Oberramsern
Historische und moderne Zeugen der Landwirtschaft bestaunt

Der dritte «Treff.Buechibärg» lockte rund 50 Personen nach Oberramsern. Mit dem Motto «modern, giftfrei und historisch», referierten die Gebrüder Adrian und Beat Wyss über drei unterschiedlichen Themen.

Marlene Sedlacek
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Adrian Wyss erklärt die Geschichte der Zehntenscheuer im Hintergrund

Adrian Wyss erklärt die Geschichte der Zehntenscheuer im Hintergrund

Hanspeter Bärtschi

Adrian Wyss führte zum Zehntenstock, der mit seiner hellen Fassade, den grauen Riegeln und Fensterläden über einem gepflegten Garten mit symmetrischen Kieswegen und einem Wasserrondell thront. Das Gebäude, im Jahr 1557 aus Bruchstein gemauert, gehörte der Vogtei Buchegg. Es diente, wie der Name sagt, der Abgabe des Zehnten an die Herrschaft, erklärte Wyss, Eigentümer des Bauwerkes.

Kerker im zweiten Stock

Im zweiten Stock habe sich ein Kerker befunden, in dem Leute eingesperrt wurden, die die Abgaben nicht zahlen wollten, berichtete er weiter. Der Zehntenstock soll auch ein Geisterhaus gewesen sein, in dem es «I der Geisterstund im zweute Stock i der Chammere grampolet hed», wie Elisabeth Pfluger in den «Solothurner Geistersagen» erzählt habe.

Adrian Wyss erzählt die Geschichte dieses Berner Barockspeichers.

Adrian Wyss erzählt die Geschichte dieses Berner Barockspeichers.

Hanspeter Bärtschi

Einen ganz anderen Charakter hat der Berner Barockspeicher der rund 200 Jahre später aus Holz erstellt wurde. In einer spektakulären Aktion hat man das Gebäude 1998 mit einem Pneukran über die Dächer von Oberramsern hinweg an den heutigen Standort gehievt, wo es von der Hauptstrasse her gut sichtbar ist.

Mit den reich verzierten Lauben, anmutig geschmückt mit Geranien, erfüllt es seinen heutigen Zweck als historischer Zeitzeuge und als Kulisse für Erinnerungsfotos. Der Speicher hat es gar auf eine Pro Patria Briefmarke geschafft.

Hightech prägt die moderne Landwirtschaft

Nach diesem Rückblick in die Geschichte machte Beat Wyss eine zeitliche Kehrtwende um 180 Grad und entführte die Besucherinnen und Besucher in die moderne Landwirtschaft.

Beat Wyss spricht über die moderne Landwirtschaft.

Beat Wyss spricht über die moderne Landwirtschaft.

Hanspeter Bärtschi

Sein Dienstleistungsunternehmen hat sich aufs Ausbringen von Saatgut spezialisiert. Ein riesiger Traktor im Hof mit verschiedensten Gerätschaften hinten und vorne imponierte den Gästen.

«Mit diesem Gefährt können wir fünf Arbeitsschritte gleichzeitig ausführen»,

betonte Beat Wyss. Nämlich ebnen, walzen, säen, Pflanzenschutzmittel spritzen und Schneckenkörner ausbringen.

Alles wird aufgezeichnet

Der Traktor ähnelt eher einem Hightech Computer als einem Landwirtschaftsfahrzeug. Er ist ausgerüstet mit GPS, das den Weg weist und eine Spurtreue von zwei Zentimetern ermöglicht. Jede einzelne Aktion werde vom Tablet im Cockpit aus gesteuert und minutiös aufgezeichnet, so Wyss.

Dass das schwere Gerät den Boden zu stark verdichte, verneinte er.

«Die breiten Hinterreifen verteilen den Druck. Wir haben einen mehr als sensationellen Bodenanpressdruck von nur 0,4»,

sagte er stolz. Neben seinem Lohnunternehmen verfügt Beat Wyss mit der WeedControl GmbH über ein zweites Standbein. Er vertreibt Geräte zur Bekämpfung von Unkraut und Moos. Mit kochendem Wasser kann man damit unliebsame Pflanzen vernichten. «Völlig giftfrei und CO2-neutral», wie Wyss betonte. Das Gerät für den Privatanwender ist etwa anderthalb Meter hoch und funktioniert wie ein überdimensionierter Wasserkocher.

Im Anschluss an die informativen Referate genehmigten sich die Teilnehmenden die obligate Bratwurst mit Bauernbrot und Kuchen aus den Küchen der Landfrauen.

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