Kommentar
Nach den Filmtagen verlieren auch die Literaturtage den Chef: Die beiden Solothurner Festivals leiden an der gleichen Krankheit

Zuerst Anita Hugi bei den Filmtagen, jetzt Dani Landolf bei den Literaturtagen: Die beiden Abgänge haben leider überraschend viel gemeinsam.

Sven Altermatt
Sven Altermatt
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Geht nach der diesjährigen Ausgabe der Solothurner Literaturtage im Mai schon wieder: Geschäftsführer Dani Landolf.

Geht nach der diesjährigen Ausgabe der Solothurner Literaturtage im Mai schon wieder: Geschäftsführer Dani Landolf.

Gaetan Bally/Keystone

Eklat in Solothurn, schon wieder: Jetzt müssen auch die Literaturtage eine neue Spitze suchen. Die Ära von Geschäftsführer Dani Landolf wird nach nur zwei Ausgaben enden; so wie bereits jene von Anita Hugi bei den Filmtagen. Zwar räumt er seinen Posten im Gegensatz zu ihr aus freien Stücken. Doch es scheint, als leiden die beiden Festivals an der gleichen Krankheit.

Auch Landolf wollte verkrustete, mitunter familiär angehauchte Strukturen aufbrechen – und scheiterte. Ihm ist es nach eigenem Bekunden nicht gelungen, die Literaturtage zu öffnen und den Vorstand für neue Ideen zu gewinnen.

Das muss zu denken geben. Und zwar insbesondere jenen Köpfen, die seit Jahrzehnten die beiden Werkschauen prägen, sie gross gemacht haben und bis heute in verschiedenen Chargen mitreden. Den Gründergenerationen haftet unterdessen allerdings hartnäckig der Ruf an, die Modernisierung im Zweifelsfall lieber zu blockieren. Wer mit frischen Vorstellungen kommt und zu fest aufs Gas drückt, trifft auf ein Gemisch alter Solothurner Verflechtungen und angestaubter Reglemente. Dabei konkurrenzieren die Festivals längst auf nationaler Bühne mit.

Bei den Filmtagen, die soeben zu Ende gegangen sind, ist der Erneuerungsprozess schon im Gang. Inhaltliche Fragen gehören dazu ebenso wie die personelle Entflechtung. Die Literaturtage werden kaum umhinkommen, da nachzuziehen. Das kann für den Einzelnen schmerzhaft sein.

Aber nur wenn die beiden Festivals nicht um sich selbst kreisen, werden sie bleiben, was sie sind: die kulturellen Leuchttürme Solothurns, die ins ganze Land ausstrahlen.

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