Kanton in Zahlen
Wie Solothurner ticken – Vorhersehbares und Merkwürdiges

Das neue Statistikwerk ist da. Es hält auch in diesem Jahr wieder Lehrreiches bereit. Vieles überrascht, manches erstaunt. Und einiges frustriert eher.

Sven Altermatt und Franz Schaible
Drucken
Teilen
Die Statistiker wissen, wie die Solothurnerinnen und Solothurner wohnen, leben und arbeiten.

Die Statistiker wissen, wie die Solothurnerinnen und Solothurner wohnen, leben und arbeiten.

Hanspeter Bärtschi

Das Material ist staubtrocken. Vollgepackt mit Zahlen, Grafiken und Tabellen. Doch wer darin stöbert, lernt zumindest etwas über die Facetten des Lebens: «Der Kanton Solothurn in Zahlen» heisst das Büchlein, das der kantonale Statistikdienst jeweils im Sommer herausgibt.

Wir haben die neusten Zahlen angeschaut. Im Datensalat findet sich Vorhersehbares wie Merkwürdiges. Fast alles dient der Politik als Schmiermittel. Vieles nimmt dereinst wohl Einfluss auf unseren Alltag. Und aus manchen Fakten lassen sich durchaus verwegene Schlüsse ziehen. Eine kleine Auswahl.

Trinkwasserverbrauch

Weniger Wasser, weniger Jobs

Die Solothurner Bevölkerung wächst, weniger stark als anderswo zwar. Aber sie wächst. Und dennoch ist der Trinkwasserverbrauch in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen: Lag der Verbrauch pro Kopf und Tag im Jahr 2003 bei 499 Liter, waren es 2013 nur noch 369 Liter. Tragen die Solothurner also mehr Sorge zum kostbaren Nass? Nicht unbedingt.

Das Bundesamt für Umwelt nennt andere Gründe: Die Haushaltsgeräte benötigen immer weniger Wasser, Duschen werden mit Sparbrausen ausgestattet und Toiletten erhalten Sparspülungen. Der wichtigste Grund für den Rückgang ist jedoch ein trauriger: Sogenannte «wasserintensive Industriezweige» verschwinden.

Als die Zellulosefabrik Borregaard in Riedholz (2009) und die Papierfabrik Sappi in Biberist (2011) ihre Tore schlossen, verloren nicht nur Hunderte Menschen ihre Stelle. Gleichzeitig kamen der Wasserversorgung auch zwei Grosskunden abhanden. Den Statistiken zum Trotz dürften die Solothurner so viel Wasser wie noch nie verbrauchen: Der Hauptanteil kommt nämlich nicht aus dem Wasserhahn, sondern steckt in Lebensmitteln und Produkten.

Der unsichtbare Verbrauch beläuft sich auf mehrere tausend Liter pro Tag und Kopf, schätzt die Umweltorganisation WWF. Allein eine Portion Kartoffeln verschlingt etwa 150 Liter Wasser beim Anbau.

Steuerbares Vermögen

Vermögen sind sehr ungleich verteilt

Wie landesweit ist auch im Kanton Solothurn das Vermögen sehr ungleich verteilt. 2013 versteuerten rund 123 600 eingeschätzte Personen oder 76 Prozent keinen einzigen Rappen an Vermögen. Dagegen besassen 3401 Personen 12,6 Milliarden Franken an steuerbarem Vermögen.

Oder: 2 Prozent aller Steuerpflichtigen besassen 63 Prozent aller Vermögen. Die 3400 im Kanton Solothurn wohnhaften Vermögensmillionäre bezahlten gleichzeitig 12,5 Millionen Franken an Vermögenssteuern, was wiederum 63 Prozent aller Einnahmen entspricht. Insgesamt lag das steuerbare Vermögen aller Solothurnerinnen und Solothurner bei 20 Milliarden Franken.

Ein längerfristiger Vergleich zeigt, dass die Vermögenskonzentration seit 2000 zugenommen hat. Damals besassen 2118 Vermögensmillionäre (1,5 Prozent) «nur» 51 Prozent des gesamten versteuerten Vermögens. Unverändert war der Anteil jener Steuerpflichtigen, die kein Vermögen versteuert hatten.

Hochschulen

Studis trotzen der SVP

Nein, leicht haben es die Geistes- und Sozialwissenschaften wirklich nicht. Die SVP will die Zahl der Studierenden mit einem Numerus clausus halbieren. Andere warnen vor fehlenden Jobaussichten – was die Arbeitslosenzahlen jedoch widerlegen. Junge Solothurnerinnen und Solothurner lassen sich von den Warnschüssen ohnehin nicht abschrecken.

Ob Psychologie, Geschichte oder Soziologie: Die Fächer zählen zu den beliebtesten bei den Studierenden aus dem Kanton. 849 Menschen waren im Studienjahr 2014/2015 an den entsprechenden Fakultäten der Schweizer Universitäten eingeschrieben. Insgesamt haben 2819 Solothurner an den hiesigen Unis studiert.

Die Ehrenplätze auf der Beliebtheitsskala belegen die Wirtschaftswissenschaften (469 Studierende) und die Naturwissenschaften (456 Studierende). An den Schweizer Fachhochschulen waren derweil 2494 Solothurner immatrikuliert. Am beliebtesten sind hier die pädagogischen Studiengänge mit 691 Absolventen.

Konfession

Kirchen verlieren ihre Schäfchen

Wonach sehnen sich die Menschen im spirituellen Sinn? Mit dieser Frage sind alle Landeskirchen konfrontiert. Denn sie kämpfen mit den gleichen Herausforderungen. 1109 Mitglieder (–0,7 Prozent) verlor die römisch-katholische Kirche im vergangenen Jahr im Kanton Solothurn.

Die reformierte Kirche schrumpfte um 993 Mitglieder (–1,5 Prozent), die Christkatholiken konnten ihre Mitgliederzahl auf bescheidenem Niveau halten. Die Rückgänge ergeben sich durch Kirchenaustritte und weil die Zahl der Todesfälle grösser ist als jene der Taufen.

Genaue Daten gibt es jedoch keine. Kaum verändert hat sich in den vergangenen Jahren die konfessionelle Zusammensetzung der Bevölkerung. 35 Prozent der Solothurnerinnen und Solothurner sind katholisch, rund 24 Prozent reformiert und 0,5 Prozent christkatholisch. Soll heissen: Die Gruppe jener, die konfessionslos sind oder einer anderen Religion angehören, ist grösser als die der etablierten Landeskirchen.

Wohnungen

Der Traum vom Hüsli

Es gilt als Symbol für die Zersiedelung der Landschaft, gleichzeitig ist es für viele weiterhin das Wohnideal: Das Einfamilienhaus geniesst nicht den besten Ruf. Seit Jahrzehnten wird über die «Hüsli-Schweiz» debattiert und geschimpft. Die 262 965 Einwohner des Kantons lebten Ende 2013 in 128 513 Wohnungen.

Deren 35 Prozent waren Einfamilienhäuser. Dieser Anteil liegt seit Jahren über dem schweizweiten Durchschnitt. Und die Nachfrage scheint ungebrochen: Die Zahl der Einfamilienhäuser im Kanton ist allein zwischen 2009 und 2013 um 3,5 Prozent gewachsen. Ob das neue Raumplanungsgesetz zu einer Mässigung führt?

Zumindest ist jetzt Verdichtung angesagt. Die Bodennutzung ist strenger reglementiert, Gemeinden dürfen keine überflüssigen Baulandreserven horten. Das Land soll nur noch dort wachsen, wo bereits Häuser stehen.

Aktuelle Nachrichten