Erschnüffelt
Wer die Oma vermisst, ist ein Fall für Polizeispürhundin Xiia

Spürhund Xiia sucht nach vermissten Menschen und steht im Dienst der Kantonspolizei Solothurn. Sie ist erst der zweite Personenspürhund, der für die Kantonspolizei im Einsatz steht. Ein Trainingsbesuch zeigt, wie Xiia blitzschnell Fährten aufspürt.

Ursula Känel Kocher
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Hundeführerin Janine Zihlmann hält Hündin Xiia einen Geruchsgegenstand – ein Taschentuch des «Täters» – hin.

Hundeführerin Janine Zihlmann hält Hündin Xiia einen Geruchsgegenstand – ein Taschentuch des «Täters» – hin.

Ursula Känel Kocher

«Komm Xiia, jetzt wird gearbeitet!» Janine Zihlmann öffnet erst den Deckel des Kofferraums, dann die Tür der Hundebox. Sie lässt die Hündin aus dem Auto springen, streift ihr das Arbeitsgeschirr über und sich selber eine orange, mit «Polizei» beschriftete Leuchtweste. Ausbildner Beat Bandi reicht ihr den Geruchsgegenstand des Fährtenläufers. Es ist ein benutztes Nastuch. Die Kollegen halten sich etwas im Hintergrund, als Janine Zihlmann Xiia den durchsichtigen Plastiksack mit dem Nastuch kurz über Nase und Fang stülpt. Dann geht es los: «Such!»

Xiia ist eine bayrische Gebirgsschweisshündin und der zweite Personenspürhund, der für die Kantonspolizei Solothurn im Einsatz steht. Schweizweit gibt es in den Polizeikorps 25 dieser vierbeinigen Spezialisten. Im Gegensatz zu einem Ernstfall-Einsatz - mittlerweile hat Janine Zihlmann deren acht hinter sich - weiss die Hundeführerin heute bereits zu Beginn der Arbeit, wo die vermisste Person steckt. Denn: Heute ist Training angesagt.

Gemeinsam mit fünf weiteren Polizisten aus den Kantonen Aargau, Solothurn und Baselland trainiert Janine Zihlmann regelmässig unter der Anleitung von Beat Bandi, der im Fachbereich Diensthunde bei der Kantonspolizei Bern als Ausbildner für Personenspürhunde arbeitet. Heutiger Treffpunkt ist Reinach BL. Kollege Stefan Zeltner hat die Fährten organisiert, respektive ist sie grösstenteils selber gelaufen - und hat damit ein respektables Fitnessprogramm hinter sich. Denn: Jede Fährte des heutigen Trainings ist rund 600 Meter lang und 60 Stunden alt. Tönt unglaublich, ist aber wahr: Ein Personenspürhund vermag einer Fährte zu folgen, die mehrere Tage alt ist und durch Dörfer, Städte und belebte Orte führt.

Auch Xiia lässt sich so schnell nicht ablenken. An der langen Leine geführt, marschiert sie zügig voraus; die Nase mal direkt am Boden, dann wieder etwas in der Luft. Bei einer Weggabelung schnüffelt sie erst in die eine Richtung, bevor sie in die andere Strasse abbiegt. Beat Bandi begleitet Janine Zihlmann, den Plan mit der Fährten-Skizze in der Hand. «Der Hund macht die Hauptarbeit», stellt er klar. Die anderen Hundeführer - ohne Hund, dafür ebenfalls in Polizeimontur -, folgen mit etwas Distanz. So bewegt sich der Suchtrupp durch Quartierstrassen und an parkierten Autos vorbei. So mancher Passant bleibt staunend stehen. Dann hat Xiia die gesuchte Person gefunden: Andreas Burch kauert hinter einem Busch und belohnt die Hündin mit Leberwurst aus der Tube. «Braver Hund!»
Janine Zihlmann besitzt bereits einen Diensthund: den bald neunjährigen Malinois Orex, ein Schutz- und Drogensuchhund. «Als der Kanton Solothurn einen zweiten, einsatzfähigen Personenspürhund suchte, musste ich nicht lange überlegen und habe mich für Xiia entschieden», so die 30-jährige Hundeführerin. Die Folge? «Mein Mann muss nicht selten daran glauben und für uns eine Trainingsfährte laufen.» Manchmal spanne sie auch Bekannte oder Nachbarn ein, denn: Ein bestandener Einsatztest bedeute nicht, dass man sich auf die faule (Hunde-)Haut legen könne.

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