Kriegstetten
Gemeinderat wehrt sich gegen die SBB-Stromleitung, für die Wald gerodet werden soll

Keine Freude an den Plänen der SBB: Die neue Leitung soll durch den Kriegstetter Wald geführt werden. Eine Erdverkabelung wäre sinnvoll, meint der Gemeinderat.

Rahel Meier
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Die Stromleitung führt heute noch durch das Dorf.

Die Stromleitung führt heute noch durch das Dorf.

Rahel Meier

Die SBB sieht den Ersatzneubau der Übertragungsleitung Kerzers-Rupperswil im Abschnitt Kräiligen-Wiedlisbach vor. Die Leitung wurde 1920 erbaut und soll nun der aktuellen Siedlungsentwicklung angepasst, räumlich von den Dörfern und Weilern distanziert und etappenweise modernisiert und neu erstellt werden.

Die Gemeinde Kriegstetten ist insbesondere im Abschnitt Kriegstetten – Derendingen – Subingen – Deitingen tangiert. Ab Mast 436 soll die neue Leitung parallel zur Autobahn, in einem Abstand von 100 bis 600 Metern übers Feld und danach durch den Wald in Kriegstetten führen.

Schneise quer durch den Wald schlagen

«Durch die Erstellung der Leitung muss eine Schneise in den Wald gerodet werden», erklärte Gemeindepräsident Simon Wiedmer an der letzten Sitzung des Gemeinderates. Als Konsequenz würden rund 10500 Quadratmeter temporär und 50 Quadratmeter definitiv gerodet. Er meinte weiter:

«Das sind 10 Prozent des Kriegstetter Waldbestandes.»

Die Niederhaltezone umfasse rund 13000 Quadratmeter. Eine Aufforstung sei nicht vorgesehen.

Der Gemeinderat Kriegstetten begrüsst es, was das rein visuelle angeht, dass die heute noch mitten durch die Gemeinde geführte Leitung aus dem Siedlungsgebiet verschwinden soll. Allerdings sei völlig unklar, warum die SBB nicht eine Erdverkabelung vornehme.

«Lösung ist nicht ökologisch»

Die von der SBB angestrebte Lösung sei weder landschaftsschonend noch ökologisch, stellte man in der Gemeinderatssitzung fest. Eine seit Jahrhunderten gewachsene Flora und Fauna werde weggerodet. Selbst bei einer temporären Rodung würden die Waldbewirtschaftung und der Forstbetrieb massiv durch die in diesem Bereich festgelegte Niederhaltezone beeinträchtigt.

Erdverkabelung priorisieren

Der Gemeinderat beschloss einstimmig gegen das Projekt Einsprache zu erheben. Die SBB hätte vertieft prüfen sollen, ob unter eine Verkabelung der SBB-Übertragungsleitung möglich ist oder auf die Leitung sogar verzichtet werden könnte. Die SBB wäre angehalten gewesen, eine Erdverkabelung für den gesamten in Frage stehenden Abschnitt zu priorisieren, um damit die vollständige Freihaltung des Gebiets zu erreichen.

Kritisiert wurde zudem, dass die Gemeinden nicht vorgängig angehört wurden, sondern sogleich die öffentliche Planungsauflage erfolgte. Die Gemeinden könnten ihre Interessen deshalb nur noch mit einer formellen Einsprache geltend machen.

Zwar sei eine Aussprache mit der SBB im Juni geplant, allerdings sei das Ergebnis im Hinblick auf die bereits erfolgte Planauflage mehr als ungewiss.

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