Landkauf
Ein Landkauf, der so manchem (nicht) passt

Jetzt ist es amtlich: Die Gemeinde Zuchwil hat das Land der Erbengemeinschaft Falkensammer bei der Velobrücke an der Aare gekauft.

Urs Byland
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Parzelle 102, Zuchwil

Parzelle 102, Zuchwil

Hanspeter Bärtschi

Nun befindet sich «ein Stück Heimat wieder in Schweizer Hand». Die Aussage tönt gar patriotisch, wurde aber als einer von mehreren Gründen für den Kauf im Gemeinderat Zuchwil genannt. Vielleicht wollte man damals der SVP den Kauf versüssen. Aber diese blieb unbeirrt bei ihrer Meinung, den Landkauf abzulehnen, weil nach wie vor hohe Schulden die Gemeinde drücken würden. Nichtsdestotrotz stimmte der Gemeinderat dem Landkauf an der Aare zu. In der letzten Ausgabe des Amtsblattes wurde der Vollzug publiziert. Zuchwil hat die Parzelle 102 von der österreichischen Familie Falkensammer mit einem grossen Aufwand kaufen können. Alle Mitglieder der Erbengemeinschaft mussten mit Unterschrift im Grundbuch in Solothurn eingetragen sein, sonst hätte das Grundstück nicht veräussert werden können. Laut Amtsblatt sind dies fünf Einzelpersonen und eine Erbengemeinschaft.

Wertvoll für die Nachbarparzelle

Auf den 3640 Quadratmetern Land an der Aare lässt sich aber kaum etwas bauen. Der Abwasser-Hauptkanal zum Emmespitz und die Gashauptleitung lassen nur Bauten mit gebührendem Abstand zu. Zudem darf in der Uferschutzzone in einem Abstand von 15 Metern zur Aare ebenfalls nichts erstellt werden. Aber das Land kann mit der gemeindeeigenen Nachbarparzelle 103 arrondiert werden. Deren Fläche beträgt über 10 000 Quadratmetern und ist ein Reservegebiet der Gemeinde für eine künftige Überbauung. Wird 102 mit 103 arrondiert, kann auf 103 dichter gebaut werden. Zudem bleibt an dieser Stelle der Zugang zur Aare gewährleistet. «Wäre die Parzelle in Privatbesitz gekommen, wäre dieser Zugang nicht mehr möglich gewesen», erklärt Peter Baumann, Leiter Bau und Planung.
Damit kein «Privater» die Pläne der Gemeinde zunichtemachen konnte, musste der Kaufpreis für die Fläche hoch sein. Der Gemeinderat hatte einen Rahmenkredit von 182 000 Franken bewilligt, was 50 Franken pro Quadratmeter entspricht. Ziemlich viel Geld für nicht eingezontes Land, wie in der Gemeinderatsdiskussion die SVP monierte. Aber andererseits auch weniger, als sich die Erbengemeinschaft erhoffte, die früher oder später eine Einzonung erwartete. «Wir mussten ihnen schon klarmachen, dass es sich hier nicht um ein Goldfläche an der Aare handelt», erklärt Peter Baumann.

Goodwill für Riverside

Der Kauf das Landstückes hat aber noch eine weitere Dimension. Es ist die grössere von zwei Parzellen der österreichischen Familie. Die kleinere angrenzende Parzelle 2037 mit 1190 Quadratmetern kaufte Swiss Prime Site (SPS) zur Arrondierung des Riverside-Areals. Am grösseren Stück hatte SPS kein Interesse. Aber die Besitzer wollten beide Parzellen in einem Stück verkaufen. Also sprang die Gemeinde ein. In der Gemeinderatsdebatte erklärte Vizegemeindepräsident Daniel Grolimund (CVP) damals, dass er dem Kauf zustimme, weil damit eine Aufwertung des schon im Besitz der Gemeinde stehenden Parzelle 103 erfolge. Patrick Marti (SP) aber drängte darauf, den Kauf des Landstückes mit dem Verkauf der Widi zu verknüpfen. «Ich will Kostenwahrheit, da wir einen zusätzlich Aufwand im Zusammenhang mit Riverside haben», so Marti. Konkret soll das Geld, das die Gemeinde für den Verkauf der Widi erhält um diese Ausgabe für den Kauf von Parzelle 102 geschmälert werden.
Betrachtet man das Ganze negativ, hat die Gemeinde ein Stück Land gekauft, das sie nicht unbedingt braucht. Bleibt man positiv, werden mit dem Kauf Verkäufer-, Käufer- und Anrainerinteressen befriedigt.

Weiter Blumenkohl ziehen

Aktuell wird das Land von Schrebergärtnern gemietet. «Die Schrebergärten bleiben vorerst», sagt Peter Baumann. In den nächsten fünf Jahren plane Zuchwil keine Überbauung auf dem dann arrondierten Areal. Die alten Besitzer hatten lose Abmachungen mit den Mietern der Schrebergärten. Diese will Baumann auf eine solidere Basis stellen. Grosse Einnahmen seien nicht zu erwarten. Bisher lagen die Einkünfte bei 2400 Franken pro Jahr.