Kriegstetten
Musikalische Traumvorstellungen – trotz Coronauflagen und teilweiser Maskenpflicht

Mit dem Wasserämter Musikwettbewerb sollen Kinder und Jugendliche musikalisch gefördert werden.

Hans Blaser
Drucken
Teilen
Mira Hostettler beeindruckte die Experten erneut.

Mira Hostettler beeindruckte die Experten erneut.

Hans Blaser

Nach dem Corona-Aussetzer im letzten Jahr konnte – allerdings mit strengen Auflagen – der Wasserämter Musikwettbewerb (WMW) wieder durchgeführt werden. Dem OK war es ein grosses Anliegen, den Wettbewerb nicht wie andernorts einfach sterben zu lassen. Dazu hatte es allerdings schon deutlich vor Corona die Weichen gestellt.

Der WMW hat mittlerweile ein anderes Gesicht als bei seiner Geburt im Jahr 1988. Entstanden ist er nämlich aus der Blasmusikszene. Einigen Dirigenten von Musikvereinen aus dem Wasseramt, die auch alle Musiklehrkräfte sind oder waren, war dies ein grosses Anliegen. Sie wussten natürlich, dass Vergleiche den Ehrgeiz anstacheln, insbesondere bei Jugendlichen. Was in der Pädagogik gilt, kann bei der Musikausbildung nicht falsch sein.

Ursprünglich an den Musiktag gekoppelt

Der Wasserämter Musikverband, wo die Blasmusikvereine zusammengefasst sind, nahm das Anliegen auf. Der Anlass wurde an den Wasserämter Musiktag gekoppelt. Damals war der Wettbewerb jenen Blasin­strumenten vorbehalten, welche in der Blasmusik Verwendung finden.

Inzwischen war dort aber die Zeit längst vorbei, wo bloss eine kleine und eine grosse Trommel – im Volksmund Pauke genannt – und Tschinellen die Perkussion bildeten. Deshalb wurden schon sehr bald auch die Perkussionisten mit ihren Instrumenten zugelassen. Musiklehrkräfte anderer Instrumentengruppen fühlten sich und vor allem ihre Schüler benachteiligt und suchten die Integration. So kamen im Laufe der Jahre weitere Instrumente dazu. Einige davon sind wieder verschwunden.

Neuem gegenüber aufgeschlossen

Weil beim WMW aber stets die musikalische Förderung im Vordergrund stand, war man immer offen. Diesem Grundsatz ist es auch zu verdanken, dass der Wettbewerb bestehen blieb, als von den Blasmusikvereinen der Rückhalt fehlte. Kurzerhand ­lösten ihn die Initianten vom Wasserämter Musikverband ab und organisierten ihn zeitlich und örtlich unabhängig selber.

Dass man gegenüber Neuem noch immer aufgeschlossen ist, zeigen die zwei diesjährigen Neuerungen. Ähnlich wie bei anderen, bestehenden Wettbewerben wurde die Kategorie Juniors neu eingeführt. Das sind Kinder in der musikalischen Früherziehung, die gemischt über alle Instrumente hinweg beurteilt werden. Konkret waren dies heuer Kinder mit Jahrgang 2013 oder jünger.

Zum ersten Mal ein Akkordeon dabei

Nebst dieser Erweiterung der Altersstruktur gab es auch eine Verbreiterung bei den Instrumenten. Erstmals tauchte ein Akkordeon in der Startliste auf. Da musste sich Susanne Pfäffli als einzige Teilnehmerin wohl noch etwas isoliert vorgekommen sein. Tatsächlich wäre eine grössere Anzahl Teilnehmer wünschenswert, schon nur des internen Vergleiches wegen.

Einen solchen hatten die beiden Streicherinnen. In der Kategorie 1 durften sie noch ohne Maske mit der Violine vor das Publikum treten. Logischerweise auch ohne Maske durften sich die beiden Schwestern Elaine und Fiona Hoang im Fach Sologesang miteinander messen. Nur um einen Punkt musste sich Elaine von Fiona schlagen lassen.

Elaines Augenmerk galt ohnehin vermutlich eher ihrem Auftritt am Klavier. Dort überzeugte sie mit einer gefälligen Interpretation des «Wiegenliedes Nr2 Opus 3» von Alexander Spendiarow. Dennoch musste sie sich – wiederum um einen einzigen Punkt – von Simone Pepe schlagen lassen.

Mondscheinsonate zwei Mal gewählt

Dessen Interpretation des Adagios sostenuto der Klaviersonate Nr. 14 von Ludwig van Beethoven wurde zu einem der Höhepunkte des Wettbewerbes. Dieses Opus 27 Beethovens, die sogenannte «Mondscheinsonate» wählte auch Anna Bührer als Vortrag. Das ermöglichte einen direkten Vergleich auch aus der Sicht des Publikums.

In der Kategorie Bläser 1 wurde Nezar Fawzy mit der höchsten Note belohnt. Der junge Saxofonist konnte Marco Rohn auf der Klarinette aber bloss um einen einzigen Punkt übertrumpfen.

Seriensiegerin auch dieses Mal wieder top

Für klare Verhältnissen, nicht nur bei den Bläsern Kategorie 2 sondern im ganzen Wettbewerb sorgte die Seriensiegerin Mira Hostettler. Mit zwei stilistisch komplett unterschiedlichen, anspruchsvollen Vorträgen fesselte sie wiederum das Publikum. Beide spielte sie aus dem Kopf ohne Noten.

Sie begann mit «Salute Signore Rossini» von Bela Kovacs und vollzog den Stilwechsel mit «Entree», dem ersten Satz aus der Suite für Klarinette in b-Moll von Hugo Pfister. Die Tageshöchstnote war ihr sicher, auch wenn sie diese diesmal nicht als Einzige erspielte.

Die beiden einzigen Ensembles im Wettbewerb vermochten notenmässig gegen die Solisten diesmal nichts auszurichten. Hier galt das Mitmachen und erstmals Wettbewerbsluft schnuppern.