Die am 10. Mai 1967 eingeweihte Nationalstrasse N1 hatte schon am folgenden Wochenende ihre Bewährungsprobe zu bestehen. Viele Autofahrer benutzten die Pfingstfeiertage zu einer Ausfahrt auf der neuen Autobahn. «Der Verkehr auf der Strecke zwischen Oensingen und Lenzburg war enorm, während die alte Landstrasse eine eher mässige Belastung aufwies.

Meist rollte der Verkehr auf der neuen Strasse flüssig ab», stellte das Oltner Tagblatt fest. «Die Autobahn hat ihre erste Belastungsprobe gut bestanden, viel besser jedenfalls als viele Automobilisten, welche den Verlockungen einer solchen Piste noch nicht gewachsen sind und so ihre eigene wie auch die Sicherheit der andern gefährden», heisst es im Bericht weiter.

Zahlreiche Unfälle

Allerdings kam es zu Stauungen wegen der recht zahlreichen Auffahrkollisionen. Oft wurde der Abstand zwischen den Fahrzeugen nicht eingehalten und trotz lange dauernden Gewitterregen allgemein zu schnell gefahren. Das führte zu einer ganzen Reihe von Unfällen, die glücklicherweise keine Todesopfer forderten.

Einzelne Fälle schilderte die Presse genauer: «Ein Personenwagen fuhr auf der Autostrasse in Oensingen gegen die Einfahrtsrampe Richtung Zürich. Der Führer wähnte sich bereits auf der Autobahn und fuhr mit übersetzter Geschwindigkeit in die starke Rechtskurve ein. Das Fahrzeug geriet ins Schleudern und prallte frontal gegen die Leitplanken. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, am Fahrzeug entstand Totalschaden.»

Dies veranlasste die Zeitung, «Und nun die Lehre für unsere Automobilisten» anzufügen. Insbesondere solle man auf den «normalen» Strassen langsamer und vorsichtiger fahren: «Verlässt man die Autobahn, denke man daran, dass man sich an ein hohes Tempo gewöhnt hat und die Geschwindigkeit leicht unterschätzt». Offenbar war auf den kreuzungsfreien Autobahnen nicht allen klar, dass man sie «nur auf den signalisierten Ausfahrten verlassen darf, wobei man gut daran tut, den Blinker früh zu betätigten. Die Ausfahrten befinden sich immer rechts des Fahrers, auch wenn das Ziel links der Autobahn liegt!»

Polizei als fahrende Tankstelle

Ebenfalls wenig bedacht haben die damaligen Sonntagsfahrer, dass sie nicht in jedem Dorf mit einer Zapfsäule rechnen konnten: «Trotz der vorher erlassenen zahlreichen Warnungen ereigneten sich sehr viele Benzinpannen. Auf der Strecke zwischen Bern und Lenzburg ist ja noch keine Tankstelle in Betrieb. Die Solothurner Polizei, die solche Ereignisse vorausgesehen hatte, füllte manchen Benzintank auf. Sie verrechnete jedoch nicht den handelsüblichen Preis, sondern verlangte pro Liter 1 Franken».

Weil ein Liter Superbenzin damals an der Tankstelle 66 Rappen kostete, wurde das für solche nachlässige Autofahrer richtig teuer.