Saisonale Grippe
Solothurner Spitäler empfehlen Impfung, aber: «Man hat keinen 100-prozentigen Schutz»

Wegen der andauernden Coronapandemie ist die Impfung gegen die saisonale >Grippe in Apotheken und Arztpraxen extrem gefragt. Auch im Spital wird geimpft; hier wird den Mitarbeitenden auch eine Impfung empfohlen. Matthias Hofmann, Leiter der Infektiologie der Solothurner Spitäler, im Interview.

Noëlle Karpf
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Die Hoffnunf besteht, dass die Grippe in diesem Jahr nicht so hart zuschlägt. (Symbolbild)

Die Hoffnunf besteht, dass die Grippe in diesem Jahr nicht so hart zuschlägt. (Symbolbild)

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Das BAG empfiehlt eine Grippeimpfung ab Mitte Oktober – auch für Personal von Spitälern. Empfehlen auch Sie Ihren Mitarbeitenden, sich impfen zu lassen?

Matthias Hofmann: Wir empfehlen unseren Mitarbeitenden eine Influenza-Impfung schon seit Jahren. Diese ist freiwillig: Wir setzen darauf, dass unser Personal aufgrund seines Wissens über die Influenza – aber auch andere respiratorische Viren – selbst entscheiden kann.

Matthias Hofmann Leiter Infektiologie, Kantonsspital Olten.

Matthias Hofmann Leiter Infektiologie, Kantonsspital Olten.

Zur Verfügung gestellt

Empfehlen Sie die Grippeimpfung aufgrund von Corona speziell?

Während der Pandemie besteht die Hoffnung, dass die eine oder andere Ansteckung verhindert werden kann – sodass wir das Risiko für Patientinnen und Patienten, aber auch für die Mitarbeitenden reduzieren können. Noch wissen wir aber nicht, welchen Einfluss die Coronapandemie auf die saisonale Grippewelle im Spital haben wird – und auch umgekehrt. Gleichzeitig stellt das Impfen aber lediglich einen Teil unseres Präventionspaketes dar.

Erklären Sie?

Nach dem jetzigen Wissensstand führen auch die vom Bundesamt für Gesundheit empfohlenen Schutzmassnahmen zu einer Reduktion bestimmter respiratorischer Infektionen. In Australien wurde eine Reduktion der Influenzafälle beobachtet, welche wahrscheinlich auf die Hygienemassnahmen in der Bevölkerung zurückzuführen ist. Also gilt: Hände waschen oder desinfizieren, Abstand einhalten, ansonsten Maske tragen. Im Spital gilt bei direktem Patientenkontakt eine Maskenpflicht. Und wir empfehlen Mitarbeitenden mit Symptomen, einen Abstrich zu machen und bis zum Resultat zu Hause zu bleiben, um ganz sicher niemanden anzustecken.

Es war auch schon davon die Rede, dass die Impfung beim Personal der soH unbeliebt sei. Woran liegt das?

Das kann ich so nicht unterschreiben. Die kritische Hinterfragung der Wirkung einer Impfung beschränkt sich meiner Einschätzung nach nicht nur auf das Gesundheitspersonal. Und: Kritisch hinterfragen finde ich etwas Gesundes. Der Impfschutz gegen Influenza ist abhängig von verschiedenen Faktoren – man hat nie einen 100-prozentigen Schutz. Daher sind kritische Fragen angebracht. Jedoch ist die Impfung eines der wenigen sicheren Mittel, das im Falle von Influenza grossflächig umgesetzt werden kann. Sie ist aber nur ein Baustein aller Massnahmen, um Ansteckungen im Spital zu vermindern, gerade jetzt in der Coronazeit.

Wie hoch ist eigentlich die Durchimpfungsrate beim Personal?

Diese liegt bei rund 50 Prozent bei Personen mit Patientenkontakt. Diese Zahlen sind aber mit Vorsicht zu geniessen. Einerseits wissen wir aus einer Mitarbeiterumfrage, dass sich gut weitere 4 Prozent privat impfen lassen, sodass die Zahlen der Spitäler generell etwas zu tief geschätzt sein dürften. Andererseits ist die Aussagekraft dieser Erhebungen fraglich, da eine Influenzadurchimpfungsrate keine Aussage über die medizinische Qualität eines Spitals zulässt.

Kürzlich war auf Radio SRF zu hören, man werde am Kantonsspital Olten einen kombinierten Influenza- und Coronatest anbieten.

Dazu muss man vorneweg noch wissen: In Olten und Solothurn haben wir je eine ambulante Teststation. Dort geht es bei der eher jüngeren, ansonsten gesunden Klientel um die Frage: Corona ja oder nein; Isolation ja oder nein? Im Spital ist die Situation ganz anders. Bei stationären Patienten, aber auch Personal mit Symptomen, möchten wir zukünftig wissen, ob eine Corona- oder Influenzavirus-Infektion vorliegt, denn dies hat Konsequenzen für das weitere Management. Daher werden wir diese Personengruppen während des Winters auf beide Viren testen, entweder mit einzelnen Tests oder zukünftig einem kombinierten Test.

Was genau ist das für ein Test?

Es ist ein herkömmlicher kombinierter PCR-Test, ein sogenannter Multiplex-Test. Noch ist dieser Test in der Entwicklung, doch wir sind zuversichtlich, dass er für die kommende Grippesaison zu Verfügung steht. Jedoch ist aktuell die Verfügbarkeit der Tests wie auch des Testmaterials eine Herausforderung, so wie alles rund um Corona in einem steten Fluss ist. Als Plan B werden wir die Tests notfalls separat durchführen, was ebenfalls möglich, jedoch arbeitsintensiver ist.

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