Biberist
Biberister Fasnacht ist seit 70 Jahren «enorm in Form»

Im Jahre 1946 ist Pia Burki als 13-Jährige mit ihrer Schwester Rita am ersten Fasnachtsumzug mitgelaufen und erinnert sich noch haargenau.

Agnes Portmann-Leupi
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Pia Burki an der Fasnacht 1946

Pia Burki an der Fasnacht 1946

«Der Krieg war vorbei, es herrschte Aufbruchstimmung», sagt Pia Burki, die als 13-Jährige mit ihrer Schwester Rita am ersten Fasnachtsumzug mitgelaufen ist. «Ich trug ein Kleid mit Musiknoten und Violinschlüsseln verziert, meine Schwester verkörperte ein «Fadenkörbchen», erinnert sie sich noch haargenau an die Kostüme, die ihrer Grosstante gehörten. Noch heute liegen die Fasnachtskleider bei Pia Burki einsatzbereit.

Hauptinitiant der Biberister Dorffasnacht war Willi Begert. Für den ehemaligen Wirt des Gasthofs St. Urs und ersten Obernarren war klar: «Die närrischen Leute sollen nicht mehr nach Solothurn pilgern müssen.» Seine Kollegen, die Dorfvereine und die Wirte zeigten sich von dieser Idee sehr begeistert. Im November 1945 schrieb das Aktionskomitee: «Die Gruppen haben zwischen dem Schmutzigen Donnerstag und Fasnachtsdienstag im Dorf und in den öffentlichen Lokalen zu zirkulieren und für eine richtige Dorffasnachtstimmung zu sorgen.»

14 Restaurants beteiligt

Das Motto «S’ganze Dorf macht Fasnacht hür!», schien sich die Bevölkerung zu Herzen genommen zu haben. Die erste Fasnacht 1946 wurde zum Erfolg. In 14 Restaurants zirkulierten 8 Gruppen. Laut alten Protokollen hätten diese in den vollbesetzten Gaststätten «tosenden Beifall» erhalten. Das Restaurant «St. Urs» und das Hotel Bahnhof luden zu sage und schreibe je drei Maskenbällen ein. Buben und Mädchen freuten sich bereits über eine Kinderfasnacht. Am sonntäglichen ersten Fasnachtsumzug ritt der Umzugschef Robert Suri hoch zu Ross als Bajazzo verkleidet voran. Die Plakette aus Karton kostete damals 50 Rappen.

Kindergugge wird 15-jährig

Ein kleines Jubiläum feiert die Jugend-Gugge «Note-Tschauper» unter «Ober-Tschauper» Sven Düscher und Musikchef Christoph Zürcher. Vor 15 Jahren gründeten bestandene Fasnächtler die Gugge, auch im Hinblick auf die Nachwuchsförderung. Während die 14 Buben und Mädchen ab Spätherbst 2000 eifrig übten, nähten die Eltern und Freunde passende Kleider. Der erste Auftritt am Hilari 2001 wurde zum Erfolg. 18 Spielende im Alter von sieben bis achtzehn Jahren sind auch heuer wieder dabei. Mit ihren präzis schrägen Tönen und in ihren rot-weissen königlichen Kleidern schränzen sie unter Majorin Loredana Berger etwa am Umzug, Kindermaskenball, an der Beizentour, an der Streetgugge in Subingen sowie in Koppigen. (apb)

Der «Schnägg» als Symbol

Bereits ab 1947 existierte der «Ämmeschnägg» als Biberists Fasnachts-Symbol, zu Beginn aus schwerer Gipsmasse. Ab 1959 beherbergt ihn übers Jahr jeweils eine Herbergsmutter oder ein –vater. Gerüchten zufolge entstand das Symbol, weil die Leute früher Schnecken an ihre Fasnachtskleider genäht hätten. Die gleichnamige Fasnachtszeitung «Dr Ämmeschnägg» erschien erstmals im Jahr 1948, die letzte im Jahr 1998. Nicht nur einmal hätten – so informieren die Protokolle – wegen besonderer Veröffentlichungen Anwälte konsultiert werden müssen.

Eine jahrzehntelange Tradition weckt die Biberister am Schmutzigen Donnerstag. Eine Stunde vor Beginn der offiziellen Chesslete erinnert sie das sogenannte «Moudle» an ihre Chessler-Pflichten. Das geschieht mit speziellen Krachmachern: Söibütti, Holzladen und Teigmulde.

Erneut in Schwung

Die Biberister Dorf-Fasnachts-Euphorie der ersten Jahrzehnte ist zwar geschwunden. Trotzdem sind sie seit geraumer Zeit wieder im Element: die Narren und Ehrennarren, Schnägge-Zunft, Herbergsmütter und –väter, Schnitzelbankgruppen, Guggen, Wagenbauequipen mit Obernärrin Susanne Scheidegger samt ihren Fans. Mit donnernden Böllerschüssen wurde der Ämmeschnägg beim Herbergsvater Daniel von Burg geweckt. An den Fasnachtstagen werden heuer sechs Gruppen im «Johns’s Pub», in der Biberena, in der Post, im Zebra und im Rössli verkehren. Darunter sind auch die seit 50 Jahren bestehenden Guggen «Ventilblöterler» sowie die über 30-jährigen «Schacheschränzer».

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