Buchegg
Das «Blumenhaus» und seine Klienten haben das Coronajahr gut überstanden

Der Betrieb des Blumenhauses Buchegg wurde während Corona wo immer möglich aufrecht erhalten. Alle sind «gesund und unbeschadet» durch das Jahr gekommen.

Gundi Klemm
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Die Werkstätten wurden möglichst immer offen gehalten: Hier das neue Holzatelier.

Die Werkstätten wurden möglichst immer offen gehalten: Hier das neue Holzatelier.

Hanspeter Bärtschi

«Gesund und unbeschadet haben alle Bewohnenden und Mitarbeitenden das zurückliegende, schwierige Jahr überstanden», schreibt Markus Jordi, Präsident des Trägervereins Blumenhaus Buchegg, im Jahresbericht 2020. Dies sei dem vorbildlichen Einsatz der Schutzbestimmungen auf allen Ebenen und Institutionsleiter Thomas Suter zu verdanken.

Jordi widmet sich im Jahresbericht auch kommenden Aufgaben, die unter anderem in der Erneuerung von Internat und Teilen der Infrastruktur zu bewältigen sind. Mit einer Projektstudie sind zwei Architekturbüros bereits betraut.

Betreuung verändert sich

Er spricht auch «komplexer werdende Behinderungsformen» an, die nach noch mehr Ressourcen in Betreuung aber auch in Finanzen verlangen. Die Tarifgestaltung müsse darauf Rücksicht nehmen, mahnt der Präsident. Reagiert habe die Institution im Sinne haushälterischer Mittelverwendung bereits mit einem Sparprogramm, das mittelfristig eine halbe Million Franken erbringen wird.

Institutionsleiter Thomas Suter hebt den Zusammenhalt und die bedingungslose Zusammenarbeit innerhalb des Blumenhauses und die wertvolle Unterstützung von aussen hervor. «In schwierigen Situationen sind uns Mitarbeitende und Zugewandte mit Hand, Herz und Verstand zur Seite gestanden.»

Jerusalema-Challenge des Blumenhauses Buchegg.

Youtube/Institution Blumenhaus

Neue Technologien ermöglichen viel

Er verabschiedete Mitarbeitende, die im Jahresverlauf pensioniert wurden: Brigitte Affolter, Johann Kaeser, Ursula Kummli, Silvia Moser, Monika Steiner und Eva Sutter. Zu Wort kommt im Jahresbericht auch Yvonne Stamm, die im «Blumenhaus» als Logopädin tätig war und gleichfalls in diesem Sommer in den Ruhestand wechselt. Die Einführung des iPads als unterstützendes Kommunikationsmittel sei ein Meilenstein und eröffne für Kinder und Erwachsene ungeahnte Möglichkeiten, sagt sie.

Einige Zahlen

Grosser Arbeitgeber

Das Blumenhaus wurde 1942 in einem rundum geschmückten Bauernhaus für einige wenige Kinder eröffnet. Heute sind im Blumenhaus 272 Mitarbeitende in 146 Vollzeitstellen tätig. Die Institution ist der grösste Arbeitgeber im Bucheggberg und bietet 25 geschützte Arbeitsplätze, 60 Schulplätze und 30 Internatsplätze, 45 Tagesbetreuungsplätze und 44 Wohnheimplätze sowie zwei Notfallplätze an.

Der Betriebsaufwand lag für das letzte Jahr bei 20,4 Mio., wobei die öffentliche Hand 13,4 Mio. Franken trug. (gku)

Livio, ein Mitglied der Wohngruppe Akelei, bekundete immer seine grosse Freude an Zügen. Weil pandemiebedingt der als Geburtstagsgeschenk geplante Besuch im BLS-Depot nicht stattfinden konnte, gewannen seine Betreuer den Graffiti-Künstler Nino Notka. Er zauberte einen Eisenbahnwaggon an Livios Zimmerwand, um ihm täglich sein Interesse vor Augen zu führen.

Auch die aus Holland stammenden «Snoezelen-Methode» hat im Blumenhaus Einzug gehalten. Mit übersetzt: «Schnüffeln und Schnuppern» können schwer beeinträchtigten Behinderten besondere Sinnesreize vermittelt werden, damit sie Ruhe finden können.

Werkstattbetrieb wurde aufrecht erhalten

Mit grossem Engagement ist es gelungen, den geschützten Werkstattbetrieb als wichtigen Aspekt der Tages- und Beschäftigungsstruktur auch in der Krise aufrecht zu erhalten.

Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde ein neues Produkt unter dem Namen «Das Zusammenspiel» entwickelt. Es vereint die beiden bekannten Spiele Mühle und Solitaire und fördert motorische und kognitive Fähigkeiten. Das «Zusammenspiel», an dessen Idee und Herstellung alle Mitarbeitenden in der Werkstatt beteiligt waren, liegt als marktfähiges Produkt vor, das sich als Geschenk eignet.

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