Wohnen
Wie leben die Solothurnerinnen und Solothurner? Eine Bestandesaufnahme in Zahlen

Das Bundesamt für Statistik hat soeben die neusten Zahlen zum Bestand der Privathaushalte veröffentlicht. Diese Zeitung hat die Statistiken gewälzt.

Sven Altermatt
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Immer mehr Solothurner wohnen allein oder zu zweit in einer Wohnung. Im Bild ein Wohnhaus im Grederhof Ost, wo ein Drittel der Bellacher leben.

Immer mehr Solothurner wohnen allein oder zu zweit in einer Wohnung. Im Bild ein Wohnhaus im Grederhof Ost, wo ein Drittel der Bellacher leben.

Hanspeter Bärtschi

«My home is my castle», mein Zuhause ist meine Burg. Als der englische Jurist Edward Coke vor vier Jahrhunderten diesen Ausspruch prägte, wollte er damit unterstreichen, dass er seinen Besitz mit allen Mitteln gegen Angreifer zu verteidigen gedenke. Heute steht Cokes Satz sinnbildlich für das Recht auf Privatsphäre: Was in den eigenen vier Wänden passiert, das geht andere nichts an.

Das würde wohl auch beim Bundesamt für Statistik (BFS) niemand bestreiten. Trotzdem interessiert sich die Behörde für die Wohnräume dieses Landes. Denn als «kleinste gesellschaftliche Einheit im Privatbereich», so die etwas trockene Definition der Statistiker, dienen Haushalte als Gradmesser. Ihre Grösse prägt letztlich die Zusammensetzung und die Struktur der Bevölkerung.

Das BFS hat soeben die neusten Zahlen zum Bestand der Privathaushalte veröffentlicht. Diese Zeitung hat die Statistiken gewälzt. Sie zeigen zuerst einmal nüchtern, wie die Solothurnerinnen und Solothurner wohnen. Sie spiegeln aber auch gesellschaftliche sowie demografische Entwicklungen. Und sie geben, bei detaillierter Betrachtung, den Blick frei auf viele erstaunliche Erkenntnisse.

  • 118'616 Haushalte gab es Ende des Jahres 2016 im Kanton, sie wurden von 265 134 Personen bewohnt. Seit dem Jahr 2010 hat die Zahl der Haushalte um 6,9 Prozent zugenommen – jene der Bevölkerung aber nur um 5,4 Prozent. Am stärksten zulegen konnten die Zweipersonen-Haushalte; die Einpersonen-Haushalte haben sich, nachdem ihr Anteil seit der Jahrtausendwende stark gewachsen war, auf hohem Niveau stabilisiert.
  • Die durchschnittliche Haushaltsgrösse im Jahr 2016 betrug 2,24 Personen, 2010 waren es noch 2,27 Personen. Mit einem Anteil von jeweils rund einem Drittel am Total der Haushalte sind die Wohneinheiten mit einer und zwei Bewohnern am gewichtigsten.
  • In 34 Prozent der Solothurner Haushalte wohnte Ende 2016 nur eine Person. Das entsprach 15 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung, die in einem Einpersonen-Haushalt lebten. In 35 Prozent der Haushalte lebten zwei Personen, das waren 32 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung.
  • Zum Vergleich: Nur gerade 1,6 Prozent der Haushalte im Solothurnischen wurden von sechs oder mehr Personen bewohnt, was aber immerhin noch 4,7 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung des Kantons entsprach. Beide Werte sind seit 2010 jedes Jahr leicht angestiegen.
  • 2,84 Personen betrug die durchschnittliche Haushaltsgrösse in Gänsbrunnen, das ist der kantonsweite Spitzenwert. Die Thaler Gemeinde mit ihren 92 Einwohnern zählte 32 Haushalte, wobei die Zweipersonen-Haushalte mit neun Wohneinheiten die grösste Gruppe bildeten.
  • Am anderen Ende der Rangliste steht, dicht gefolgt von den Städten Solothurn und Olten, die Gemeinde Eppenberg-Wöschnau. Hier wohnten im Schnitt lediglich 1,97 Personen in einem Haushalt. Das 327-Seelen-Dorf im Niederamt umfasste 161 Haushalte – 79 Prozent wurden nur von einer oder zwei Personen bewohnt. Ein überdurchschnittlich hoher Wert.
  • Die meisten Einpersonen-Haushalte finden sich unverändert in Olten und Solothurn. 2016 betrug ihr Anteil am Total der Haushalte jeweils rund 44 Prozent. Damit schwingen die beiden Städte sogar landesweit oben aus, wie eine Auswertung jüngst verdeutlichte. In keinem anderen der 58 kleinstädtischen Zentren der Schweiz werden nämlich anteilsmässig so viele Wohnungen von nur einer Person bewohnt. Bei den Zweipersonen-Haushalten liegt derweil Balm bei Günsberg einsam an der Spitze: Der entsprechende Anteil lag bei 54 Prozent.
  • Um «die Familie» ranken sich viele Klischees. Ehepaare mit einem oder mehreren Kindern sind zwar noch immer die häufigste Familienform. Ihre Zahl sinkt jedoch. Das spiegelt sich auch im Rückgang der Vierpersonen-Haushalte, jahrzehntelang der Inbegriff für das klassische Modell. Muss man Bolken also als letzte Bastion bezeichnen? Immerhin wohnten hier 2016 in 21 Prozent der Haushalte noch immer vier Personen, das ist Solothurner Rekord. Erstaunlich ist das nicht. In keiner anderen Gemeinde des Kantons leben anteilsmässig nämlich mehr Kinder und Jugendliche als in Bolken. Gut jeder vierte Bolkner im Jahr 2016 war 18 Jahre alt oder jünger.
  • Es ist eher ein interessanter Fakt am Rande: Mit knapp über 17'000 Einwohnern ist Grenchen nach Olten und vor Solothurn die zweitgrösste Stadt im Kanton. In der Kategorie der Haushalte mit sechs oder mehr Personen ist die Uhrenstadt jedoch unschlagbar: 163 solcher Haushalte gab es Ende 2016, in Olten waren es 111 und in Solothurn deren 96. Spitzenreiter ist Grenchen schliesslich auch bei den «Fünfern». Die offizielle Zählung verzeichnete 285 Haushalte mit fünf Personen; 258 waren es in Olten und 229 in Solothurn.
  • Das BFS hat Haushaltsszenarien für die einzelnen Kantone berechnet. Gemäss der 2013 erstmals vorgelegten Studie wird die Zahl der Haushalte im Solothurnischen schneller wachsen als jene der Bevölkerung. Von 2005 bis 2030 erhöht sich das Total der Haushalte demnach um 17 Prozent. Kein Wunder: Die Haushalte mit einer oder zwei Bewohnern werden weiter an Bedeutung gewinnen, 2030 sollen sie über drei Viertel aller Wohneinheiten ausmachen. Die Bundes-Szenarien sollen im kommenden Winter aktualisiert werden. Bisher erwiesen sie sich als präzis. So betrug die Abweichung zwischen der erwarteten und der effektiven Zahl der Haushalte im vergangenen Jahr gerade einmal 0,9 Prozent.

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