Kriegstetten
Inszenierung des Singkreises Wasseramt war gewaltig

Der Singkreis Wasseramt umrahmte beim Konzert in Kriegstetten das Requiem von Webber mit Brahms.

Gundi Klemm
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Der Singkreis Wasseramt konzertierte in der Kirche Kriegstetten unter der Leitung von Markus Oberholzer.

Der Singkreis Wasseramt konzertierte in der Kirche Kriegstetten unter der Leitung von Markus Oberholzer.

Hansjörg Sahli

Mit «Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden» aus dem ersten Satz des 1868 uraufgeführten Deutschen Requiems von Johannes Brahms eröffnete und schloss der Singkreis Wasseramt sein Konzert, um seine Solidarität mit allen, die trauern, zu bekunden.

Die Aufführung dauerte nur 70 Minuten, aber die Hörerschaft empfand diese Zeit wie eine ausgedehnte Reise durch die Welt der geistlichen Musik. Die spätromantische Brahms-Komposition vermittelte in Schlichtheit und Innigkeit eine harmonische Fülle, die Zuversicht schenkte.

Gewollt war danach der krasse Schnitt zum Requiem des 1948 geborenen Andrew Lloyd Webber, das er zum Gedenken an seinen verstorbenen Vater schrieb und 1984 erstmals in New York aufführte. Aus diesem Werk spricht nicht der Komponist melodisch eingängiger Musicals wie etwa «Cats», sondern ein Musiker, der angesichts persönlich prägender Ereignisse traditionell überlieferte Messtexte in lateinischer Sprache durch zeitgenössische Stilmittel zu einem Kunstwerk geformt hat.

Vor 20 Jahren erarbeitete der Singkreis Wasseramt zum ersten Mal diese Komposition, die er jetzt zu seinem 60-Jahr-Jubiläum mit Solostimmen und der aus dem Raum Köln stammenden Kammerphilharmonie Europa erneut aufführte. Die Wiedergabe dieses in neun Einzeltitel gegliederten Werks stellt ausserordentliche Anforderungen an alle Beteiligten, die von Gesamtleiter Markus Oberholzer inspiriert und dirigiert wurden.

Komplexes Werk ...

Klassisch geschulte Musikfreunde dürften sich vermutlich schwerertun in der Akzeptanz vieler dissonanter Passagen und ebenso der bewusst durch Webber eingesetzten Kombination aus älteren und neueren stilistischen Entwicklungen. Grandios allerdings bleibt die Wirkung dieser klangmächtigen Inszenierung, die lyrische Worte solistisch, mit den Chorstimmen und mit einer effektreichen, instrumentalen Tonmalerei interpretierte.

Das wuchtige Schlagzeug setzte dramatische Akzente, welche die Bläser spannungsvoll aufgriffen, bis textbezogener Harfenklang für himmlisch-hoffnungsvolle Klärung sorgte. Ein Kindersopran (Charlotte Günther) führte ins Werk ein, mit der immer wieder als Kompositionsprinzip beteiligten Tonreihe A-E-H mit den Worten «Requiem aeternam dona es, Domine» (Ewige Ruhe schenke ihnen, Herr).

Stimmlich begeisternd wurden Sopranistin Amelia Scicolone und Simon Witzig (Tenor) ihren anspruchsvollen Aufgaben gerecht. Einen musikalischen Makrokosmos schuf der Chor, der sich technisch exakt mit schwierigsten polyfonen Tongebungen angefreundet hatte und in stimmlich extremen Einwürfen, im Sprechgesang und summend präzise auf wechselnde Metren reagierte.

... mit vielen Zitaten

Im Gedächtnis des Publikums eingebrannt bleiben angedeutete Marschtrittmusik, verfremdete Spieluhr- und Glockengeläute, das zauberhafte «Lacrimosa» oder etwa der Chorsatz «Hosanna». Dieser wurde geschmückt von verschiedenen Elementen wie südamerikanischen Rhythmen bis hin zum angedeuteten Gospelsound. Der Chorsatz leitete kontrastreich mit dröhnendem Orgelbass zum Sopransolo über.

Und wieder leuchtete das «Lux aeterna» auf, das sich mit der Bitte um Befreiung vom ewigen Tod fortsetzte. Das Requiem schloss mit der Kindersopranstimme, die diese Hoffnung gläubiger Menschen aus dem Anfangsvers mit einem auf die Unendlichkeit zielenden «Perpetua» für die Zukunft bestärkte.