Gemeindewahlen
Die Stimmberechtigten von Derendingen belohnen Roger Spichiger

Markus Baumann muss im Kampf um das Gemeindepräsidium eine bittere Niederlage einstecken. Er verliert sogar den gewonnen Sitz im Gemeinderat

Urs Byland
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Christina und Roger Spichiger (SP) feiern den Gewinn des Gemeindepräsidiums in Derendingen.

Christina und Roger Spichiger (SP) feiern den Gewinn des Gemeindepräsidiums in Derendingen.

Tom Ulrich

Nicht anders als bitter muss die Niederlage von Markus Baumann (SP) im Kampf um das Gemeindepräsidium gegen Roger Spichiger (SP) bezeichnet werden. Da ist einmal der klare Sieg, den die Derendingerinnen und Derendinger Spichiger bescherten. Von den 3768 Stimmberechtigten beteiligten sich 1429 an der Wahl. Bei einer Stimmbeteiligung von 37,9 Prozent holte Spichiger 1053 Stimmen. Baumann kam lediglich auf 326 Stimmen. Andererseits fliegt Baumann aus dem Gemeinderat. Er wurde zwar gewählt. Aber weil sich Spichiger als Verwaltungsangestellter nicht an der Gemeinderatswahl beteiligen durfte, muss nun der letztgewählte Kandidat der Liste SP und Grüne seinen gewonnenen Sitz wieder abgeben. Und das ist Baumann.

Kommentar

Angeschwärzt

Wie stark die Aktion von Markus Baumann, seinen Kontrahenten des Amtsmissbrauchs zu bezichtigen, Roger Spichiger geschadet hat, ist schwer abzuschätzen. Den Sieg hat er nicht geholt. Die Stimmenden haben sich von diesem politischen Manöver, so muss man es nennen, nicht irritieren lassen. Sie haben in der Mehrzahl erkannt, dass es ihm nicht um das Wohl der Gemeinde, sondern darum ging, Spichiger in der Öffentlichkeit anzuschwärzen. Baumann hätte das Problem mit dem Parteikollegen klar anders lösen können, ja sollen. Einen solchen Gemeindepräsidenten wollen die Derendinger nicht. Trotzdem muss Roger Spichiger über die Bücher. Er muss für seinen Privataufwand selber geradestehen und kann nicht einfach die Gemeindekasse beanspruchen. Inhaltlich hat Markus Baumann schon recht. Gut also, dass Spichiger seinen Fehler zugibt und dafür geradesteht. So einen wünschen sich die Derendinger.
Urs Byland
urs.byland@chmedia.ch

«Freudensprünge mache ich wegen dieser Wahl nicht», kommentiert Baumann mit Sarkasmus den auch für ihn klaren Entscheid. «Das Volk hat entschieden, und das ist zu akzeptieren.» Die im Vorfeld der Wahl von ihm gegen Spichiger eingereichte Strafanzeige wegen angeblichen Amtsmissbrauchs bleibe bestehen. «Ich habe immer gesagt, diese hat nichts mit dem Wahlkampf zu tun. Das ist eine andere Geschichte.» Den klaren Wahlsieg von Spichiger erklärt er mit dessen Bekanntheitsgrad und dass diesen sowohl der Gemeindepräsident als auch die Bürgergemeinde empfohlen haben. «Das hat sicher auch reingespielt, neben dem, dass ich nicht genug mobilisieren konnte.»

Die Deutlichkeit des Sieges hat Spichiger überrascht, aber er hoffte auf eine höhere Stimmbeteiligung. «Ich habe nicht gezweifelt, dachte aber nicht, dass es so herauskommen könnte. Vor allem auch wegen des Gschtürms vor der Wahl.» Baumanns Vorgehen sei zum Eigengoal geworden. «Ich denke, ich bin als ehrlicher Schaffer in der Gemeindeverwaltung wahrgenommen worden.» Er werde nach den Sommerferien oder sobald eine Nachfolge in der Bauverwaltung gefunden wird, das Gemeindepräsidium übernehmen.

FDP ist die grosse Verliererin der Reduktion von 11 auf 7 Sitze im Gemeinderat Derendingen

«Wir sind deutlich abgestraft worden», kommentiert der nicht mehr gewählte Michael Käsermann (FDP) den Verlust seiner Partei von 5 Sitzen auf noch 2. Wobei er nicht wisse, weshalb das Stimmvolk seine Partei derart abstrafe. «Wir waren drei Legislaturen die stärkste Partei, wir haben ein positives Klima im Gemeinderat geschaffen, eine gute Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung kreiert, Derendingen weiterentwickelt und lebenswerter gestaltet und viele Projekte durchgezogen.» Dieser Absturz und auch seine persönliche Nichtwahl seien schwierig zu fassen. «Ich kann den neuen Wind nur schwer akzeptieren», schielt er zur SVP, die neu im Gemeinderat mit einem Sitz vertreten ist und die die FDP wohl etliche Stimmen kostete. Dort ist Daniel Schaer (SVP) «überglücklich über den gewonnenen Sitz. Damit erhält auch dieser Teil der Bevölkerung eine Plattform». Auch Kosa Fetahu-Rrustemi (SP) ist überglücklich, dass ihre Partei trotz Reduktion nur einen Sitz abgeben musste, Roger Spichiger gewählt wurde und sie persönlich ein gutes Resultat machte. Den letzten Sitz holte die CVP, die damit ebenfalls einen Sitz verlor.

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