Fussball
Speziell: Im Offside stehen und Eigentore schiessen

Chefredaktor Theodor Eckert widmet seinen Wochenkommentar schwarzen Listen, roten Teppichen, heruntergelassenen Rollladen und unabhängigen Medien.

Theodor Eckert
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Stadion Brühl in Grenchen

Stadion Brühl in Grenchen

AZ

Eine groteske Geschichte. Am Jurasüdfuss dümpeln zwei Fussballvereine in einer Stärkeklasse herum, die weitab von den besten Klubs im Land angesiedelt ist. Entsprechend diskret fällt das Echo aus, wenn die Mannschaften neunzig Minuten lang auf dem Spielfeld herumrennen, um einem Gegner das Fürchten lehren zu wollen. Der FC Grenchen und der FC Solothurn tragen ihre Spiele praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus, wenn man bedenkt, dass das Stadion in der Uhrenstadt ein Fassungsvermögen von 15 000 Zuschauern hat und jenes in der Ambassadorenstadt auch immerhin 6300. Die paar hundert Anhänger verhindern also quasi Geisterspiele. Das ist schön. Das weckt durchaus Sympathie für diese treuen Fans.

Etwas weniger sympathisch ist das Gehabe der einstigen Traditionsvereine, wenn ihr Tun und Lassen in den Medien thematisiert wird. Zuweilen entsteht der Eindruck, das Gegenüber bereichere die Champions League und gebe sich deswegen entsprechend abgehoben bis selbstherrlich. Wobei, wer wie die wirklich Grossen den provinziellen (Denk-)Mustern entwachsen ist, arbeitet eben auch medial professionell. Andernfalls können das Verständnis und die Sichtweise bezüglich Kommunikation unorthodoxe Formen annehmen. Dabei geht es nicht um die Verbreitung nackter Tatsachen wie zum Beispiel, wer sich auf dem Feld, der Ersatzbank, unter den Torschützen oder frühzeitig unter der Dusche befunden hat.

Theodor Eckert

Theodor Eckert

Solothurner Zeitung

Die Rede ist von journalistischen Arbeiten, die über den Spielfeldrand hinausgehen. Geschichten, die selbst Leserinnen und Leser interessieren, die sich sonst um das runde Leder foutieren. In diese Kategorie fällt etwa der Trainingsleibchen-Zwang für Jüngstfussballer des FC Solothurn. Die Mamis und Papis bezahlen einen stattlichen Vereinsbeitrag und sollen nun noch ein Tenue für mehrere hundert Franken berappen, damit ihre Knirpse einheitlich Ballübungen machen können. Die Unzufriedenheit etlicher Eltern haben wir publik gemacht. Darüber muss man breiter diskutieren können - finden wir als Beobachter. An der daraus entstandenen Debatte beteiligten sich auch Eltern von Kindern anderer Sportarten. Die Vereinsoberen betrachten die Publikation als Majestätsbeleidigung. Reagiert wird mit völligem Unverständnis und massiver Kritik. Klubintern werden Redeverbote verhängt, in der Hoffnung, die Medienarbeit unterbinden zu können. Dies war übrigens nicht der erste Fall, bei dem ein Medienschaffender sanktioniert wurde.
Noch drastischer der FC Grenchen. Dort will man bestimmen, welche handzahmen Journalisten wie und was unkritisch schreiben dürfen. Berichte zur misslichen Finanzlage, zu Turbulenzen in der Vereinsführung, neuen Investoren und unklaren Zukunftsaussichten werden mit einer schwarzen Liste für Medienleute quittiert (sofern sich solche überhaupt noch für den FC interessieren). Darauf sind mittlerweile alle Namen zu finden, die sich an allgemeingültige journalistische Regeln halten. Solothurner Zeitung und Grenchner Tagblatt erachten es als Gütezeichen, auf dieser Blacklist mehrfach vertreten zu sein.

Dass die Arbeit der Medien nicht immer und überall auf Gegenliebe stösst, ist verständlich. Die Sicht von aussen deckt sich oft nicht mit der Betrachtungsweise der Betroffenen. Freiheitliche Gesellschaften zeichnen sich jedoch gerade dadurch aus, dass diese Diskrepanz öffentlich ausgetragen und ausgehalten wird. Ein hierzulande gängiger Prozess, der gleichermassen in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur stattfindet, also letztlich sämtliche Bereiche der Gesellschaft mit einbezieht. Der Sport macht dabei keine Ausnahme. Auch der Regional- und Lokalsport nicht. Wer bloss dann den roten Teppich auslegt, wenn er positive Nachrichten transportieren lassen will, dagegen in schwierigen Zeiten den Rollladen herunterlässt, ist nicht nur schlecht beraten - sondern auch kurzsichtig. Unabhängige Information ist in einer Demokratie nicht verhandelbar.

Die Leserinnen und Leser stehen bei uns an erster Stelle. Deshalb werden wir auch künftig über den FC Solothurn und den FC Grenchen berichten. Hürden und Stolpersteine hin oder her - und selbstverständlich widmen wir uns nicht bloss der Farbe der Kickersocken, sondern auch den roten Köpfen, blauen Lippen und bleichen Gesichtern der Klubverantwortlichen. Wie wir alle, agieren auch sie nicht im luftleeren Raum.

theodor.eckert@azmedien.ch

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