Gerlafingen/Biberist
Seit Wochen kommt kein Wasser aus den Brunnen - wegen Richterspruch

210 Wasserbezüger in Biberist und Gerlafingen, die Mitglied der Brunnengenossenschaft Rabizoni sind, erhalten seit rund einem Monat kein Wasser mehr. Schuld ist ein Richterspruch.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Alles ist vorbereitet, um die Leitungen zu verlegen. Der Brunnen auf dem Grundstück des klagenden Hausbesitzers ist schon lange stillgelegt.

Alles ist vorbereitet, um die Leitungen zu verlegen. Der Brunnen auf dem Grundstück des klagenden Hausbesitzers ist schon lange stillgelegt.

Rahel Meier

Kein Wasser, und dies seit rund einem Monat. Dieses Los teilen sich etwa 210 Wasserbezüger in Biberist und Gerlafingen, die Mitglied der Brunnengenossenschaft Rabizoni sind. Betroffen sind konkret Brunnen von Gerlafingen, unterhalb der Hausmattstrasse sowie alle Anschlüsse in Biberist.

Mit ihrem Niederdruckwassernetz versorgt Rabizoni hauptsächlich Brunnen der Genossenschafter mit Wasser. Es gibt aber auch Bezüger, die von Rabizoni ihr gesamtes Wasser beziehen. «Eine Handvoll», so Uriel Kramer, technischer Leiter der Brunnengenossenschaft, ist vom Lieferunterbruch betroffen. Mit provisorischen Leitungen beziehen sie Wasser aus dem Hochdruckwassernetz.

Kein Zugang zur Leitung

Nicht etwa ein Wasserleitungsbruch hat die Misere herbeigeführt. Die Brunnengenossenschaft musste das Wasser auf Geheiss des Richters abdrehen. Dies weil ein Hausbesitzer, über dessen Grundstück eine Leitung führt, das Rabizoni-Wasser für die Feuchtigkeit im Haus verantwortlich macht. «Die Probleme begannen, als das Haus den Besitzer wechselte», berichtet Uriel Kramer. «Das Haus hatte schon immer mit Feuchtigkeit zu kämpfen.»

Brunnengenossenschaft Rabizoni: Sieben Gemeinden werden versorgt

Im Wasseramt gibt es mehrere Brunnengenossenschaften. Die Rabizoni ist mit Abstand die Grösste. Ihr Wasser wird in Koppigen gefasst, und das Versorgungsgebiet umfasst Biberist, Gerlafingen, Obergerlafingen, Halten, Kriegstetten, Oekingen und Recherswil. Die Quelle hat eine Schüttung von 3000 bis 4000 Litern/Minute, durchschnittlich werden 1949 Liter/Minute an aktuell 422 Genossenschafter verkauft. Die Genossenschaft bezweckt basierend auf ihren Quellenfassungs- und Fortleitungsrechten, die sie im Jahre 1918 von Josef Rabizoni erworben hatte, ihre Mitglieder in den Gemeinden mit Trinkwasser zu versorgen, den Unterhalt und den Ausbau der Quellen und Leitungsanlagen sowie die Sicherung und Überwachung der Brunnenrechte zu gewährleisten. Genossenschafter sind natürliche und juristische Personen mit einem Brunnenrecht. Die Veräusserung des Brunnenrechts ist nur zusammen mit der Handänderung der Liegenschaft, auf der sich der Brunnen befindet, zulässig. (rm)

Im September 2014 ging eine von zwei parallel geführten Leitungen in der Nachbarliegenschaft leck. Am Rand des Gartens des Hausbesitzers wurde eine Vernässung festgestellt. Die Leitung wurde geflickt. Die Leitung brach im April 2015 ein zweites Mal. «Das Wasser lief aus und hat das angrenzende Erdreich vernässt.» Der Hausbesitzer verweigerte Rabizoni den Zugang in seinen Garten. Gleichzeitig gab er eine Expertise in Auftrag. Laut dieser wird nicht ausgeschlossen, dass das Rabizoni-Wasser die Feuchtigkeit im Haus beeinflusse.

Zuerst Videoaufnahmen

Es folgten eine Anzeige und der Gang zum Richter. Eigentlich will die Brunnengenossenschaft die Leitung schon lange verlegen und die fragliche Liegenschaft umgehen. Die neue Leitung kann aber nicht fertiggestellt werden. Der Verlauf der neuen Leitung tangiert die heute bestehende Leitungsführung. Diese muss aber laut Richterspruch mit Videoaufnahmen geprüft werden. Die letzten Grabarbeiten können erst nach den Videoaufnahmen ausgeführt werden. «Die alte Leitung soll für die richterlich angeordnete Untersuchung nicht verändert werden.»

Die Aufnahmen konnten bis heute nicht terminiert werden. «Die Firma, welche den Auftrag erhalten sollte, hat den Auftrag zurückgeben. Nun wurde endlich eine neue Firma gefunden, welche die Aufnahmen durchführen kann.» Das Wasser wird deshalb noch einige Zeit nicht durch die Rabizoni-Leitungen fliessen. «Nach Abschluss der Expertise benötigen die beauftragen Unternehmungen noch zirka eine Woche bis der Zusammenschluss realisiert ist», hofft Uriel Kramer. Immerhin seien die beiden Anschlussstellen bereits freigelegt und für eine kurzfristige Umhängung vorbereitet.

Aktuelle Nachrichten