Selzach
Schwachpunkte in der Verwaltungsstruktur

Eine Analyse zeigt die Überbelastung der Chefs. Der Gemeinderat von Selzach will dies ändern.

Urs Byland
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Eine Prüfung zeigt, dass auch die wichtigsten Verwaltungsangestellten zu viel arbeiten. (Symbolbild)

Eine Prüfung zeigt, dass auch die wichtigsten Verwaltungsangestellten zu viel arbeiten. (Symbolbild)

GAETAN BALLY / Keystone

Selzachs Verwaltungsstruktur wird überprüft. Eine erste Analyse, erarbeitet von Kontextplan mit den Referenten Miriam Albisetti und Matthias Reitze, fand im Gemeinderat Zustimmung. Nun soll der Gemeinderat einen Variantenentscheid treffen.

Die Ergebnisse der Pensenprüfung auf der Verwaltung und der Vergleich mit der Verwaltung von Langendorf offenbaren Defizite. Im Mittelpunkt steht das Pensum der Gemeindepräsidentin. Sie soll entlastet werden. Aber die Prüfung zeigt, dass auch die wichtigsten Verwaltungsangestellten zu viel arbeiten. Gemeindepräsidentin Silvia Spycher beispielsweise erledigt ein Pensum von 75 Prozent. Ihr Amt ist aber nur mit 50 Stellenprozenten dotiert. «Rechnet man ehrenamtliche Arbeit ab, bleiben 15 Prozent Mehrbelastung», erklärte Miriam Albisetti.

«Leuchtturm»-Projekt

Mit viel Eifer stellte Peter Bichsel im Gemeinderat ein Projekt mit E-Tankstelle und E-Carsharing beim Gemeindehaus vor. Es sei ein «Leuchtturm»-Projekt für die Gemeinde. Dann wurde er gebremst von Ratskollege Beat Kohler. Das Mitglied der Umweltkommission fühlte sich schlecht informiert, seine Kommission sei zu wenig einbezogen worden. Christoph Scholl beantragte, dass das Projekt nochmals, nach einer Stellungnahme der Umweltkommission, traktandiert werden soll. Gemeindepräsidentin Silvia Spycher erklärte, der Gemeinderat selber habe das Projekt der Arbeitsgruppe Verkehr mit Mitglied Bichsel zugewiesen und nicht der Umweltkommission. Der Zusatzschleife wurde trotzdem zugestimmt. Dann soll auch dafür gesorgt werden, dass 100 Prozent erneuerbarer Strom in die Tankstelle fliesst, und geprüft werden, ob nicht gar Sonnenstrom auf einer Gemeindeliegenschaft genutzt werden könnte. Einig war sich der Gemeinderat darin, dass das Projekt einer E-Tankstelle von der RegioEnergie gegenüber dem Projekt der AEK bevorzugt werden soll. (uby)

Der Gemeindeverwalter hat gar einen Überschuss von 25 Prozenten. Und auf noch mehr kommt der bald in Pension gehende Bauverwalter mit einem Überschuss von 32 Prozent. «Seine Überlast ist massiv. Nach Arbeitsgesetz ist das auf Dauer nicht zulässig.» Sie habe aber auch selten einen Menschen gesehen, der seine Arbeit mit mehr Freude ausführt, als der Bauverwalter von Selzach.

Stellvertretungen und Stellenbeschriebe

Miriam Albisetti zählte mehrere Schwachpunkte auf. Neben der Entlastung für die wichtigen Verwaltungsangestellten und einer neuen Regelung für die Gemeindepräsidentin brauche es ein Stellvertretungskonzept sowie aktualisierte Stellenbeschriebe, in denen auch wirklich alles erfasst ist, was die Angestellten leisten müssen.

Wie soll dies alles erreicht werden? Albisetti nannte drei Varianten. Stärkung des Referentensystems, was mehr externe Kosten verursachen könnte, Stärkung der Verwaltung oder Einführung des Ressortsystems im Gemeinderat.

In Gemeinderat war man sich einig, dass ein Variantenentscheid getroffen werden soll. Das Büro wurde damit beauftragt, diesen vorzubereiten. Dazu gehört auch ein Workshop des Gemeinderates. Es wird spannend sein zu sehen, wo der Gemeinderat letztlich den Hebel ansetzen will. Kommt es zu einer Verkleinerung des heute elf Köpfe zählenden Gemeinderates und der Einführung des Ressortsystems? Will man die Pensen in der Verwaltung erhöhen? Oder sollen mehr Aufgaben nach aussen vergeben werden? Der Gemeinderat will nun rasch eine Lösung suchen.

Investieren ja, aber nicht auf Kosten der Gemeinde

Ende 2018 hatte Selzach die Liegenschaft Nummer 3220 neben dem Schulparkplatz, als strategische Reserve für de Entwicklung der Schulanlagen gekauft. In der Zwischenzeit soll sie vermietet werden. Ein Mieter wurde gefunden, der nun das Gebäude für seine Zwecke umgestalten will. Der Gemeinderat genehmigt das Gesuch um Anpassungen. Nach längerer Diskussion war man sich zudem einig, dass sämtliche Investitionen vom Mieter übernommen werden müssen und auch keine Rückzahlung vorgesehen ist. Zudem soll geprüft werden, ob das Haus bereits jetzt ans Fernwärmenetz angeschlossen werden kann. (uby)

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