Nationalstrasse N1
Staus, Unfälle und die Polizei als Retter in der Benzin-Not: Sonntagsfahrer waren anfangs überfordert

Weil sich Auffahrkollisionen und Staus nach der Eröffnung des Autobahnabschnittes zwischen Oensingen und Hunzenschwil vor 50 Jahren häuften, rief die Presse zur Vorsicht auf.

Urs Amacher
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Bei einem Unfall im Gäu schlitzte das damals noch als Abtrennung dienende Spannseil zwischen den Fahrbahnen den Kotflügel dieses Autos auf.
10 Bilder
50 Jahre Nationalstrasse N1 Oensingen-Hunzenschwil
Vor der Eröffnung des Teilstücks Oensingen–Hunzenschwil wurden die Fugen vom Schmutz befreit.
Die Aargauer Polizisten waren bei der Eröffnung der N1 präsent.
Schaulustige winken den mit prominenten Fahrgästen besetzten Oldtimern von einer Brücke aus zu.
Bei der Eröffnungsrede der N1 in Oensingen durch den Solothurner Baudirektor Hans Erzer war auch Elisabeth Pfluger (Mitte mit Tasche) anwesend.
Ein Medienereignis: Bundesrat Hans Peter Tschudi bei seiner Ansprache an der Aargauer Kantonsgrenze.
Auch mit Gitarren und Gesang wurde die Eröffnung der N1 begangen.
Anlässlich der Einweihung mit dem Oldtimer auf der Autobahn
Brücke über die Aare

Bei einem Unfall im Gäu schlitzte das damals noch als Abtrennung dienende Spannseil zwischen den Fahrbahnen den Kotflügel dieses Autos auf.

Hanspeter Nething

Die am 10. Mai 1967 eingeweihte Nationalstrasse N1 hatte schon am folgenden Wochenende ihre Bewährungsprobe zu bestehen. Viele Autofahrer benutzten die Pfingstfeiertage zu einer Ausfahrt auf der neuen Autobahn. «Der Verkehr auf der Strecke zwischen Oensingen und Lenzburg war enorm, während die alte Landstrasse eine eher mässige Belastung aufwies.

50 Jahre Einweihung N1-Teilstück Oensingen-Hunzenschwil

In den Tagen vor dem verlängerten Pfingstwochenende 1967 herrschte «Freunde in der Region Olten und im Aargau» - so titelte die Presseagentur über die Einweihung des Nationalstrassen-Teilstücks am 10. Mai und berichtete weiter: «Mit Jubel und Ansprachen, mit Musik und Gesang haben am Mittwoch die Aargauer und Solothurner die Eröffnung der N 1 von Oensingen im Solothurnischen bis Hunzenschwil im Aargauischen begangen.» Wir werfen aus Anlass des 50-Jahre-Jubiläums einen Blick in jene Zeit zurück.

Mit diesem Beitrag findet die vierteilige Serie zur Eröffnung des Teilstücks der N1 zwischen Oensingen und Hunzenschwil vor 50 Jahren ihr Ende.

Meist rollte der Verkehr auf der neuen Strasse flüssig ab», stellte das Oltner Tagblatt fest. «Die Autobahn hat ihre erste Belastungsprobe gut bestanden, viel besser jedenfalls als viele Automobilisten, welche den Verlockungen einer solchen Piste noch nicht gewachsen sind und so ihre eigene wie auch die Sicherheit der andern gefährden», heisst es im Bericht weiter.

Zahlreiche Unfälle

Allerdings kam es zu Stauungen wegen der recht zahlreichen Auffahrkollisionen. Oft wurde der Abstand zwischen den Fahrzeugen nicht eingehalten und trotz lange dauernden Gewitterregen allgemein zu schnell gefahren. Das führte zu einer ganzen Reihe von Unfällen, die glücklicherweise keine Todesopfer forderten.

Einzelne Fälle schilderte die Presse genauer: «Ein Personenwagen fuhr auf der Autostrasse in Oensingen gegen die Einfahrtsrampe Richtung Zürich. Der Führer wähnte sich bereits auf der Autobahn und fuhr mit übersetzter Geschwindigkeit in die starke Rechtskurve ein. Das Fahrzeug geriet ins Schleudern und prallte frontal gegen die Leitplanken. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, am Fahrzeug entstand Totalschaden.»

Dies veranlasste die Zeitung, «Und nun die Lehre für unsere Automobilisten» anzufügen. Insbesondere solle man auf den «normalen» Strassen langsamer und vorsichtiger fahren: «Verlässt man die Autobahn, denke man daran, dass man sich an ein hohes Tempo gewöhnt hat und die Geschwindigkeit leicht unterschätzt». Offenbar war auf den kreuzungsfreien Autobahnen nicht allen klar, dass man sie «nur auf den signalisierten Ausfahrten verlassen darf, wobei man gut daran tut, den Blinker früh zu betätigten. Die Ausfahrten befinden sich immer rechts des Fahrers, auch wenn das Ziel links der Autobahn liegt!»

Polizei als fahrende Tankstelle

Ebenfalls wenig bedacht haben die damaligen Sonntagsfahrer, dass sie nicht in jedem Dorf mit einer Zapfsäule rechnen konnten: «Trotz der vorher erlassenen zahlreichen Warnungen ereigneten sich sehr viele Benzinpannen. Auf der Strecke zwischen Bern und Lenzburg ist ja noch keine Tankstelle in Betrieb. Die Solothurner Polizei, die solche Ereignisse vorausgesehen hatte, füllte manchen Benzintank auf. Sie verrechnete jedoch nicht den handelsüblichen Preis, sondern verlangte pro Liter 1 Franken».

Weil ein Liter Superbenzin damals an der Tankstelle 66 Rappen kostete, wurde das für solche nachlässige Autofahrer richtig teuer.