Amtsgericht
Sexuelle Handlungen mit seiner Stiefenkelin waren «nicht gravierend»

Ein etwas über 60-jähriger Mann ist geständig, dass es zu mehrfachen sexuellen Handlungen mit seiner damals sechsjährigen Stiefenkelin kam. Das Verfahren vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt ist deshalb nur kurz.

Ornella Miller
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Das Mädchen soll teilweise die Initiative für die Handlungen ergriffen haben. (Sybolbild)

Das Mädchen soll teilweise die Initiative für die Handlungen ergriffen haben. (Sybolbild)

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Im Bereich sexueller Handlungen mit Kindern gilt Nulltoleranz, auch bei nur «leichtem Verschulden», auch wenn die Initiative teils vom Kind ausgegangen ist, wenn Handlungen «spielerisch» daherkamen. Solcherlei geschah letzten Sommer im Wasseramt.

Glen P. (Namen von der Redaktion geändert), ein etwas über sechzigjähriger Schweizer, hat sich im Juni an der Enkelin seiner Frau vergangen. An einem Sommerabend wollte er mit seiner damals sechsjährigen Stiefenkelin Jill in ein Restaurant in Gerlafingen fahren, um eine Pizza zu holen. Davor urinierte er jedoch in einem andern Wasserämter Restaurant auf der Toilette in ein Pissoir. Als Jill* in der offenen Tür erschien und hineinguckte, drehte er sich um, ohne vorher die Hose wieder hochgezogen zu haben und fragte, ob sie seinen Penis anfassen wolle. Sie berührte diesen und auch den Hodensack. Glen zog die Vorhaut zurück, berührte mit seinem Finger die Eichel und leckte den Finger ab. Er forderte Jill auf, es ihm gleichzutun, was sie auch tat. Er forderte sie auf, den Penis zu küssen, was sie aber nicht machte. Erst dann gingen sie die Pizza holen.

Auf dem Rückweg äusserte Jill im Auto, dass sie Glens Po sehen wolle. Dieser fuhr daraufhin nochmals zum gleichen Restaurant wie zuvor und ging mit ihr nochmals zur Toilette. Er zeigte ihr seinen entblössten Hintern, sie schlug mit der Hand darauf. Anschliessend fuhren sie heimwärts. Auf der Fahrt habe Jill gemäss Anklageschrift zu Glen gesagt, dass sie den Penis nochmals anfassen dürfe. Glen fragte, ob sie das wirklich nochmals wolle, was sie bejahte. Er liess es während der Fahrt zu, dass sie durch die Hosen sein Glied nochmals anfasste. Jill erzählte das Vorgefallene ihrer Mutter, diese kontaktierte ihre eigene Mutter per SMS und ging mit Jill zum Arzt. Dieser legte ihr nahe, Anzeige zu erstatten, ansonsten müsse er es von Gesetzes wegen tun. Jills Mutter machte Anzeige.

Abgekürztes Verfahren, Vergleich für Beschuldigten

Da Glen geständig war, konnte auf seinen Antrag hin ein abgekürztes Verfahren durchgeführt werden, bei dem er sich mit der Staatsanwaltschaft in einem Vergleich einigte. Er gestand seine Schuld wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind ein. Und akzeptierte die Strafe von 11 Monaten bedingter Haft bei einer Probezeit von zwei Jahren und Bezahlung einer Genugtuung von 2000 Franken. Auch zur Bezahlung von Jills Anwältin (4700 Franken) verpflichtete er sich und zum lebenslänglichen Tätigkeitsverbot.

Dieser letztjährige Vergleich wurde nun vom Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt genehmigt. Die Verhandlung dauerte nur kurz. Glen war darauf bedacht, sich nicht mehr zu äussern. Die Taten selbst wurden nicht mehr thematisiert. Barbara Müller, Statthalterin der Amtsgerichtspräsidenten, fragte Glen, ob er mit dem Vergleich einverstanden sei; was er war.

Staatsanwältin Petra Grogg zeigte die Überlegungen für den Vergleich und für die Höhe der Strafe auf. Das Vertrauensverhältnis sei ausgenützt worden. Aber die Handlungen seien «nicht äusserst gravierend» gewesen. Glenn habe nicht mit direktem Vorsatz gehandelt. Und: «Es ist nicht zu Traumatisierungen gekommen.» Glen sei nicht vorbestraft und er sei geständig, wenn auch nicht ganz freiwillig. Das Opfer sei durch die Vergleichslösung vor weiteren Befragungen verschont worden. So könne ihm ein «verschuldensmildernder Rabatt» zugebilligt werden. Das lebenslängliche Tätigkeitsverbot – jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst – sei bei diesem Straftatbestand zwingend, ausser bei besonders leichten Fällen. Ob der im Gastgewerbe Tätige das einhält, ist Sache der Justizvollzugsbehörde.

Der Verhandlung wohnte auch Jills Mutter bei, sie vermied jeglichen Kontakt zu ihrem Stiefvater, sie stand vor der Verhandlung bewusst weit von ihm entfernt.