Deitingen
Bei der Sanierung der Antoniuskapelle wurde ein steinerner Altar gefunden

Die Deitinger haben eine komplett unerwartete Überraschung erlebt, beim Start der Kapellensanierung.

Rahel Meier
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Die Antoniuskapelle vor Beginn der Sanierungsarbeiten Die Antonius-Kapelle, die neben der Kirche steht, muss saniert werden
10 Bilder
Restaurator Jean Claude Märki staunt auch über den Natursteinaltar, der unter dem Holzaltar hervorkam
Bis die Denkmalpflege sich den Altar angesehen hat, bleibt er genau so stehen, wie er aufgefunden wurde
Die Nische hinter dem Altar diente möglicherweise früher zur Aufbewahrung von Gebeinen
Sanierung Antoniuskapelle Deitingen
An der Wand sind diverse Bauphasen ablesbar. Rund um das Fenster sieht man Flickarbeiten
An der Wand sind diverse Bauphasen ablesbar
Statt Werbeplakaten hängen Blachen, die die Jubla Deitingen gestaltete, rund um die eingerüstete Kapelle
Statt Werbeplakaten hängen Blachen, die die Jubla Deitingen gestaltete, rund um die eingerüstete Kapelle
Statt Werbeplakaten hängen Blachen, die die Jubla Deitingen gestaltete, rund um die eingerüstete Kapelle

Die Antoniuskapelle vor Beginn der Sanierungsarbeiten Die Antonius-Kapelle, die neben der Kirche steht, muss saniert werden

Hanspeter Bärtschi

Wenn alte Gebäude saniert werden, gibt es immer wieder Überraschungen. So ist es auch in Deitingen geschehen. Letzten Monat wurde mit den Arbeiten begonnen. Der Verputz wurde aussen und innen abgeklopft. Darunter kam das Mauerwerk hervor. Anhand der verschiedenen Steine und der Farbe des Mörtels lässt sich ablesen, dass die heutige Kapelle in drei Etappen gebaut wurde. Ein Teil der Steine sind offensichtlich Tuffsteine, wie sie für den Bau des Kichenturmes gebraucht wurden. «Das waren sicher Resten, die hier verwertet wurden», erklärt Daniel Schreier (Spi Planer und Ingenieure AG, Derendingen). Der ehemalige Kirchgemeinderat begleitet die Sanierung. Erstaunt waren die Deitinger über die letzte Erhöhung des Gebäudes: Diese wurde mit Backsteinen aufgemauert. Auch die Bodenplatten wurden entfernt. Wie erwartet wurde darunter ein älterer Boden aufgefunden. Restaurator Jean-Claude Märki ist sich allerdings nicht sicher, ob unter den jetzt sichtbaren Platten nicht ein noch älterer Boden liegt. Hinter dem Altar liegt offensichtlich eine Nische, die später allerdings zugemauert wurde. Im Mauerwerk sind zudem gemauert Bögen erkennbar, die Rückschlüsse auf alte Türen oder Fensterbögen erlauben.

Feuchte Mauern machen Probleme

Die Antoniuskapelle wurde im 17. Jahrhundert errichtet und diente anfänglich als Beinhaus. Sie steht heute mit Kirche, Pfarrhaus und Pfarrscheune unter Schutz. Die Sanierung der Kapelle ist mit 290 000 Franken veranschlagt. Nötig ist die Sanierung unter anderem, weil die Mauern feucht waren. Deshalb hat man sich dazu entschieden, den Zementputz komplett wegzunehmen und ihn durch Kalkputz zu ersetzen. «Zement wirkt wie eine Wassersperre, deshalb wurden die Mauern feucht.» Statt des Plattenbodens soll es neu einen Riemenboden geben. Zudem möchte man wieder Kirchenbänke in die Kapelle stellen.

Unter der Holzverkleidung

«Die grösste Überraschung haben wir allerdings erlebt, als wir den Altar abgebaut haben. Unter der hölzernen Verkleidung kam nämlich ein alter schlichter Altar aus Naturstein hervor», so Schreier. «Wir sind nun gespannt, was die Denkmalpflege dazu sagt.» Möglicherweise werden die Sanierungsarbeiten dadurch beeinflusst. Der Steinaltar wurde für den Moment genau so belassen, wie er aufgefunden wurde. «Wir möchten nichts kaputt machen.»
www.antonius-kapelle.com

Gotte oder Götti für die Sanierung der Glocke gesucht

Seit dem vergangenen November sammelt die Kirchgemeinde Deitingen Geld für die Sanierung des Kapelle. Die Bürgergemeinde hat einen Unterstützungsbeitrag von 50 000 Franken zugesichert; die Denkmalpflege 40 000 Franken, die Inländische Mission 15 000 Franken. Weitere rund 40 000 Franken sind bisher durch Einzelspenden, davon 3000 Franken von der Einwohnergemeinde, zusammengekommen. Bis auf den Heiligen Bernardus konnten Paten für alle Heiligenfiguren der Kapelle gefunden werden.

Ein spezielles Anliegen wäre es der Kirchgemeinde, eine Glockengotte oder einen Glockengötti zu finden. Die Glocke der Kapelle ist heute nicht mehr funktionstüchtig. Nach der Sanierung soll die Glocke als Geburtsglocke für alle Eltern läuten, die auf diese Weise ihr Neugeborenes in der Gemeinde willkommen heissen möchten. Dies soll übrigens für alle Konfessionen möglich sein.