Kriminalität
Weniger Kupferdiebe – Nun rauben Diebe die Baustellen der Region aus

Diebe machen sich regelmässig an Baustellen auch in der Region zu schaffen. Dafür gibt es seit geraumer Zeit weniger Räuberbanden, die auf Kupfer aus sind. Das «Geschäft» der Kupferdiebe leidet offensichtlich unter tiefen Buntmetallpreisen.

Noëlle Karpf
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Nicht jede Baustelle kann abgesperrt und vor Diebstählen gesichert werden. Symbolbild/Alois winiger

Nicht jede Baustelle kann abgesperrt und vor Diebstählen gesichert werden. Symbolbild/Alois winiger

Alois Winiger

Kabelrollen, Bohrmaschinen oder Kupferkabel, die auf Baustellen nicht eingeschlossen oder rund um die Uhr überwacht werden, sind beliebtes Diebesgut. Verschiedene Baufirmen der Region berichten, dass Banden nach wie vor aktiv sind. Dies bestätigt auch der Geschäftsleiter der Zuchwiler Galli AG. Noch vor drei Wochen machten sich Diebe an einer Baustelle im bernischen Oberönz zu schaffen.

«Im Mittel haben wir ein bis zwei Fälle pro Jahr», sagt Theo Galli. «Es kann sein, dass nur Geld in den Mannschaftscontainern gesucht wird oder, dass ganze Gerätschaften gestohlen werden.» Während der Ferien werden Containertüren zwar so blockiert, dass ein Einbruch unmöglich ist.

«Aber während der restlichen Zeit ist ein Schutz fast gar nicht zu gewährleisten», so der Chef. Der letzte Kupferdiebstahl soll sich «vor Jahren» ereignet haben. Damals wurde ein Hauptstromleitungskabel von einer grossen Baustelle geklaut.

«Gegen unbefugten Zugang gesichert» sind Baustellen der Strabag AG. Die Firma mit Hauptsitz in Schlieren ist derzeit für den Neubau des Solothurner Bürgerspitals zuständig. Dieses und die restlichen Areale, auf der die Firma baut, scheinen sicher: «In den letzten Jahren gab es keine grösseren Vorfälle», sagt Mediensprecherin Jolanda Frei.

Absperrungen und Webcams halten Räuberbanden fern. Zur Abschreckung weisen Schilder auf die Installationen hin. Auch Kupferdiebstähle seien seit Jahren kein Thema mehr – «weil der Buntmetallpreis gesunken ist».

Die Solothurner Marti AG weist mit Schildern ebenfalls auf installierte Kameras hin. Seither seien die Diebstähle etwas zurückgegangen, berichtet Martin Flück von der Geschäftsleitung. Zäune hingegen würden «gar nichts» bringen. «Die können die Diebe einfach aufschneiden, wenn sie rein wollen», sagt er. Kleinere Utensilien wie Bohrer oder Hämmer werden laut dem Werkhofleiter einmal im Monat geklaut. «Und manche Räuber durchschneiden Kupferkabel und schleppen sie ab», so Flück. Das sei seit 2014 aber nicht mehr vorgekommen.

«Ganzjähriges Phänomen»

Baustellen- und Kupferdiebstähle sind laut Melanie Schmid, Sprecherin der Kantonspolizei Solothurn, ein «ganzjähriges» Phänomen. «Diebstähle werden hauptsächlich dann gemeldet, wenn einerseits Zeugen oder andererseits auffälliges Deliktgut gesucht werden», sagt die Mediensprecherin.

Auch Fälle, bei denen es um «sehr hohe» Deliktbeträge ginge, würden kommuniziert. So gab es 2014 insgesamt 41 Diebstähle «im Baugewerbe», wie die Kriminalstatistik der Kapo zeigt. 2013 waren es 45 und 2012 noch 32. Was gestohlen wurde, ist nicht ersichtlich. «Das kann ein einzelner kleiner Akkuschrauber sein oder eine grössere Maschine», so Schmid.

Für Kupferdiebe sei das Geschäft heute «offensichtlich weniger interessant». Laut der Mediensprecherin gab es 2014 noch
24 Delikte, letztes Jahr elf. Über die Ursachen dieses «deutlichen Rückgangs» kann die Polizei bloss spekulieren. Darauf hätten äussere Faktoren wie der Metallpreis oder die Sicherheitsvorkehrungen von Baufirmen wohl einen Einfluss.

Kupferdiebe haben ausgedient

Laut der Medienstelle der SBB liegt der Kanton Solothurn nicht «im Fokus» von Kupferdieben. Zum letzten Mal sei im Sommer 2014 in Olten Kupfer geklaut worden, berichtet Mediensprecherin Michelle Rothen. Derzeit sollen Kupferdiebe in der ganzen Schweiz selten zuschlagen. «Das liegt zum einen an den tiefen Kupferpreisen und zum anderen an der Jahreszeit», sagt Rothen.

Die SBB treffen schon seit einigen Jahren verschiedene Massnahmen, um Material vor Dieben zu schützen: Buntmetalle werden vermehrt eingeschlossen und zugängliche Kupfer-Lagerbestände möglichst klein gehalten. Im Verdachtsfall lassen die SBB ein Areal durch Transportpolizei und Sicherheitsdienste überwachen.

Auch bei der Bahngesellschaft RBS (Regionalverkehr Bern-Solothurn) ist der letzte Diebstahl einige Zeit her. Vor rund drei Jahren stahlen Langfinger Kupferkabelbobinen aus einem Depot im bernischen Worblaufen, berichtet die Kommu- nikationsverantwortliche Fabienne Thommen. Zwischen 2010 und 2012 sei ausserdem ein Erdkupferseil in der Nähe von Bätterkinden geklaut worden.

«Auch wurde einmal ein abgeschnittener Fahrdraht, der in der Nähe von Lohn am Boden lag, gestohlen», so Thommen. Darauf begann der RBS, Kupferkabelbobinen in abgeschlossenen Räumen aufzubewahren, Lieferungen für Baustellen nicht mehr zwischenzulagern und demontierte Kupferleitungen sofort abzuführen. «Seither haben wir keine solchen Vorfälle mehr gehabt», so die Mediensprecherin.

Abführen von Material und Abschliessen der Baustellen gehören ebenso zu den Sicherheitsvorkehrungen der Menz AG in Luterbach. Ausserdem sei eine Alarmanlage im Büro- und im Werkstattgebäude installiert worden, erklärt Daniel Binz. Laut dem diplomierten Malermeister gäbe es zwei- bis dreimal im Jahr Baustelendiebstähle, Kupfer wurde seit dem Sommer 2013 aber nicht mehr geklaut.

Kein Handel mit gestohlener Ware

Für «ein hohes Sicherheitsdispositiv» ist laut Mario Cunsolo auch in der Bellacher Recyclingfirma Almeta gesorgt. Genauere Auskunft dazu könne er nicht geben, da es sich dabei quasi um ein Betriebsgeheimnis handle. Auf jeden Fall sei seit fünf Jahren nicht mehr in die Firma eingebrochen worden, sagt der Handelsleiter. Das Geschäft sei heute für die Räuberbanden eher uninteressant, was an den momentan tiefen Buntmetallpreisen liege.

Auch gegen den Kauf von gestohlener Ware ist die Almeta abgesichert. «So etwas tolerieren wir nicht», so Cunsolo. Es gäbe zwar «dubiose Gestalten», die wohl illegalen Handel betreiben würden, diese seien aber an schlechtem Deutsch, zugeklebten Fenstern von Lieferwagen oder Tagesnummernschildern zu erkennen.

Die Recyclingfirma ist zudem Mitglied des VSMR (Verband Stahl-, Metall und Papier-Recycling Schweiz), welcher Meldung erstattet, wenn bei einem Mitbewerber eingebrochen wird. Das soll den Handel mit gestohlener Ware erschweren.

Von der Solothurner Sterki-Bau AG und der Erne AG Olten nahm bis Redaktionsschluss niemand Stellung zur Umfrage.

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