, links wird die Aeschistrasse bereits asphaltiert.
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Rechts schön zu sehen das EOS-Granulat, links wird die Aeschistrasse bereits asphaltiert.
EOS-Granulat wird in Aeschistrasse eingebaut
Einbau von EOS-Granulat in der Aeschistrasse in BOlken
Einbau von EOS-Granulat in der Aeschistrasse in BOlken
Einbau von EOS-Granulat in der Aeschistrasse in BOlken
Einbau von EOS-Granulat in der Aeschistrasse in BOlken
Einbau von EOS-Granulat in der Aeschistrasse in BOlken
Einbau von EOS-Granulat in der Aeschistrasse in BOlken

Rechts schön zu sehen das EOS-Granulat, links wird die Aeschistrasse bereits asphaltiert.

Rahel Meier

Im Juli 2016 wurde das EOS-Granulat, das im Stahlwerk Gerlafingen hergestellt wird, zertifiziert. EOS-Granulat ist ein Recyclingbaustoff, der für Fundationen verwendet werden kann (siehe Kasten). Aus diesem Grund wurde in Zusammenarbeit mit dem Kanton Solothurn nach einer Baustelle gesucht, bei der das Material eingesetzt werden kann. Der Kanton Solothurn fördert den vermehrten und nutzungsorientierten Einsatz von Recyclingbaustoffen.

EOS-Granulat

Recyclingbaustoff

Beim Stahl-Recycling entsteht auch ein Nebenprodukt, das sogenannte Elektroofen-Schmelzgestein (EOS). Dieses wird im Werk von Stahl Gerlafingen zu Granulat in drei verschiedenen Grössen verarbeitet. Das Granulat besteht aus hochstabilen Körnern mit verzahnender Oberfläche und guter Kornverteilung. EOS-Granulat hat ein hohes Tragvermögen, es ist frostsicher und langlebig. EOS-Granulat wird typischerweise bei Ausgleichs- und Fundationsschichten im Hoch- und Tiefbau, sowie als Koffermaterial im Strassen, Weg- und Platzbau verwendet. EOS-Granulat ist umwelt- und bautechnisch gleich einsetzbar wie Betongranulat. Die Nutzung ist schweizweit einheitlich reglementiert. (rm)

Im Oktober 2016 wurde die Baustoffrecycling-Strategie verabschiedet. Im Sinne der langjährigen Kooperation zwischen der Stahl Gerlafingen AG und dem Kanton Solothurn wird deshalb auch die Verwertung des EOS-Granulates – für den Kanton kostenneutral – unterstützt. Fündig wurde man mit dem Sanierungsprojekt Aeschistrasse in Bolken, das schon bald fertig ist. Später soll das EOS-Granulat auch in Gerlafingen getestet werden. Gestern Donnerstag informierten die Verantwortlichen direkt vor Ort über die ersten Erkenntnisse des Pilotprojektes.

Regionale Ressource

Christoph Zeltner (Leiter Qualität und Umwelt Stahl Gerlafingen) ist überzeugt, dass Recyclingbaustoffe künftig häufiger eingesetzt werden. Das EOS-Granulat werde in der Region hergestellt und der Einsatz sei auch von den Kosten her interessant. EOS-Granulat sei eine industriell hergestellte Gesteinskörnung. Alles, was der Schrottaufbereiter nicht trennen könne, werde beim Schmelzprozess im Stahlwerk getrennt. «Sie müssen sich vorstellen, dass im Schmelzofen eine Art kochende und glühende Lava erzeugt wird. Diese läuft aber nicht wie bei einem Vulkan ins Meer, sondern in einen grossen Kübel und wird 14 Stunden lang abgekühlt. Danach werden die Gesteinsbrocken zu Granulat verarbeitet.»

In der Verordnung über die Vermeidung und Entsorgung von Abfällen (VVEA) seien die Vorgaben und Regeln zur Herstellung und Nutzung von EOS-Granulat niedergeschrieben. «EOS darf unter und im Asphalt, wie auch unter und im Beton eingesetzt werden. Es muss immer genügend Abstand zum Grundwasser eingehalten werden», so Christoph Zeltner.

Recyclingbaustoffe würden künftig vermehrt den Platz unter Asphalt und Beton beanspruchen. «Natürliche Kiese sollen vor allem dort eingesetzt werden, wo sie von Regenwasser durchströmt werden und dieses ins Grundwasser fliesst.» Laut Zeltner gelten für alle Recyclingbaustoffe die gleichen Umweltvorgaben. Das erleichtere den Praktikern auf der Baustelle den Umgang mit diesen Materialien.

Als einer dieser Praktiker äusserte sich Uriel Kramer (W+H AG, Biberist). Für die Planung mache es keinen Unterschied, ob ein Recyclingbaustoff oder ein natürlicher Baustoff eingesetzt werden. «Hier in Bolken haben wir ein Pilotprojekt, deshalb haben wir verschiedene Schichten eingebaut und versucht herauszufinden, wie der Einbau am idealsten ist.» EOS-Granulat lasse sich genau gleich gut einbauen, wie anderes Material, auch wenn es um das Verdichten der Schichten gehe. In Gerlafingen sei früher auch etwa Schlacke für die Strassenkofferung verwendet werden. «Diese ungenügend aufbereitete, frühere Schlacke lässt sich nur mit viel Aufwand wieder entfernen.» Anders sei es beim EOS-Granulat. Mindestens beim Nachgraben der Randsteine habe sich nur ein minimaler Mehraufwand ergeben.

Wichtig sei, dass die später nachfolgenden Generationen ganz genau wissen, welche Materialien beispielsweise in einem Strassenkoffer verbaut wurden. Die langfristige Entsorgung von Recyclingbaustoffen sei nämlich nicht gleich geregelt, wie bei natürlichen Baustoffen, wie etwa Kies.

60 Messungen durchgeführt

Rohit Nandedkar (IMP, Oberbuchsiten) zeigte auf, dass das Pilotprojekt genau überprüft worden sei. Rund 60 Messungen seien durchgeführt worden. Das EOS-Granulat wurde dabei unter anderem auf seine Tragfähigkeit und die Verdichtung überprüft.

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