Kantonsrat Solothurn
Über die Kantonsstrassen: «Macht so etwas nie mehr!»

Verbaut der Kanton zu viel Geld in teure Strassen? Erneut gab der Abschnitt zwischen Biberist und Lohn-Ammannsegg im Kantonsrat zu reden.

Lucien Fluri
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Zick-zack-fahren, Inseli, Randsteine: Die Kantonsstrasse in Lohn-Ammannsegg (2,7 Mio. pro km) hat die Politik mehrmals auf den Plan gerufen.

Zick-zack-fahren, Inseli, Randsteine: Die Kantonsstrasse in Lohn-Ammannsegg (2,7 Mio. pro km) hat die Politik mehrmals auf den Plan gerufen.

Hanspeter Bärtschi

Verkehrsinseln, Radstreifen und Randsteine. Das sind Themen, die Solothurner Politikerseelen immer wieder zum Köcheln bringen. Bereits zum dritten mal hat der Kantonsrat gestern über die «Luxussanierung» der Kantonsstrasse zwischen Biberist und Lohn-Ammannsegg diskutiert. «Wollte sich jemand ein Denkmal setzen?», fragte SVP-Kantonsrat Hans Marti (Biberist). Der Landwirt hatte eine Interpellation eingereicht.

Ein Kilometer Autobahn koste in der Schweiz 11 Mio. Franken, in Frankreich bloss 6,2 Mio. Euro. Ob den der Strassenbau immer vergoldet werden müsse, wollte Marti von der Regierung wissen. Das rief den Biberister Bauunternehmer Markus Grütter (FDP) auf den Plan: Man könne sich ja auch fragen, warum Milch und Butter in der Schweiz so viel teuerer sei als in der EU, hielt Grütter dem Bauern Marti entgegen. «Die Ansprüche sind bei uns anders, auch weil wir dichter besiedelt sind.» Und Grütter erinnerte daran, dass die Landwirte im Gäu ja etwa auch einen teueren Tunnel für die Autobahn forderten.

«Unsere Ansprüche sind hoch»

Doch auch die FDP-Fraktion war sich nicht einig. Als gelegentlicher Autofahrer störte sich Kuno Tschumi (Derendingen) ob der Verkehrsführung in Lohn-Ammannsegg. «Diese Strasse war einst normal und gerade. Jetzt ist sie eine gefährliche Piste.» Die Schikanen bräuchten, gerade bei schlechtem Wetter, enorm viel Aufmerksamkeit. Tschumis Fazit: «Macht so etwas nie mehr!»

Berechtigt fand die Fragen auch Georg Nussbaumer (CVP, Hauenstein-Ifenthal). Er erinnerte aber daran: «Die Ansprüche an die Strasse sind sehr hoch. Von den Invalidenverbänden bis zur Astag haben alle ihre Interessen.» Das sei für die Planer nicht einfach; insbesondere da sich Planer absichern müssten, später nach einem Unfall nicht die Sündenböcke zu sein. Nussbaumer kritisierte eine «Schattengesetzgebung über die Richtlinien.»

Schon mehrfach hätten die Grünen den Ausbaustandard moniert, sagte deren Sprecherin Brigit Wyss (Solothurn). Trotzdem: «Grünflächen und Inseln sind nicht einfach Schikanen», so Wyss. Der Kanton hatte angeführt, dass die Mittelinseln zum Schutz der abbiegenden Fahrzeuge seien, während die Grünflächen am Strassenrand die Radwege entwässern.

Baudirektor will Normen prüfen

SVP-Kantonsrat Rolf Sommer, als langjährige Kritiker des Solothurner Strassenbaus bekannt, zählte unzählige Beispiele aus der Region Olten auf, die laut ihm einen zu hohen Ausbaustandard aufweisen. «Es sind ältere Projekte», verteidigte sich Baudirektor Roland Fürst. «Sie wurden teils aufgegleist, bevor ich im Amt war.» Trotzdem wolle er die Verantwortung nicht abschieben.

Er erinnerte daran, dass solche Strassenbauten lange Prozesse mit verschiedensten Beteiligten und vielen Interessen seien. So oder so versprach Fürst: «Wir wollen die Normen von Grund auf diskutieren.»