Solothurn

«Wir brauchen Leuchttürme»: Dieser Corona-Song soll Mut machen

Komponist Peter Gubler an seinem Piano.

Komponist Peter Gubler an seinem Piano.

Musiklehrer Peter Gubler aus Zuchwil hat den Song «Meh aus mi» komponiert. Es geht um die Zeit des Coronalockdowns – und dass die Massnahmen auch wieder einmal ein Ende haben werden. Der Song soll Mut machen.

Das Wort Corona kommt nie vor. Und doch wissen alle, worüber Peter Gubler in «Meh aus mi» da singt. Es geht um die spezielle Zeit, die wir momentan erleben. Eine Zeit, in der Abstand gehalten wird und nur wenige Geschäfte geöffnet haben. Der 45-jährige Zuchwiler will aber nicht das Schlechte besingen; das sehe man schon in den Medien. «Der Song soll den Leuten ein gutes Gefühl geben», erklärt der Komponist. Man brauche jetzt Leuchttürme. Er will deshalb das Augenmerk auf das Zusammenstehen und Zusammenhalten legen. «Manchmal muss man einfach durchhalten. Wir schaffen das zusammen.»  

Gubler ist Musiklehrer im Schützenmatt-Schulhaus in Solothurn. Er spielt Gitarre und Klavier, sowie manchmal zum Begleiten im Unterricht Schlagzeug und Bass. Singen ist seine grosse Leidenschaft. «Die Stimme ist ein Geschenk, das ich erhalten habe», erzählt das Mitglied von «The Nightingales». Für diese A capella-Formation schreibt er auch Songs. 

Bereits im Alter von 14 Jahren begann Gubler mit dem Komponieren. «Meh aus mi» ist aber sein erster Song, den er auch veröffentlicht.

Den Moment, in dem die Idee für den Song entstand, kann Peter Gubler nicht genau fassen. Das Thema habe sich über Tage und Wochen verdichtet. Gubler spricht von einem «Corona-Grove», der sich entwickelte. Er verfolgte eine erste Welle von Corona-Songs aus Deutschland mit. Sein Liebessong darunter: Ein Stück über Klopapier von der Antilopengang.

Die Antilopengang mit «Nudeln und Klopapier»

«Wie das ist: Die Songs nisten sich irgendwo im Hirn ein; es brütet», erzählt Gubler. Plötzlich sei ihm dann eine Zeile in den Sinn gekommen. Der Song entstand dann rasch. «Ich sass ans Klavier und hatte ihn innerhalb eines Tages grob aufgegleist.» Danach gings noch an den Feinschliff. Man müsse den Songs Zeit geben, um zu reifen, sagt Gubler. Ihn habe das Komponieren befreit. «Es war fast eine Selbsttherapie.»

«Wir sitzen alle im selben Boot»

«Meh aus mi» ist ein Familienprojekt. Peter Gubler zeichnet für Text und Musik verantwortlich, sein Neffe Jan Guggisberg aus Bern hat den Song gemixt und das Video dazu realisiert; ein Zusammenschnitt aus selbstgedrehten Videos aus unterschiedlichen Wohnstuben. «Das widerspiegelt das Thema Quarantäne und den Fakt, dass wir alle im selben Boot sitzen auf eine simple Art», erklärt der gebürtige Stadtsolothurner und seit zirka 15 Jahren elektronische Musikproduktionen macht.

Das Video umzusetzen, sei deutlich aufwendiger gewesen als ursprünglich gedacht. «Und es sollte auch schnell gehen», so Guggisberg. Er und Peter Gubler sprachen Bekannte an, ob sie mitmachen wollten. Zuerst schickten nur wenige ein brauchbares Video. So brauchte es eine genauere Anleitung und Koordination. «Übers Oster-Wochenende kam dann Schritt für Schritt alles zusammen», sagt der 31-Jährige. Am Dienstagabend war das Video fertig, am Mittwoch wurde es auf Youtube gestellt. 

Innerhalb 24 Stunden wurde der Song bereits 1000 angeklickt. Peter Gubler dachte nicht, dass es gleich solche Wellen schlägt. «Anscheinend habe ich mit dem Song einen Nerv getroffen bei den Leuten», sagt er. Seine Erklärung dafür: Das Coronavirus betreffe alle; und das sei schon eine spezielle Situation. 

Dabei wollte der 45-Jährige den Song eigentlich erst nur aufnehmen und seinen Kollegen in Gruppenchats schicken. Musiklehrerkollege Mathias Rickenbacher ermunterte ihn aber, den Song zu veröffentlichen. «Ich bin kein Profi. Manchmal braucht es einfach jemanden, der an einem glaubt», sagt Gubler.

Er hofft, dass er vielen Menschen mit dem Song Mut machen kann. «Die Coronakurve soll abflachen, fürs Video soll die Kurve aber nach oben zeigen.» 

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