60 Jahre Pacht
Die Familie Stucki hat ein ganzes Leben auf dem Hinterweissenstein verbracht

Vor 60 Jahren übernahm die Familie Stucki die Pacht auf dem Hinterweissenstein. Das muss gefeiert werden.

Urs Byland
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Annegret Stucki-Weyeneth (l.), ihr Mann Ueli Stucki und dessen Schwester Ursula Moser- Stucki haben investiert. Die Westseite des Daches hat nun eine durchgehende Lukarne.

Annegret Stucki-Weyeneth (l.), ihr Mann Ueli Stucki und dessen Schwester Ursula Moser- Stucki haben investiert. Die Westseite des Daches hat nun eine durchgehende Lukarne.

Urs Byland

Seit 60 Jahren wirtet die Familie Stucki auf dem Hinterweissenstein. Heute sorgen Ueli Stucki, seine Frau Annegret Stucki-Weyeneth und seine Schwester Ursula Moser-Stucki für das Wohl der Gäste. Sie werden unterstützt von den Töchtern Fränzi und Brigitte sowie Sohn Daniel Stucki. Gemeinsam betreibt die Familie nicht nur das Restaurant und den Gasthof, sie bewirtschaftet auch den Landwirtschaftsbetrieb, von dem manche Produkte den Weg in die Küche des Restaurants und letzten Endes in die Bäuche der Gäste finden.

Das Ausflugsziel Hinterweissenstein liegt unterhalb des Dilitschchopfes und dem Nidleloch.

Das Ausflugsziel Hinterweissenstein liegt unterhalb des Dilitschchopfes und dem Nidleloch.

Urs Byland

Mit dem 1978 geschlossenen Pachtvertrag mit der Bürgergemeinde Solothurn verpflichtete sich die Familie Umbauten und Renovationen selber zu tragen. In den letzten Monaten erfuhr der Traditionsbetrieb eine Dachsanierung. Annegret Stucki erhielt mit der Verbreiterung der Lukarnen mehr Platz und zusätzliche Fenster im Büro im ersten Stock. Daneben wurden auch die zwei Gästezimmer heller und freundlicher.

Vor 60 Jahren, 1957, übernahmen Karl und Gertrude Stucki den Hinterweissenstein. Sie traten die Pacht als Eltern eines zweijährigen Sohnes und eines Babys (Ursula Stucki) an. In den folgenden Jahren kamen drei weitere Kinder dazu, darunter 1959 Ueli Stucki. «Ich habe mein ganzes Leben hier auf dem Hinterweissenstein verbracht», sagt stolz dieser Ueli Stucki.

Das Jubiläumsprogramm

Das Jubiläum zum 60. Geburtstag wird am Wochenende vom 19. und 20. August im Rahmen der Bärg Chilbi gefeiert. Samstag und Sonntag startet die Chilbi ab 11 Uhr. Am Sonntag gibts ein Frühstückbuffet ab 7.30 bis 10 Uhr und danach eine Bergpredigt.

Zur Jubiläumsfeier am Samstag (15–18 Uhr) spricht um 16 Uhr Tourismusdirektor Jürgen Hofer. Die Attraktion an der Jubiläumsfeier wird der Feldschlösschen-Sechs-Spänner sein. Die Pferde kommen mit dem Lastwagen hoch, und der Tieflader mit dem Anhänger für die Pferde wird mit dem Traktor hochgezogen.

Angespannt werden die Pferde beim Sennhaus. Gegen 15 Uhr sollen sie beim Hinterweissenstein eintreffen. Musik tagsüber und Tanzmusik am Samstagabend bilden neben der Chilbi das Unterhaltungsprogramm. Der Betrieb der Gondelbahn ist verlängert von 17.30 bis 20 Uhr und von 23.30 bis 0.30 Uhr. (uby)

Seine Schwester Ursula wohnt in Fraubrunnen und ist die Küchenchefin. Auch sie ist tief verbunden mit dem Hinterweissenstein: «Ich bin hier aufgewachsen und habe hier immer mitgearbeitet.» Die 54-Jährige Annegret Stucki-Weyeneth, die vor 30 Jahren Ueli Stucki heiratete, hat gemeinsam mit ihrem Mann die Gastgeberrolle übernommen.

Algerier und Eiercognac

Vieles habe sich verändert in den letzten 60 Jahren, blickt Ursula Moser-Stucki zurück. Sie erinnert an die Umbauten. Ueli Stucki ergänzt: «Früher hatten wir noch keine Gästebetten. Man schlief auf dem Strohlager.» Und wiederum Ursula Moser-Stucki fügt an: «In der Küche wurde gefeuert, und wir wuchsen ohne Dusche auf. Es war einfach.» Doch das Angebot aus Küche und Keller, aus welchem 1957 die Gäste wählen konnten, war bereits reichhaltig. Das Wienerschnitzel nature wurde für 2.20 Franken und die Pommes frites dazu für 1 Franken angeboten. Damals gab es noch den Ochsenmaulsalat (1.70 Franken) und dazu den Kalterer (4.50 Franken/Liter) oder den Algerier (4.60 Franken). Und bei den Spirituosen gefielen unter anderem der Bätzi (40 Rappen) oder auch der Eiercognac (80 Rappen). Heute sind es Rösti-Spezialitäten, die die gutbürgerliche Küche mit regionalen, frischen und hausgemachten Produkten ergänzen. «Und das Brot backen wir auch selber.»

Verpflegung für den Bundesrat

Brot dürfte es auch im Sommer 1994 gegeben haben, als sich der Bundesrat auf seinem «Reisli» auf der Terrasse des Hinterweissensteins verpflegte. In den Genuss kamen damals Bundespräsident Otto Stich, Ruth Dreifuss, Kaspar Villiger, Flavio Cotti und Dölf Ogi. Ob Arnold Koller das «Reisli» mitmachte, ist auf dem Foto in der Jubiläumszeitschrift zum 50. Geburtstag nicht auszumachen.

Zum Hinterweissenstein kommen nicht nur Bundesräte gerne, sondern eben auch viele Familienmitglieder, die im Betrieb mithelfen. Dazu gehört aber auch ein motiviertes Team, das die Familie Stucki entlastet, beispielsweise Sonja Lohm, die seit 20 Jahren im Service mitarbeitet. Ein Jubiläum, das nicht vergessen gehen sollte, wie Annegret Stucki findet. «Wir haben ein super Team.» Das braucht es, denn der Hinterweissenstein hat immer Saison. Auf die Berggänger wartet, nicht nur bei Sonnenschein, ein offener Gastbetrieb mit liebenswürdigen Gastgebern.

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