Küttigkofen/Buchegg
Es braucht Geduld: Sofortmassnahmen am Mülibach werden laufend umgesetzt – der Hochwasserschutz kommt erst 2024

Im Sommer 2021 war der Dorfkern Küttigkofen nach Unwettern mit Starkregen überschwemmt. Nun sollen als Erstes die bisher bekannten Zahlen aufgearbeitet werden. Erst danach werden allfällige Massnahmen für den Hochwasserschutz definiert und umgesetzt.

Rahel Meier Jetzt kommentieren
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Das Wasser aus dem Mülibach floss im vergangenen Sommer durch den Dorfkern in Küttigkofen und beschädigte zahlreiche Liegenschaften.

Das Wasser aus dem Mülibach floss im vergangenen Sommer durch den Dorfkern in Küttigkofen und beschädigte zahlreiche Liegenschaften.

zvg/Niklaus Fischer

Dem Gemeinderat Buchegg lag an seiner letzten Sitzung ein erster Bericht vor, in dem die Unwetter-Ereignisse des vergangenen Sommers analysiert wurden. Der Bericht soll dabei helfen, die Ereignisse einzuordnen und künftige Massnahmen zu definieren.

Der Bericht wurde durch Christof Jörg (BSB Biberist) vorgestellt. Das Hochwasser hatte laut den Fachleuten mehrere Auslöser: Die Böden waren Ende Juni ganz allgemein bereits stark gesättigt. Daraufhin kamen Starkniederschläge. Diese wurden zusätzlich begleitet von Hagel und starkem Wind.

Es war ein «ausserordentliches Ereignis»

Der Rüschenbach ist normalerweise nur ein Rinnsal.

Der Rüschenbach ist normalerweise nur ein Rinnsal.

zvg/Niklaus Fischer

Die Fliessgewässer traten daraufhin teilweise über die Ufer, zusätzlich kam es an diversen Orten zu Oberflächenabfluss, zu Murgängen und Hangrutschungen. Als Letztes kam es wegen Schwemmholzes, Kieses und Gerölles, das im Mülibach transportiert wurde, zu Verklausungen (siehe Infobox). Der Ortsteil Küttigkofen wurde insgesamt stark in Mitleidenschaft gezogen.

Die bestehenden Schutzbauten haben laut Bericht ihren Zweck grösstenteils erfüllt. Jedoch hielten nicht alle den grossen Wassermassen stand und einige nahmen Schaden.

Im Fazit des Berichtes steht zudem: «Es kann gefolgert werden, dass es sich beim Ereignis aus dem Jahr 2021 um ein ausserordentliches Ereignis ‹HQ100› gehandelt haben muss.»

Fachbegriffe

Hochwasser und Verklausung

Wenn Fachleute über Hochwasser sprechen, fällt unweigerlich der Begriff «HQ». Das «Q» kommt dabei aus der Hydrologie und bezeichnet die Wassermenge oder den Wasserabfluss (Quantitas, aus dem Lateinischen) und das «H» steht für Hochwasser.

Häufig kommt der Begriff «HQ100» vor: Damit ist ein Hochwasser gemeint, das statistisch gesehen alle 100 Jahre vorkommt und damit ein «sehr grosses Hochwasser» ist. Ein «HQ30» sollte sich rein rechnerisch gesehen nur alle 30 Jahre ereignen und wird als grosses Hochwasser eingestuft.

Je kleiner also die Zahl, die beim «HQ» steht, desto häufiger kommt das Hochwasser vor, desto weniger schlimm ist es.

Fachleute sprechen ebenfalls häufig von «Verklausung». Unter Verklausung wird der teilweise oder vollständige Verschluss eines Fliessgewässerquerschnittes – wie beispielsweise einer Brücke oder eines Bachdurchlasses – infolge angeschwemmten Treibgutes oder Totholzes verstanden. Dadurch wird das Wasser aufgestaut, es kann zu Überschwemmungen wie in Küttigkofen kommen.

In die Erarbeitung der Ergebnisanalyse waren neben den Planern auch Vertreter der Gemeinde und der kantonalen Fachstellen einbezogen. Von den Fachleuten wird die Überprüfung der HQ-Werte und der Hydrologie rund um den Mülibach durch ein spezialisiertes Hydrologiebüro dringend empfohlen.

Blick ins Mülitäli im Sommer 2021.

Blick ins Mülitäli im Sommer 2021.

zvg/Niklaus Fischer

Der Kanton ist bereit, in dieser Sache den Lead zu übernehmen. 80 Prozent der Kosten würden übernommen. Nur wenn die Studie erarbeitet wird, wird sich der Kanton zudem künftig auch an den Kosten allfälliger Massnahmen beteiligen.

Zahlen dringend überprüfen

Gemeinderat Niklaus Fischer, der als Ressortleiter Werke stark in die Aufarbeitung der Folgen des Hochwassers vom letzten Sommer involviert ist, appellierte an seine Kolleginnen und Kollegen: «Wir müssen die genauen Zahlen kennen. Das Zahlenmaterial, das wir heute zur Verfügung haben, ist nicht mehr aktuell.»

Notgedrungen biss der Gemeinderat Buchegg in diesen sauren Apfel und stimmte der Erarbeitung der Studie zu. Gemeindepräsidentin Verena Meyer brachte es auf den Punkt:

«Ich habe keine Freude an einer weiteren Planung, die viel Geld kostet. Aber wir kommen wohl nicht darum herum, wenn wir wirksame Massnahmen ergreifen wollen.»

Erste Resultate seien schätzungsweise Anfang 2023 zu erwarten. Erst danach könnten weitere Massnahmen definiert werden. Insbesondere geht es dabei auch um das Revitalisierungskonzept Mülibach, das zurzeit sistiert ist und allenfalls mit Hochwasserschutzmassnahmen ergänzt werden könnte.

Nötige Arbeiten werden parallel zur Planung ausgeführt

Unabhängig von allfälligen Hochwasserschutzmassnahmen und einem Revitalisierungsprojekt wurden – und werden auch weiterhin – Instandsetzungsarbeiten ausgeführt. Auch der ausserordentliche Unterhalt des Mülibachs wird laufend ausgeführt. Dabei soll grosszügig ausgeholzt werden.

Dem Gemeinderat Buchegg wurde zudem empfohlen, eine Gefahrenkarte Wasser erarbeiten zu lassen. Aus Sicht der Gemeinde ist dies nicht unbedingt notwendig, da in Buchegg keine neuen Einzonungen mehr vorgenommen werden und die bestehenden Bauparzellen schon bebaut sind. Man wolle Geld und Energie lieber in Massnahmen stecken, die etwas bringen, so der Grundtenor im Gemeinderat.

Als sinnvoll befand der Gemeinderat allerdings, bei der Erarbeitung der Generellen Entwässerungsplanung ein Teilprojekt Oberflächenabfluss erstellen zu lassen. Zudem soll während der Baugesuchsprüfung verstärkt auf das Potenzial von Naturgefahren hingewiesen werden.

Angaben Solothurnische Gebäudeversicherung

Immer wieder Schäden

Im Bericht werden auch Zahlen der Solothurnischen Gebäudeversicherung (SGV) aufgelistet. Dabei wird ersichtlich, dass es im Einzugsgebiet des Mülibachs immer wieder zu Schadensfällen kommt.

Vom 1. Januar 1980 bis zum 18. Oktober 2021 sind bei der SGV insgesamt rund 310 Schadensmeldungen für den Prozess Überschwemmung und Hochwasser eingegangen. Die Schadenssumme belief sich dabei auf rund 2,4 Millionen Franken. Stark betroffen sind vor allem Gebiete in Küttigkofen im Bereich der Eindolung des Mülibachs, ferner Gebiete in Mühledorf im Bereich der Tscheppachstrasse.

Für die Ereignisse Ende Juni/Anfang Juli 2021 gingen bei der SGV etwas über 100 Schadensmeldungen bei einer Schadenssumme von 1,5 Millionen Franken ein.

In dieser Karte sind alle bekannten Ereignisse zusammengeführt. Küttigkofen war massiv betroffen, wie die Karte zeigt.

In dieser Karte sind alle bekannten Ereignisse zusammengeführt. Küttigkofen war massiv betroffen, wie die Karte zeigt.

zvg/BSB Biberist

Jugendliche mit klaren Ideen

Der Gemeinderat diskutierte zudem kurz über das Projekt «Engage», an dem sich Buchegg beteiligt. An einem Treffen zwischen Jugendlichen der Gemeinde und dem Gemeinderat wurden konkret zwei Anträge diskutiert. Das eine ist der Wunsch nach einem Jugendraum. Das zweite der Bau einer Skater-Anlage. Um letzteres soll sich die Arbeitsgruppe Spielplatz kümmern.

Zudem wurde gewünscht, dass sich die Jugendlichen mit der Projektleiterin von «Engage» treffen. Bei diesem Treffen soll eine zusätzliche Person aus Buchegg dabei sein, die künftig als Bindeglied zwischen den Jugendlichen und dem Gemeinderat dient.

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