Lüsslingen-Nennigkofen
Die glorreichen Zeiten der Curlinghalle sind endgültig vorbei

Die Curlinghalle Nennigkofen hat glorreiche Zeiten erlebt. Olympiasieger, Weltmeister und Schweizer Meister haben hier gespielt. Nun wurde am Wochenende das letzte Genossenschaftsturnier durchgeführt – und der Schlüssel endgültig gedreht.

Hans Peter Schläfli
Drucken
Teilen
Das grosse «Familienfoto» der Genossenschafter beim letzten Turnier in der Curlinghalle Nennigkofen.

Das grosse «Familienfoto» der Genossenschafter beim letzten Turnier in der Curlinghalle Nennigkofen.

Zu Ehren des Tages haben Jürg Gnägi und René Fuchs extra ihre rote Jacke aus dem Estrich geholt, die sie 2014 trugen, als sie mit Solothurn Wengi für die Schweiz an die Senioren-WM nach Schottland fahren durften. In der Nennigkofer Curlinghalle stand nämlich am Wochenende das allerletzte Turnier auf dem Programm, danach wurde die Halle definitiv geschlossen.

Ja, es waren glorreiche Zeiten, welche die Nennigkofer Curlinghalle erleben durfte. 1992 gewannen Jürg Dick und sein Team sogar das olympische Turnier. Auch Carmen Küng, die Weltmeisterin von 2012, begab sich in Nennigkofen zum ersten Mal aufs Glatteis. Aber nun sind diese goldenen Zeiten definitiv vorbei. So schwang schon ein wenig Wehmut mit, als sich die Mitglieder der vier Solothurner Curlingvereine in der Pause zwischen zwei Runden des allerletzten Genossenschaftsturniers zum grossen «Familienfoto» aufstellten.

«Das war definitiv mein letzter Stein», sagte kurz darauf Ueli Graber. Seit zwanzig Jahren gehört er zum festen Kern hier in Nennigkofen. Als Ü60-Veteran wird er seinem Hobby in Biel weiter frönen. Im Spiel auf Bahn 1, gleich daneben, entscheidet derweil der letzte Stein über Sieg und Niederlage, es geht um Millimeter. Der Ehrgeiz ist also ungebrochen, auch wenn die meisten Solothurner Curler zusammen mit ihrer in den 70er-Jahren erbauten Halle älter geworden sind.

Bevor es zu spät war, trug Annette Laubscher noch ein bald zehnjähriges Erinnerungsfoto aus der Curlinghalle, das dort an der Wand hing. In den Jahren 2009 und 2010 wurde sie zusammen mit Kathrin Gnägi, Barbara Schneider und Marianne Dick Schweizer Meisterin. Auch sie gehört zu den bisher rund 70 Mitgliedern der vier Solothurner Vereine, die sich für die Generalversammlung vom kommenden Mittwoch im Bellevue angemeldet haben. Dann sollen Fusion und Gründung des neuen Curlingclubs Solothurn Regio den Schritt in die Zukunft besiegeln.

Während Annette Laubscher und ihre Freundlinnen zum Abschied noch einmal die Korken knallen liessen, blickte Jürg Gnägi als Präsident der Genossenschaft Curlinghalle bereits in die nächste Saison. Weil es die Genossenschaft nicht mehr braucht, ist er nun frei von allen Ämtern. «Es sind viele Emotionen im Spiel, wenn wir jetzt hier aufhören», sagte Gnägi vor der letzten Runde. «Auf der anderen Seite schafft das auch Platz für Neues. So ist das Leben und ich freue mich auf die kommende Saison in Biel.»

Ruwen Urech spielte im Grenchner Final des Ambassadoren-Turniers einen perfekten Stein.    

Ruwen Urech spielte im Grenchner Final des Ambassadoren-Turniers einen perfekten Stein.    

Hans Peter Schläfli

Neues Feuer für neue Halle

Das Team von Fredy Wyler hat also das allerletzte Turnier der Genossenschaft gewonnen und darf deshalb den Pokal nun behalten. Dann wurden in Nennigkofen die Lichter definitiv gelöscht und der Schlüssel zum letzten Mal gedreht. Was die neuen Besitzer, die Gemeinschaft der sogenannten «Kirschblütler», mit dem Rössli und der Halle vorhaben, wissen die Curler nicht. Eigentlich haben sie schon lange resigniert und aufgehört, für ihre Halle zu kämpfen.

Die grosse Curling-Euphorie schien in Nennigkofen dahingeschmolzen wie das Eis in der Frühlingssonne. Doch nun lodert plötzlich doch wieder neues Feuer auf. Markus Brunner will die Steine bei sich zwischenlagern, denn er gehört zur Interessengruppe, die in der Region Solothurn eine neue Curlinghalle bauen möchte. «Wir sind für die Fusion unserer Vereine und werden auch in Biel spielen. Aber unsere Idee ist es, in zwei, drei Jahren ein neues Projekt zu realisieren.» Etwa 3,5 Millionen Franken würde eine neue Curlinghalle etwa kosten, rechnet die Interessengruppe. Im Gespräch seien zwei mögliche Standorte, Genaueres dürfe er noch nicht verraten, sagt Markus Brunner.

Schlussrangliste

1. Alfred Wyler (Andreas Uhlmann, Hubert Brunner, Kathrin Lanz) 6 Punkte (12 Ends). 2. Beat Fischer (Markus Brunner, Kathrin Gnägi, Hanspeter Preisig) 6 Punkte (11 Ends). 3. René Fuchs (Andreas Frey, Ruedi Schreier, Patricia Lauterburg) 4 Punkte (10 Ends).

Aktuelle Nachrichten