Buchegg
Folientunnel sind der Grund für einen Nachbarschaftskrach

In Mühledorf läuft ein klassischer Nachbarschaftsstreit. Es geht um Tomaten und um zwei Gewächshäuser.

Urs Byland
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Die rundum von hohen Hecken umgebenen Folientunnel haben die benachbarten Landwirtsfamilie gestört und zur Einsprache animiert.

Die rundum von hohen Hecken umgebenen Folientunnel haben die benachbarten Landwirtsfamilie gestört und zur Einsprache animiert.

Urs Byland

Die einen sagen, das Gesetz werde gebrochen, die anderen sprechen von Neid, Habgier und Selbstgerechtigkeit. In Mühledorf im Wolftürli wünschen sich (unsinnigerweise) Fuchs und Hase gute Nacht.

Einzig die Schützen im nahen Schützenhaus stören dann und wann die Bewohner der einzigen Gebäude weit und breit, ein Bauernhaus und gleich daneben ein Wohnhaus. Die Nachbarn tragen einen Streit um Folientunnel aus.

Die Bauernfamilie hat nach einem ergiebigen Kampf mit Formularen und Behörden 2008 einen Folientunnel aufstellen können, in dem sie Tomaten produziert.

Der Nachbar hat auf seinem Grundstück seit zwei Jahren ebenfalls zwei Folientunnel stehen, etwa 6 mal 20 Meter gross, ohne Heizung, automatische Wässerung oder Lüftung. Er führt auswärts ein Gartenbaugeschäft.

Seine Frau produziert daheim in den Folientunneln im Garten – Tomaten. Nicht nur, auch Gurken, Peperoni oder Zucchetti, aber vor allem Tomaten der seltenen Sorte Pro Specie Rara. Im März werden diese ausgesät, später pikiert, getopft und im Mai zum Muttertag werden auf dem Areal an einem Setzlingsmarkt die seltenen Sorten verkauft.

Das Interesse sei gross, berichtet das Paar beim Augenschein der Verwaltungsgerichtspräsidentin Karin Scherrer vom kantonalen Obergericht. Die übrig gebliebenen Setzlinge würden wiederum in den Folientunneln
eingepflanzt.

Den Betrieb ausbauen

Das Grundstück liegt weitab vom Dorf in der Landwirtschaftszone. Die Folientunnel im Garten sind demnach nicht zonenkonform. Zumal es Absicht sei, diese ganzjährig zu nutzen. Der Gartenbauer und seine Frau wollen den Betrieb ausbauen. 2015 wurde deshalb auf Anraten des kantonalen Amtes für Landwirtschaft eine Buchhaltung eingeführt.

Aber noch ist man weit entfernt von der Anerkennung eines landwirtschaftlichen Nebenerwerbes, wie ein Mitarbeiter des Landwirtschaftamtes sagt. Es fehlen die genügende Ertragskraft des Betriebes und genügend Freilandflächen, auf denen ebenfalls Gemüse produziert werden muss. Um dieses Kriterium zu erfüllen, will der Gartenbaufachmann weiteres Land zupachten, wie er sagt, was im Bucheggberg aber schwierig sei.

«Cabaret» am Setzlingsmarkt

Die Nachbarn, der Landwirt und dessen Frau, haben in einer Einsprache zum nachträglichen Baugesuch die Folientunnel in der Landwirtschaftszone moniert, ebenso den Teich, der erweitert wurde und als Regenwasserbecken der Wässerung der Pflanzen in den Folientunneln dient.

Ihre Begründung: Sie hätten für ihren Folientunnel diverse Behördengänge unternehmen und ein Betriebskonzept vorlegen müssen. Ihr Folientunnel erfüllt die entsprechenden Kriterien mit ihrem Landwirtschaftsbetrieb und genügend grosser Freilandfläche, der des Nachbars eben nicht.

Zudem sei der einmal im Jahr stattfindende Setzlingsmarkt «ein Cabaret», mit wild parkierenden Autofahrern und Emissionen. «Bei uns kommen die Kunden meistens mit dem Velo die Tomaten kaufen.»

In Sachen Teich plädierte die Rechtsvertreterin des Gartenbauers auf Besitzstandswahrung. Der Teich sei vor 27 Jahren, als er das Grundstück kaufte, vorhanden gewesen.

Ohne Folientunnel gehts nicht

Die Fragen, die das Gericht klären wird, lauten: Ist der Freizeitbetrieb auf dem Weg zu einem anerkannten landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb? Und werden zweitens die Kriterien erfüllt, Folientunnel aufstellen zu dürfen.

Die Gerichtspräsidentin erkundigte sich detailliert zum Gebrauch der Folientunnel und zum Arbeitsaufwand des Paares. «Reicht das Aufstellen der Folientunnel für 4 Monate, um den Betrieb zu gewährleisten»», will sie wissen. Für die Setzlinge würde es reichen, aber für einen weiteren Ausbau nicht, so die Antwort.

Für die Reifung brauchen die Tomaten Wetterschutz. Weiter sollen die Folientunnel für «Nüsseler»-Anbau verwendet werden. Seine Frau würde Vollzeit arbeiten, und je nach Arbeitsaufwand stelle er von seinem Betrieb Hilfskräfte ab.

Den Einwand von Scherrer, dass die Arbeit aktuell ein Freizeitjob sei, kontert der Gartenbauer: «Für meine Frau ist das nicht so, das werden wir jetzt auch buchhalterisch zu belegen versuchen.» Der Vertreter des Amts für Landwirtschaft erklärt, dass es möglich sein könnte, aber das ganze Projekt erst in den Anfängen stecke.

Das Urteil des Verwaltungsgerichtes folgt zu einem späteren Zeitpunkt. Es wird die aktuelle Auseinandersetzung entscheiden. Für die Schlichtung des langjährigen Nachbarschaftsstreits werden aber andere Richter zuständig sein.

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