Luterbach
Die Bürgerlichen wollen die SP wiederbeleben

In Luterbach kämpfen FDP, CVP und SVP, um die SP-Ortspartei zu retten. Denn trotz hohem Stimmanteil in den kantonalen Wahlen gibt es keinen einzigen Sozialdemokraten im Gemeinderat.

Lara Enggist
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Trotz hohem Stimmanteil in den kantonalen Wahlen gibt es keinen SPler im Luterbacher Gemeinderat.

Trotz hohem Stimmanteil in den kantonalen Wahlen gibt es keinen SPler im Luterbacher Gemeinderat.

Hanspeter Baertschi

Die SP Luterbach ist tot. Die Ortspartei zeigt jedenfalls kein Leben mehr. Doch nun starten ausgerechnet die bürgerlichen Parteien der Gemeinde einen rührenden Wiederbelebungsversuch. Sie haben im «Azeiger» gar ein Inserat geschaltet, um wieder Genossen für die Mitarbeit in der Gemeinde zu finden.

Wo sonst gibt es das? Bürgerliche als Retter der SP.

Wo sonst gibt es das? Bürgerliche als Retter der SP.

«Im Interesse des Dorfes»

«Es mag Sie erstaunen, wenn wir Werbung für die Konkurrenz machen», schreiben die bürgerlichen Parteien von Luterbach in einem Aufruf an die Bewohner. Die SP sei, so das Inserat, welches am Donnerstag im Anzeiger zu lesen war, in der kommenden Legislatur nicht mehr im Gemeinderat von Luterbach vertreten. Dies sei eine «ungeschickte Situation», denn die SP verzeichnete bei den Kantonratswahlen in der Gemeinde Luterbach den grössten Wähleranteil aller Parteien. In der Gemeinde redet aber kein Sozialdemokrat mit. Um diesem Missstand entgegenzuwirken, springen die bürgerlichen Politiker sogar über ihren Parteischatten: «Uns interessieren in erster Linie die Bedürfnisse der Bewohner und nicht der einzelnen Parteien», so Pascal Jacomet, Gemeinderatmitglied und Kantonalsekretär der SVP.

Bei der kantonalen SP heisst es: «Wir hätten vermutlich mehr machen können». Denn der Einsatz aus der Parteizentrale fiel bisher eher gering aus; und dies, obwohl es sich um den Wohnort von einem der bekanntesten und im Volk beliebtesten SP-Politikern überhaupt handelt: Willi Ritschard (1918–1983), erster Arbeiter im Bundesrat, lebte in Luterbach. Und hier ist auch sein Ehrengrab.

Man habe zwar von der kränklichen SP in Luterbach gewusst, sagt SP-Kantonalpräsidentin Franziska Roth. Aber man könne ja niemanden zwingen, zu kandidieren. «Wir waren stets mit den Parteimitgliedern im Gespräch, bisher hat sich einfach noch niemand für die Kandidatur gemeldet», heisst es auch von SP-Parteisekretär Niklaus Wepfer. Er lobt aber den Einsatz des Gemeindepräsidenten und Kantonsrats Michael Ochsenbein, der stets um eine «bunte Parteilandschaft» in der Gemeinde Luterbach bemüht war. CVP-Mann Ochsenbein soll sich, so Gerüchte, schon flehend bei der SP-Zentrale gemeldet haben, als sich das Ende der SP-Ortspartei anbahnte.

Die Jungen sollen mitreden

Auch der in Luterbach wohnhafte SP-Kantonsrat Urs von Lerber bedauert diese Situation. Er selbst amtete während zwölf Jahren im Gemeinderat und wollte mit seinem Austritt der jungen Generation Platz machen. Diese sei aber weniger engagiert, als er es sich erhofft hatte.

Die «Jungen» seien zwar an der Politik interessiert und gingen auch fleissig wählen, doch zu einer Gemeinderatskandidatur sei man wohl trotzdem nicht bereit. Dies habe aus seiner Sicht verschiedene Gründe: «Viele wollen sich neben Familie oder Ausbildung keiner weiteren zeitlichen Belastung aussetzen, was ich durchaus verstehe». Einige hätten vielleicht auch eine falsche Vorstellung davon, was man in einem Gemeinderat tut. Es gehe weniger darum, für etwas Verantwortung zu übernehmen, sondern lediglich darum, mitzureden.

Mit dem Aufruf möchten die Bürgerlichen zudem verhindern, dass es 2021 wieder stille Wahlen für den Gemeinderat gibt. Sie erhoffen sich von der SP eine belebende Konkurrenz in der Dorfpolitik.

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