Wyss Zäune AG

Schweizer Gefängnisse schwören auf Solothurner Hochsicherheitszäune

Ein Sicherheitszaun made in Lohn-Ammannsegg.

Ein Sicherheitszaun made in Lohn-Ammannsegg.

Wyss macht Zäune, das weiss man in der Region. Was viele nicht wissen: Der Familienbetrieb aus Lohn-Ammannsegg ist bei Hochsicherheitszäunen Marktleader in der Schweiz. Alles begann mit den Kernkraftwerken.

Drei oder vier Mal hat sich Sven Döscher im Gefängnis freiwillig einsperren lassen. Denn eigentlich ist er ja bloss dort, um zu arbeiten. Döscher ist seit fast zehn Jahren bei der Wyss Zäune AG angestellt. Er ist Projektleiter der Sparte Hochsicherheit, zu deren regen Kunden die Schweizer Gefängnisse gehören. Die Zaunbauer aus Lohn-Ammannsegg haben sich zum Marktleader entwickelt in diesem Segment.

In der Schweiz gibt es nur wenige weitere Anbieter, die einigermassen mithalten können. In über 70 von rund 120 Gefängnissen im Land sind Wyss-Zäune verbaut. Vom grössten Gefängnis des Landes, dem Pöschwies in Regensdorf, über das Flughafengefängnis Zürich bis hin zu zahlreichen Regionalgefängnisse und Justizvollzugsanstalten (auch in der JVA Solothurn in Luterbach).

Von der Millionärsvilla an der Côte d’Azur bis zum KKW

Wer die Schweizer Gefängnisse als Luxusanstalten bezeichne, sei nie in einer Zelle gesessen, findet Döscher. Karg und eng sei es. Trotzdem hat er es in gewissen Situationen vorgezogen, sich dorthin zu verkriechen. Zur Sicherheit. Das tönt nun komisch, aber Döscher sagt: «In Anstalten, in denen Schwerstverbrecher interniert sind, ist es schon vorgekommen, dass die Wärter zu mir kamen und mir nahelegten, für kurze Zeit in die Zelle zu gehen, da sie mit einem Gefangenen vorbeikämen, bei dem sie für nichts garantieren könnten. Und das obwohl sie zu dritt oder zu viert waren.»

Angefangen hat das Geschäft mit Sicherheitszäunen aber ganz woanders. Und zwar bei der Umzäunung von Kernkraftwerken (KKW) zu Beginn der 1980er-Jahre. Mühleberg, Leibstadt, Beznau II und Gösgen – alle haben sie Wyss Zäune. Angefangen hat es mit mechanischen Sicherheitszäunen, also Zäunen ohne Detektion oder Sensoren jedwelcher Art. Aber schon zu dieser Zeit machte sich Andreas Wyss in Zusammenarbeit mit dem Elektroingenieur Jürg Oberhänsli an die Entwicklung eines Drahtgeflechts, das beim Durchschneiden Alarm schlägt. «Die Kunst ist es, den Draht zu flechten, also zu biegen, ohne das Innenleben zu beschädigen», erklärt Wyss senior.

Auf dem Testgelände in Lohn tüfteln Wyss und Oberhänsli im Auftrag eines Firmenkonsortiums. Doch nach drei Jahren steigt das Konsortium aus. Aber die beiden machen weiter. Mit Erfolg. Der erste Zaun mit dem Peristop-System kommt beim KKW Leibstadt zu stehen. Kurz darauf folgt der Auftrag eines Flugzeugbauers in Stans und die Umzäunung des Pöschwies. Auch im Ausland schlägt der Wyss-Hochsicherheitszaun ein. Millionärsvillen an der Côte d’Azur, das KKW Isar in Niederbayern oder das Staatsgefängnis Luxemburg – alle setzen auf das Produkt aus Lohn-Ammannsegg.

Neben der Industrie zählt die öffentliche Hand (insbesondere die Gefängnisse) zur geschätzten Kundschaft. «Ganz selten bauen wir auch in der Schweiz Sicherheitszäune für Superreiche. Dort geht es aber vor allem um den Schutz vor Entführungen», erklärt Philipp Wyss.

Er und sein Bruder Pepe haben das Geschäft vor vier Jahren von Vater Andreas übernommen. Pepe als CEO, Philipp als Verwaltungsratspräsident. Noch ist der Vater im Hochsicherheitsbereich aktiv, aber bis zum nächsten Jahr, wenn er 70 wird, will er sich komplett zurückziehen. Philipp sagt: «Wir profitieren heute davon, dass sie damals ein System entwickelt haben, das extrem wenige Fehlalarme auslöst und zugleich sehr zuverlässig ist.»

Die Zäune haben sich weiterentwickelt. Kaum bekletterbare Gittermatten sind bei Gefängnissen Standard. Meist ausgestattet mit Bewegungsdetektoren und Nato-Draht mit rasiermesserscharfen Klingen und Sensoren, die registrieren, wenn jemand mit Leiter oder Matratze darüber hinweg steigen möchte.

Nato-Draht und ein detektiertes Gitter: Die Wyss-Zäune sichern über 70 von rund 120 Gefängnissen in der Schweiz.

Nato-Draht und ein detektiertes Gitter: Die Wyss-Zäune sichern über 70 von rund 120 Gefängnissen in der Schweiz.

Oft sind die Zäune Hunderte von Metern lang. Für das ungeschulte Auge ist die darin versteckte Technik kaum zu erkennen. Philipp Wyss sagt: «Hundertprozentige Sicherheit gibt es auch mit unseren Systemen nicht. Wird ein Häftling mit dem Helikopter rausgeflogen, erreicht man mit einem Zaun nichts.»

Auch im Lärmschutz hat Wyss ein eigenes Produkt entwickelt

Was vor rund 40 Jahren begonnen hat, ist zu einem der wichtigsten Standbeine des Familienunternehmens geworden. Rund einen Viertel des Umsatzes macht sich in diesem Bereich. Tendenz steigend. Obwohl nicht laufend neue Gefängnisse gebaut werden, steigt doch das allgemeine Bedürfnis nach Sicherheit. In der Industrie, aber auch bei Privaten. Trotzdem hat man sich vorerst entschieden, das Auslandgeschäft nicht fortzuführen. Zu gross der logistische Aufwand für ein Unternehmen mit rund 40 Mitarbeitenden. Zu hoch oft auch die Lohnkosten in der Schweiz, um mit der ausländischen Konkurrenz mithalten zu können, obwohl man qualitativ zu den Besten gehört.

So wichtig das Hochsicherheitsgeschäft auch ist, den grössten Teil des Umsatzes macht Wyss noch immer mit Holz-, und Metallzäunen rund um Einfamilienhäuser oder Fussballplätze. Auch im Bereich Lärm- und Sichtschutzwände hat man eigene Produkte lanciert. In Lohn aus Schweizer Holz gefertigt. Gerade in der Region begegnet man dem Namen fast an jeder Ecke. Und wer beim Schachen spazieren geht, findet ihn auch dort.

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