Grundwasservorkommen
Die Hälfte der Solothurner bezieht Wasser aus dem Wasseramt

Im einer Serie gehen wir den unterschiedlichen Facetten des Wassers nach. Teil 1 dreht sich ums Grundwasser und damit um die Frage: Woher kommt eigentlich unser Trink- und Brauchwasser?

Rahel Meier
Drucken
Teilen
Einer der vielen Bäche im Wasseramt, der von Grundwasser gespiesen wird
8 Bilder
Schön zu sehen am Rand des Gewässers, welchen Schwankungen dieses je nach Wassermenge unterworfen ist
Wasserserie Teil 1: Grundwasser
Im Pumpwerk Erlenmoos in Recherswil, ausgefällter Kalk
Quellfassung und Schutzzone Widlibrunnen in Horriwil, Wasser für die Niederdruckversorgung Subingen und Deitingen
Ein natürliches Grundwasserseelein in Obergerlafingen. Allerdings führt auch noch eine Leitung in das Gewässer
Pumpwerk Erlenmoos in Recherswil
Ungefähr drei Meter unter Boden ist der natürliche Grundwasserspiegel, der auch im Brunnen im Pumpwerk abzulesen ist

Einer der vielen Bäche im Wasseramt, der von Grundwasser gespiesen wird

Rahel Meier

Grundwasser ist unsichtbar. Im Wasseramt allerdings stösst es teilweise ohne technische Hilfe an die Oberfläche und sammelt sich sichtbar für alle. Grosse Teile des Wasseramtes liegen auf einem riesigen Grundwasserstrom, der vom Emmental her bis zur Aare zieht.

Das Wasser ist je nach Gemeinde nur gerade eineinhalb bis sechs Meter unter der Erdoberfläche, was das Bauen nicht immer einfach macht. Am stärksten zu spüren bekommen das die Bauherren in Recherswil.

Wasser für Grenchen

Reservoirs für die Hälfte des Kantons

- Das Grundwasservorkommen im Wasseramt umfasst eine Fläche von rund 50 Quadratkilometern.

- Pro Sekunde werden durchschnittlich rund 3600 Liter Grundwasser gebildet. Pro Jahr entstehen so 115 Mio. Kubikmeter Grundwasser.

- Rund die Hälfte des im Kanton Solothurn konsumierten Wassers stammt aus dem Wasseramt.

- Mit dem Grundwasserstrom aus dem Emmental fliessen rund 1700 Liter Wasser pro Sekunde zu.

- Der Grundwasserleiter, sozusagen das natürliche Reservoir unter der Erde, ist im Wasseramt in der Regel zwischen zwei und 20 Metern mächtig. Lokal können es bis zu 60 Meter sein. (rm/mgt)

Was die Bauherren nicht freut, freut die städtischen Werken Grenchen (SWG). Eines der Pumpwerke der Gruppenwasserversorgung Grenchen im Wasseramt steht im Erlenmoos in Recherswil. Im Innern des Pumpwerkes ist der Grundwasserspiegel im Brunnen ablesbar. Zirka drei Meter unter der Oberfläche steht das Wasser.

Grenchen und die Gruppenwasserversorgung konsumieren täglich zwischen 5000 bis 9000 Kubikmeter (5 bis 9 Millionen Liter), wie Gerd Rettschlag (Bereichsleiter Infrastruktur+Technologie, SWG) vor Ort erklärt. Man spüre den Unterschied zwischen den Wochentagen und dem Wochenende stark, so Rettschlag. «Am Wochenende brauchen wir zwischen 1000 bis 1500 Kubikmeter weniger.»

Die Pumpen laufen durchschnittlich zwei bis drei Stunden pro Tag. Eigentümer des Grundwassers ist der Kanton Solothurn. Die Behörden vergeben Konzessionen. «Die Menge, die wir pumpen dürfen, ist beschränkt.» Das mache auch Sinn, wie Rettschlag erklärt. Würde man dauernd zu viel Grundwasser abpumpen, dann würden Biotope und Bäche irgendwann weniger Wasser führen und schliesslich wohl ganz austrocknen.

Ständige Erneuerung

Das Grundwasservorkommen wird ständig wieder aufgebaut, ebenso verliert es ständig Wasser. Ungefähr die Hälfte des Grundwassers im Wasseramt stammt aus dem unterirdischen Grundwasserstrom, ein Drittel stammt aus Bächen, Flüssen und Kanälen, der Rest aus Niederschlägen. Anders ist die Verteilung beim Wegfluss. Um die 26 Prozent werden als Trink- und Brauchwasser genutzt. Der grösste Teil tritt als sogenannte Grundwasserinfiltration in die Oberflächengewässer aus. Nicht umsonst ist das Wasseramt von unzähligen kleineren und grösseren Bächen durchzogen. Das meiste Wasser geht aber in die Aare und die Emme.

Elektronisch überwacht

Wasser ist lebenswichtig. Seine Qualität wird kontrolliert und die Werte werden auch von der Lebensmittelkontrolle überwacht. Das Wasser aus dem Wasseramt kann in aller Regel ohne weitere Behandlung verwendet werden. Nicht alle Pumpwerke und Wasserreservoire sind gleich gut ausgerüstet.

Einige Anlagen sind vollautomatisiert – wie etwa das Pumpwerk im Erlenmoos – und schlagen sofort Alarm, wenn ein Perimeter nicht dem Durchschnitt entspricht. Auch der Grundwasserspiegel im Wasseramt wird überwacht. Die Werte einiger Messstationen sind online aufgeschaltet und können auch von interessierten Einwohnerinnen und Einwohnern konsultiert werden.

Die Quellfassungen der Trinkwasserversorgungen sind mit Schutzzonen versehen. Die Vorschriften wurden in den letzten Jahren verschärft. So darf beispielsweise rund um die Quellen nicht parkiert werden. Und auch Pferde oder Kühe sind unerwünscht. (rm)

Im Mittelland liegt das Grundwasser im Lockergestein. Dies ist typisch für Täler, die in der Eiszeit entstanden. Zwischen den Sandkörnern und Kieselsteinen gibt es viele kleine Poren. Die Poren machen bis zu einem Fünftel des Schotters aus. Darin kann das Grundwasser gespeichert werden. Das Lockergestein filtert und absorbiert zudem Schadstoffe, sodass das Grundwasser in aller Regel ohne Behandlung als Trinkwasser genutzt werden kann.

Spezielles Phänomen

Peter Ouwehand (Geschäftsleitungsmitglied bei Wanner, Geologie und Umweltfragen, Solothurn) ist Geologe und kennt das Wasseramt – wenn es um Wasser geht – fast wie seine Westentasche. «Es ist aber schon ein spezielles Phänomen, dass man das Wasser hier sowohl für die Niederdruckversorgungen als auch für die Trinkwasserversorgung, die über Pumpwerke funktioniert, nutzen kann.» So gibt es im Wasseramt auch heute noch diverse Niederdruckwasserversorgungen. Deren Wasser hat in aller Regel Trinkwasserqualität, wird aber meist nur für Brunnen genützt.

Wasser gibt dem Wasseramt seinen Namen. Die Hälfte der Bevölkerung des Kantons Solothurn bezieht ihr Trink- und Brauchwasser aus dem Wasseramt. Wir gehen in einer Serie den völlig unterschiedlichen Facetten des Wassers nach.

Aktuelle Nachrichten