Gründerversammlung
Hier passiert eine «Weltrevolution – und natürlich die Neugründung der SP Luterbach»

Die SP in Luterbach, Heimatpartei des ersten «Arbeiters im Bundesrat» Willi Ritschard, wurde wiederbelebt. Die Partei feierte ihre Neugründung und wählte die neuen Vorstandsmitglieder in der Aula der Primarschule.

Lara Enggist
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Gründerversammlung der SP Luterbach
19 Bilder
Franziska Roth moderierte den Anlass
Die neuen Mitglieder im Vorstand wurden einstimmig gewählt
Gründerversammlung der SP Luterbach
Gründerversammlung der SP Luterbach
Gründerversammlung der SP Luterbach
Franziska Roth übergibt das Mikrofon Helmut Hubacher
Ansprache von Helmut Hubacher
Ansprache von Helmut Hubacher
Juso-Präsidentin Tamara Funiciello
Gründerversammlung der SP Luterbach
Juso-Präsidentin Tamara Funiciello
Gemeindepräsident Michael Ochsenbein
 v.l. Erich Ramel (Beisitzer), Urs von Lerber (Kassier), Julia Strobel (Beisitzerin), Jean-Pierre Häni (Co-Präsidium), Aline Leimann (Co-Präsidium), Gastredner Helmut Hubacher, Regierungsrätin Susanne Schaffner, Franziska Roth (SP Kanton Soltothurn), Ständerat Roberto Zanetti
Apero nach dem offiziellen Teil
Apero nach dem offiziellen Teil
Regierungsrätin Susanne Schaffner im Gespräch mit Helmut Hubacher
Helmut Hubacher und Franziska Roth

Gründerversammlung der SP Luterbach

Hanspeter Bärtschi

33 Jahre nach dem Tod des beliebten SP-Bundesrates Willi Ritschard, löste sich ausgerechnet die Sozialdemokratische Partei seines Heimatdorfes Luterbach auf. An der Neugründung in der Aula der Primarschule blieb am Mittwoch kein Stuhl leer. Unter den Besuchern befanden sich Nationalrätin Bea Heim, Ständerat Roberto Zanetti, Regierungsrätin Susanne Schaffner, wie auch mehrere Kantonsräte.

«Sinn und Zweck der Zusammenkunft ist eine Weltrevolution. Und natürlich die Neugründung der SP Luterbach», sagte Tamara Funiciello, Präsidentin der JUSO Schweiz, in ihrem Gastreferat mit einem Augenzwinkern. In einer von Unsicherheit geprägten Zeit müsse man nach den Bedürfnissen der Menschen und nicht für den Profit handeln. Dafür stehe die SP ein. «Sie ist der nötige Widerstand, die Hoffnung und die Zukunft». Funiciello sprach von Provokation und Angriff im Kampf gegen Ungerechtigkeit. Sie sagte, es gebe nur zwei Wege und zitierte Rosa Luxemburg: Der Sozialismus oder die Barbarei.

Weniger provokant aber mit ebenso viel Herzblut sprach der ehemalige Nationalrat und Präsident der SP Schweiz, Helmut Hubacher. Er wisse, dass die SP nicht die einzige Partei sei, die Recht habe. Dafür sei er nun lange genug in der Politik. Aber irgendjemand müsse sich für die Schwächeren einsetzen, so wie es damals Willi Ritschard getan habe. Als in den 80er Jahren die Jugendlichen auf die Strasse gingen, sei es Ritschard gewesen, der fragte: «Warum ist unsere Jugend so wütend?» Er habe stets über sein Departement hinaus gedacht und die Gesellschaft in die Pflicht genommen. Die Qualität der SP sei noch heute, dass sie für Schwächere einstehe. «Wir haben viel erreicht. Nun gilt es, dies zu verteidigen.» Franziska Roth, Präsidentin der SP Solothurn, führte durch den Abend und war sichtlich gerührt von Hubachers Worten.

Die Neuwahl der Vorstandsmitglieder ging reibungslos über die Bühne. Die vorgeschlagenen Co-Präsidenten Aline Leimann und Jean-Pierre Häni wurden einstimmig gewählt. Unterstützt werden sie durch den ehemalige Kantonsrat Erich Ramel als Beisitzer und Kantonsrat Urs von Lerber als Kassier. Julia Strobel ergänzt den Vorstand als Zuständige für Medien und Kommunikation.

Was fehlte der SP Luterbach?

Der Tatendrang im Saal war spürbar. Doch wo war dieser, als sich die Partei in Luterbach vor zwei Jahren aufgelöst hatte? Nicht, dass es der örtlichen SP an finanziellen Mitteln gefehlt hätte. Nein, der Grund lautete damals ganz einfach «Amtsmüdigkeit». Die kantonale SP sei zwar über die Krise in Luterbach informiert gewesen, habe die «Hilferufe» laut Gemeindepräsident Michael Ochsenbein aber ignoriert.

Sämtliche Vorstandsmitglieder traten zurück, der Partei blieb nichts anderes übrig, als im September 2016 die Auflösung bekannt zu geben. Im März 2017 gingen die Kantonsratswahlen über die Bühne, ein Drittel der Luterbacher wählte Mitglieder der SP. Noch immer wurde nichts unternommen, um die Bewohner für eine Neugründung der SP Luterbach zu mobilisieren. Dann schalteten bürgerliche Parteien ein Inserat und flehten die Luterbacher regelrecht an, doch bitte wieder eine örtliche SP zu gründen. Auch die kantonale SP schaltete sich ein und begann, Flyer zu verteilen. «Über 100 sind zurückgekommen», sagt Niklaus Wepfer, Parteisekretär der SP Solothurn. Sogar von Bewohnern, welche bürgerlichen Parteien angehören, seien positive Rückmeldungen gekommen. Endlich konnten wieder genügend Mitglieder mobilisiert und nach drei Treffen Mitglieder für den Vorstand vorgeschlagen werden.

Warum aber musste die SP Luterbach erst aufgelöst werden, damit etwas passierte? Sogar Helmut Hubacher sagte: «Ich habe schon viel erlebt. Aber dass eine Sektion nach 100 Jahren einschläft und nach zwei Jahren wiederbelebt wird, das ist auch für mich eine Premiere». Dass es gekriselt habe, war der SP Solothurn bekannt. «Man hätte sich früher für die SP Luterbach einsetzten sollen», sagte Wepfer vergangenes Jahr. Von der definitiven Auflösung der SP Luterbach habe er aber über Dritte erfahren. Ganz anders sieht dies der Gemeindepräsident Michael Ochsenbein. Die kantonale SP habe einfach geschlafen.

Diese unterschiedlichen Sichtweisen lassen vermuten, dass man auf beiden Seiten über die Auflösung nicht besonders stolz ist. Darauf, dass sich eine Partei mit 30 Prozent Wähleranteil in der Gemeinde einfach auflösen konnte. Umso zuversichtlicher will nun die SP Luterbach in die Zukunft starten. Das «fehlende Interesse an der Mitwirkung», wie der Gemeindepräsident einmal sagte, scheint wie weggeblasen durch die Erkenntnis Willi Ritschards: «Nur in der Gemeinschaft wird die Diskussion gefördert».

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