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Gebeutelte Musikgesellschaften: Wie man im Coronajahr einen neuen Dirigenten findet

In einem schwierigen Jahr gingen die Musikgesellschaften Derendingen, Etziken und Lohn-Ammannsegg auf die Suche nach Dirigenten.

Hans Blaser
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Als die Welt Corona noch nicht kannte: Die Musikgesellschaft Etziken paradiert am Musiktag in Kriegstetten 2019. (Archivbild)

Als die Welt Corona noch nicht kannte: Die Musikgesellschaft Etziken paradiert am Musiktag in Kriegstetten 2019. (Archivbild)

Hansjörg Sahli

Gerade jetzt in der Zeit zum neuen Jahr und auch in der vorangegangenen Weihnachtszeit gewinnt Musik besonders an Bedeutung. Da würden Musikvereine vielerorts traditionell wieder zu moralischen Glücksbringern.

Adventskonzerte boten vielfach die gerne genutzte Gelegenheit mit anderen Gruppierungen aus der eigenen Gemeinde oder sogar der Region zusammenzuspannen. Das brauchten nicht unbedingt andere Musikformationen wie Blaskapellen oder Big Bands zu sein. Das konnten durchaus auch Streicher oder Akkordeonisten sein. Besonders oft waren es in den letzten Jahren Chöre oder Jodler.

Von dem allem ist momentan gar nichts möglich. Seit März musste wegen Corona der Musikbetrieb eingeschränkt oder eingestellt werden. Frühlingskonzerte, Musiktage, Herbstkonzerte – alle mussten abgesagt werden. Im August und September keimte in der Blasmusikszene kurz wieder Hoffnung auf.

Laufend wurden vom Schweizer Blasmusikverband die jeweils aktuell gültigen Vorschriften des Bundesrates in Coronanewsletter gepackt und an die Kantonalverbände und Musikvereine geschickt. Der letzte davon am 13. Dezember 2020 trägt – bemerkenswert – bereits die Nummer 17. Und er ist fast wieder ein totales Probeverbot, das voraussichtlich bis 22. Januar gilt.

Schwierige Auswahl neuer Dirigenten

Auf ganz besondere Weise von Corona betroffen sind jene Musikvereine, welche in diesem Jahr einen Dirigentenwechsel zu bewerkstelligen hatten. Schon in normalen Zeiten war es bisher nicht für jeden Verein einfach, überhaupt zu mehreren Bewerbungen auf ihre Inserate zu kommen.

Bei mehreren möglichen Bewerbungen wurden mit möglichen Kandidaten Probedirigate durchgeführt. Anhand derer wurde die Meinung der Musikantinnen und Musikanten gesucht. Die Mehrheit bestimmte in der Regel die Wahl, die dann zur Anstellung führte. So würde es natürlich auch jetzt ablaufen. So ist es aber derzeit nicht mehr möglich. Noch etwas besser sah es für die beiden Musikgesellschaften Derendingen und Etziken aus. Auch sie waren in diesem Jahr von einem Dirigentenwechsel betroffen.

Die Musikgesellschaft Derendingen erhielt schon zu Jahresbeginn die Kündigung ihres Dirigent Urs Heri. Sie machte sich auch umgehend an die Suche nach einer Nachfolge. Weil man die entsprechenden Inserate nicht in der Tagespresse platziert, dauert es eine Weile, bis sie überhaupt erscheinen.

Dann brach Corona über die Schweiz herein und lähmte das Vereinsleben bis über die Sommerferienzeit total. Dennoch trafen drei Bewerbungen bei der Musikgesellschaft Derendingen ein. Alle drei erfüllten die Voraussetzungen.

Glücklicherweise wurde das schweizweite Probenverbot nach der Ferienzeit teilweise gelockert. Dadurch erhielten die Derendinger die Gelegenheit, mit allen drei Bewerbern je ein Probedirigat durchzuführen. Offenbar führte diese Möglichkeit schnell und eindeutig zu der entsprechenden Wahl. Auf den Jahresanfang wurde Frank Amrein (1967) als neuer Dirigent verpflichtet.

Er studierte Musiklehrer und Orchestermusiker mit Hauptfach Trompete und fügte noch ein Studium in Blasorchesterdirektion an. Hauptberuflich arbeitet er als Musiklehrer. Er freue sich im neuen Jahr so schnell wie möglich den Probebetrieb mit der Musikgesellschaft Derendingen aufzunehmen.

Selbstverständlich können das auch die Musikantinnen und Musikanten kaum erwarten. Haben sie doch auf das Frühlingskonzert und das Kirchenkonzert verzichten müssen. Dieses wäre das Abschiedskonzert von Urs Heri geworden.

Etziker haben knapp die Kurve gekriegt

In diesem Punkt hatte es die Musikgesellschaft Etziken noch etwas besser. Sie führt ihr Jahreskonzert seit Jahren im Januar durch. Das konnte sie in diesem Jahr auch noch. Das totale Auftrittsverbot kam erst im März. Auch sie wurde von ihrem Dirigenten Ruedi von Arx frühzeitig über seinen auf Ende Oktober geplanten Rücktritt informiert.

Auf die Ausschreibung hin, gingen eine ganze Anzahl Bewerbungen ein. Weil in der Turnhalle Aeschi die damaligen genau reglementierten Auflagen für Musikproben eingehalten werden konnten, fanden im August und September die wöchentlichen Proben statt. Dabei konnten einige als Probedirigate für wählbare Kandidaten gestaltet werden. Diese führten denn auch zur entscheidenden Wahl.

Anfang November konnte der neue Dirigent verpflichtet werden. Gewählt wurde Michael Malzkorn. Er ist in Norddeutschland aufgewachsen. Seinem musikalischen Erfahrungsschatz in den verschiedensten Bereichen, der von der Big Band über das Zirkusorchester und das Heeresmusikkorps Hannover reicht, fügte er 2017 ein Dirigentendiplom an der Musikhochschule Luzern an. Auch er ist hauptberuflich Musiklehrer.

Lohn-Ammannsegger müssen sich gedulden

Die Musikgesellschaft Lohn-Ammannsegg ist zeitlich später dran als die Musikgesellschaften Derendingen und Etziken. Nachdem der bisherige Dirigent Franz Rufer im Sommer den Taktstock gegen seinen angestammten B-Bass eintauschen wollte, wurde eine neue musikalische Leitung gesucht.

Eine auf Ende 2020 befristete Lösung konnte mit Bruno Schüpbach gefunden werden. Dieser vermochte offenbar nicht nur beim einzigen möglichen Auftritt des Vereins, sondern insbesondere auch bei allen seinen Proben zu überzeugen. Deshalb hoffte man insgeheim beim Verein mit ihm eine dauerhafte Lösung gefunden zu haben.

Weil Schüpbach dazu nicht bereit war, musste der Verein sich erneut auf die Suche machen. Ende Oktober wurden die entsprechenden Inserate in der Fachpresse platziert. Es sind inzwischen auch Bewerbungen eingegangen. Aufgrund der momentanen Coronarestriktionen ist jedoch eine ernsthafte Beurteilung derzeit gar nicht möglich. Es dürfen ja nicht einmal Sitzungen, geschweige denn Probedirigate durchgeführt werden. Von diesen sind nicht nur alle Musikvereine betroffen. Jäh gestoppt wurde auch die Erwachsenen-Bläserklasse der beiden Vereine Musikverein Gerlafingen und Musikgesellschaft Recherswil.

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