DJ Kellerkind
Biberister DJ ist happy, «wenn die Leute glücklich sind und viel tanzen»

DJ Kellerkind alias Marco Biagini ist ein Star der Schweizer House-Musikszene. Er trat dieses Wochenende mit internationalen Stars des Hip-Hop und House am Touch the Air-Festival in Wohlen AG auf. Dabei lebt der Mann ganz bescheiden in Biberist.

Fränzi Zwahlen-Saner
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DJ Kellerkind: «Durch die Möglichkeiten, welche das Internet bietet, können aus jeder Ecke der Welt neue richtungsweisende Trends entstehen.»

DJ Kellerkind: «Durch die Möglichkeiten, welche das Internet bietet, können aus jeder Ecke der Welt neue richtungsweisende Trends entstehen.»

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Kellerkind – irritierender Name. Woher kommt er?

Marco Biagini: Der Raum, wo ich mein erstes Studio eingerichtet hatte, war im Keller eines Industriegebäudes. Ich habe damals so viel Zeit da unten verbracht, dass mein Kumpel mich plötzlich so genannt hat, worauf ich mir dachte, dass dies ja eigentlich grad ein passender Name als Artist wäre.

Wie und wo kamen Sie zur House-Musik in Solothurn?

Meine erster «Kontakt» mit House-Musik hatte ich etwa 1993, wo ich im Radio (Couleur 3) die Sendung «Pump It Up Live» gehört habe. Als ich kurze Zeit später in Biberist im Club «N8schicht» das erste Mal selber eine Party miterleben durfte, war für mich klar, dass ich auch DJ werden will.

Wie kam dann die Karriere so richtig in Schwung?

Als DJ Leone hatte ich auch vor Kellerkind unter anderem Namen schon einige Auftritte im In- und Ausland. Als ich angefangen habe, meine eigene Musik zu produzieren, wollte ich dies unter einem neuen Namen machen, da mir wichtig war, dass meine eigenen Produktionen nicht mit derjenigen Musik in Verbindung gebracht werden, die ich vorher schon aufgelegt hatte. Im Jahr 2008 hatte ich meine erste Veröffentlichung, dann ging alles Schlag auf Schlag.

Wo entstehen Ihre Tracks?

Ich mache auch heute noch im Keller meines Zuhauses in Biberist Musik.

Was wollen Sie Ihrem Publikum mit Ihrer Musik vermitteln?

Wenn ich als DJ auflege, ist es mir vor allem wichtig, dass die Leute eine gute Zeit im Club verbringen können, glücklich sind und viel tanzen. Beim Produzieren meiner beiden Alben war dies unterschiedlich. Da habe ich teilweise auch Chillout oder eher gemütliche Musik gemacht. Grundsätzlich finde ich es toll, wenn meine Musik Menschen glücklich macht und man sich beim Zuhören gut fühlt.

Woher nehmen Sie Ihre Inspirationen? Gibt es musikalische Vorbilder, vielleicht auch ausserhalb der House-Szene?

Inspiration hole ich mir von verschiedenen Quellen. Gerne aus dem Radio, wo man auch an Musik kommt, die man selber allenfalls gar nicht suchen und auch finden würde. In manchen Fällen inspirieren mich aber auch Tracks, die ich in DJ-Sets anderer Artisten höre. Diese können mich auf neue Wege führen. Musikalische Vorbilder gibt es so viele, dass es schwer ist, nur einen Namen zu nennen. Vor ein paar Jahren habe ich aber – als Beispiel – Jamie Cullum live am Gurten-Festival gehört. Der hat mich so begeistert, dass es auf jeden Fall auch inspirierend war.

Wie sieht die Zukunft der House-Musik aus? Liegt sie in Europa, in den USA oder in Asien?

Meiner Meinung nach hat House-Musik auf der ganzen Welt Zukunft und ist in der heutigen Zeit auch überall gut im Musikgeschäft etabliert. Durch die Möglichkeiten, welche das Internet bietet, können aus jeder Ecke der Welt neue richtungsweisende Trends entstehen. So gibt es beispielsweise auch immer wieder Tracks auf Youtube, die bereits mehrere Millionen Plays haben, obwohl sie noch nicht mal im Verkauf erhältlich sind.

Es heisst, es gäbe ein «Überangebot» von Schweizer DJs. Stimmt das?

Heisst es das? Ich habe das so noch nie gehört. Ich finde nicht, dass es ein Überangebot gibt. Im Gegenteil: Ich finde es schön, wenn man die gleiche Leidenschaft mit vielen anderen Menschen teilen kann. Ob diese dann Erfolg haben oder nicht, hängt aus meiner Sicht von anderen Faktoren ab als der Anzahl DJs, die es gibt. Das Wichtigste am Ganzen ist der Spassfaktor, sprich die Leidenschaft an der Musik, und nicht der Erfolg.

Was ist das Besondere, am Touch-the-Air-Festival in Wohlen aufzutreten?

Ich spiele sehr gerne an Festivals, da es eine ganz andere Atmosphäre ist unter freiem Himmel als beispielsweise in Clubs. Das Besondere am Touch-the-Air-Festival ist, dass es ein gemischtes Publikum hat, da hier nicht ausschliesslich elektronische Musik geboten wird. An solchen Festivals hat man auch immer wieder die Möglichkeit, neue Menschen mit seiner Musik zu begeistern.

Und wie war der Auftritt am Donnerstag?

Ich habe da zusammen mit meinem Freund Anthik Back 2 Back gespielt, und das macht auf jeden Fall immer wieder richtig Spass und passt auch musikalisch super zusammen. Die Bühne war supertoll. Es gab auch eine Konfettikanone. Wir bereiten uns im Musikprogramm jeweils nicht gross vor, sondern spielen eher spontan drauflos. Das mache ich immer so, und da kommen einem je nach Situation auch immer für den Moment passende Tracks in den Sinn. Besonders gefreut hat mich, dass die Leute auch meine eigenen Tracks sehr gefeiert haben.

Trifft man Sie noch in der Solothurner Partyszene?

Auf jeden Fall, ich spiele regelmässig im Hidden Club in Solothurn. Für mich ist es auch immer wieder ein Highlight, hier mit meinen Freunden zu feiern und für sie Musik zu machen. Am 18. Juli werde ich ausserdem meinen ersten Auftritt im Solheure haben, wo die Afterparty der Boot-Party «We Lake» stattfinden wird.

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