Auf einen Kaffee mit...

Solothurner entwickelt Solarsauna – die Technologie hilft auch in Entwicklungsländern

Auf einen Kaffee mit... Urs Riggenbach. Der 30-jährige Solothurner hat mit seiner Firma Lytefire eine Solarsauna entwickelt. Die Technologie reduziert den CO2-Ausstoss und hilft Menschen in Entwicklungsländern.

Ein Feld voller Sonnenblumen blüht vor dem Rosegghof. Nahe am Bauernhaus gibt es einige wirklich riesige Exemplare. Majestätisch stehen sie da, drehen ihre Köpfe der Sonne entgegen. Urs Riggenbach hält einen Spiegel in den Händen. Er biegt ihn leicht, bündelt so das Licht und richtet es auf den Arm des Besuchs. Die Haut erwärmt sich sogleich. «Und so funktioniert das auch bei der Solarsauna», erklärt er.

Urs Riggenbach mit einem der Spiegel, die für die Kollektoren verwendet werden.

Urs Riggenbach mit einem der Spiegel, die für die Kollektoren verwendet werden.

Wo eine herkömmliche Sauna Brennholz oder massig Strom braucht, setzt die von ihm entwickelte Solarsauna ganz auf Solarenergie. Die erste dieser Art ging erst vor kurzem im Bündner Prättigau in Betrieb. Sie wird von einem Sonnenkollektor angetrieben, der mittels Spiegel das Licht bündelt und durch ein Fenster auf die Saunasteine bringt. Dampf und Wärme entstehen. Der Innenraum wird auf zwischen 60 und 100 Grad erhitzt. Die Sauna rotiert, um der Sonne zu folgen. Fast wie die Sonnenblumen. 

«Im Gegensatz zu Photovoltaik kennt man diese Art von Solarenergie bisher nicht», sagt der 30-jährige. Hinter der Entwicklung steht allerdings viel mehr als ein nachhaltiges Wellnesserlebnis. «Es geht darum, CO2 zu reduzieren und Leute aus der Armut zu helfen», meint Riggenbach. 

Die Saunagänger sollen sich auf positive Art mit Themen der Nachhaltigkeit und globalen Energiearmut befassen, erklärt er. Für Leute in ärmeren Ländern sei Holz und Holzkohle immer noch der Hauptenergielieferant. Er spricht von einem «Entwicklungsproblem», solange die Energie von den Bäumen herkommt. «Wenn die fossile Energie aber durch andere Energie ersetzt wird, könnten sich die Länder schneller und unabhängiger entwickeln», ist Riggenbach überzeugt. Hier kommt er aus dem Erzählen fast nicht mehr heraus. 

Urs Riggenbach erklärt, wie die Solarsauna funktioniert – und wo die Technologie sonst noch eingesetzt wird

Urs Riggenbach erklärt, wie die Solarsauna funktioniert

 

Rosegghof als «Home-Base»

Schon zu Schulzeiten lernte er in Indien die Zusammenhänge zwischen Armut, Sexismus und Entwicklung besser verstehen. Er lernte aber auch Lösungsansätze kennen. Im Rahmen seines Ökologie-Studiums in den USA realisierte er 2012 im ländlichen Nepal sein Abschlussprojekt. Sonnenkollektoren spielten die Hauptrolle. Für die Idee liess er sich vom finnisch-kanadischen Blogger Eerik Wissenz inspirieren.

Für den Solothurner war klar: Das darf nicht das Ende sein. Noch im gleichen Jahr starteten die beiden ein Crowdfunding und bauten auf dem Rosegghof den Prototypen für ein grösseres Solarsystem, das Dampf produzierte. Die Macher erkannten das Potenzial und gründeten die Firma Lytefire. Weil zwei des Teams in Finnland lebten, ist sie dort registriert. Urs Riggenbach arbeitet aber von der Schweiz aus. Je nach Projekt wechselt auch sein Wohnort. Den Rosegghof nennt er seine «Home-Base». Hierhin kommt er stets gerne zurück. In einem Nebenhaus hat er ein WG-Zimmer.

So funktionieren die Sonnenkollektoren, durch welche die Solarsauna sowie -öfen und -röstereien betrieben werden

So funktionieren die Sonnenkollektoren, durch welche die Solarsauna sowie -öfen und -röstereien betrieben werden

Backöfen, Trockner und Röstereien mit Solarenergie

Die Laufbahn der Firma Lytefire, der mittlerweile zehn Personen ganz unterschiedlicher Nationalitäten angehören, begann mit verschiedenen Prototypen. Es kam zur Partnerschaft mit «Worldvision» und 2016 zu einem Pilotprogramm in Kenia und Tansania. Mit den Kleinunternehmern wurde die Technologie weiterentwickelt. «Nach diesem Projekt kamen die ersten auf uns zu», erzählt der 30-Jährige.

In Afrika, Asien und Lateinamerika werden mit der Lytefire-Technologie inzwischen Backöfen, Trockner und Röstereien von Kleinunternehmen angetrieben. «Wir arbeiten mit vielen Stiftungen und Hilfswerken zusammen, die uns mit Unternehmen zusammenbringen», sagt Urs Riggenbach. Sie stehen im Fokus, weil dort jeden Tag säckeweise Holzkohle verbrannt werden. Die Solarenergie bringt die Wende. Vor Ort werden die Kollektoren und was sonst noch benötigt wird produziert. Auch die Leute werden ausgebildet.

Für eine schnelle Rendite

Mit den Öfen kann relativ rasch etwas erreicht werden, weil schon eine Nachfrage vorhanden ist – Brot ist ein gutes Beispiel. Und mit der Solarenergie entstehen kleinere Kosten, da kein Strom, Holz oder Holzkohle eingekauft werden muss. Produkte wie Nüsse oder Früchte können zudem selbst veredelt werden und zu einem besseren Preis verkauft werden. So bleibt schlussendlich mehr Geld in der eigenen Tasche.

Dabei soll das Produkt auch eine schnelle Rendite bringen, damit auch in Ländern ohne viel Kapital Investitionen getätigt werden können. «Das Hauptaugenmerk unserer Entwicklung liegt auf der Kostengünstigkeit», so Riggenbach. Während eine Photovoltaikanlage nach 10 bis 20 Jahren amortisiert sei, lohne sich ihr System schon nach 1.5 Jahren. 

Corona verzögerte die Inbetriebnahme

Die Solarsauna im Bündernland hingegen muss nicht rentieren. Sie ist mehr als Attraktion gedacht. Als Sieger eines Ideenwettbewerbs von Ende Januar 2020 realisierte Riggenbach die kleine Wellnessoase innerhalb weniger Monate. Der erste, noch sehr provisorische Prototyp funktionierte sofort. Am 15.März war dann die richtige Version der Solarsauna parat. Doch in Betrieb ging sie nicht, denn dann kam Corona. 

Urs Riggenbach blieb auf dem Berg und baute weiter. Seit der Wiedereröffnung des Berghauses Heuberge ist nun auch die Sauna geöffnet. Eingeladene Blogger und Gäste kamen schon zum Testen. Selbst kritische Saunablogger seien begeistert gewesen, berichtet der Solothurner. «Es ist super für uns zu wissen, dass es ein positives Erlebnis ist.» 

Die Leute sollten sich faszinieren lassen. Und wer weiss: Vielleicht möchte der eine oder andere Gast eine eigene Solarsauna im Garten? Noch arbeitet Lytefire an einem Energiespeicher, der das Saunieren bis zu sechs Stunden nach Sonnenuntergang ermöglichen soll. Längerfristig müsse man schauen, ob das Produkt markttauglich gemacht werden könne, so Riggenbach. «Dazwischen gibt es aber noch ein paar Schritte.» Es komme jetzt auch darauf an, wie die Leute reagieren.

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