Es liest sich wie das Drehbuch eines Dramas, ist aber tatsächlich so passiert. Als Kind zog die heute 15-jährige Serra M. mit ihrer Mutter aus der Türkei in den Kanton Solothurn. Dort sei ihre Mutter mit der Sekte von Adnan Oktar in Berührung gekommen, sagte M. gegenüber 20 Minuten. Ihre Mutter habe ein Facebook-Profil für sie eröffnet und Bilder in aufreizenden Posen von ihr veröffentlicht. So sei Oktar auf sie aufmerksam geworden. Er habe ihre Mutter angeschrieben, sie solle das Mädchen in die Türkei bringen. Das habe diese getan. «Es ging ihr um Geld.»

Weiter sagte M. gegenüber 20 Minuten: «Ich besuchte Oktar regelmässig in seiner Villa in Istanbul. Sein Plan war, dass ich ihn heirate, sobald ich 18 Jahre alt bin. Ich wurde nicht vergewaltigt, aber er hat Dinge mit mir gemacht. Er hat mich immer wieder an den Armen und Beinen berührt und mir Komplimente für meinen Po und meine Brüste gemacht. Er hat mich am Hals berührt und gesagt, dass ich einen hohen Puls hätte. Das zeige, wie sehr ich ihn liebe.» 

Dagegen wehrte sich die Jugendliche. Zwischenzeitlich wohnte sie bei ihrem Vater in den Emiraten. Zurück bei der Mutter in der Schweiz, machte diese aber wieder Anstalten, die Tochter zu verkaufen. Also wandte sie sich an die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde KESB. Viel mehr Glück war ihr aber auch dann nicht beschieden: «Die KESB hat mich in eine Pflegefamilie eingewiesen. Dort habe ich 17 Kilo abgenommen, weil es mir schlecht ging. Es hat nicht funktioniert.» Mittlerweile wohne sie in einer Institution für betreutes Wohnen im Kanton Luzern. Glücklich sei sie dort nicht. «Ich fühle mich von den Behörden im Stich gelassen. Mitglieder der Sekte haben mich in der Schweiz angerufen und via SMS bedroht. Ich fühle mich hier nicht sicher.» 

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn kannte den Fall bisher nicht, wie sie auf Anfrage bestätigt. (rka)