Schreib Dein Buch
Mit einer App zur eigenen Biografie: Olga Hürlimann aus Riedholz hat die Schreibwerkstatt ausprobiert

«Das kleine Buch vom guten Leben» ist Olga Hürlimanns Erstlingswerk. Sie hat es mit Unterstützung der Edition Unik geschrieben und ist vom Angebot überzeugt. Entstanden ist allerdings weniger eine Biografie als vielmehr ein Lebensratgeber für den Freundeskreis.

Daniela Deck
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Olga Hürlimann mit ihrem Erstlingswerk.

Olga Hürlimann mit ihrem Erstlingswerk.

Michel Lüthi

Wie kommt das eigene Leben zwischen Buchdeckel? Nach dem zeitlosen Engagement von Ghostwritern und dem Ausleben im Selbstverlag des Internetzeitalters ist das Geschäftsfeld einen Schritt weitergekommen. Es gibt dafür heute professionell betreute Schreib-Apps. Olga Hürlimann aus Riedholz hat ihr «Kleines Buch vom guten Leben» mit Unterstützung der Edition Unik geschrieben.

«Mein Mann und meine Freundin haben sich zusammengetan und mir zum 50. Geburtstag einen Gutschein mit dem Edition-Unik-Basispaket geschenkt.» Nach stressigen Momenten letztes Jahr und einer Verschiebung der Teilnahme vom Herbst 2020 zur Schreibwerkstatt im Frühling 2021 ist Olga Hürlimann froh, sich auf das Schreiben eingelassen zu haben. Mit dem in Leinen gebundenen Buch in den Händen ist sie überzeugt, dass sich das Geschenk gelohnt hat, vom materiellen Gesichtspunkt gesehen ebenso wie vom emotionalen. Hürlimann ist diplomierte Pflegefachfrau und diplomierte Paarberaterin und mit diesen zwei beruflichen Standbeinen voll berufstätig.

Damit gehörte sie in der Autorengruppe zur Minderheit. Die meisten Teilnehmenden der 17-wöchigen Schreibwerkstatt haben mehr freie Zeit, viele sind pensioniert. «Es hat mich so gepackt, dass ich mein Buch gleich in den ersten sieben Wochen geschrieben habe. Diese Zeitspanne ist eigentlich zum Sammeln der Ideen gedacht. Der Kurs ist so aufgebaut, dass die Schreibarbeit mit der achten Woche beginnt», sagt Hürlimann.

Das Lektorat war hoch begehrt

Die verbleibenden Wochen nutzte sie für das Lektorat, einen Job, den sie im «Anzeiger» ausgeschrieben hatte. «Ich wurde überrannt, wohl wegen Corona. Vom SRF-Korrespondenten bis zur angehenden Theologin wollten alle mein Büchlein Korrektur lesen», erinnert sich die Autorin. Nach mehreren Vorstellungsgesprächen entschied sie sich für eine Germanistikstudentin.

«Ein Glücksgriff», sagt Hürlimann. «Die junge Frau hat nicht nur Rechtschreibung und Tippfehler korrigiert – dass mein Satzbau tabu ist, war vereinbart –, sondern auch ihre Emotionen beim Lesen geschildert und sozialkritisch Rückmeldung gegeben. ‹Das könnte ich mir nicht leisten›, hiess es zum Beispiel zum Prosecco-Cüpli beim Hotel-Frühstück, ‹gibt es nicht auch günstigere Genussmomente?›» Das habe Hürlimann zum Anlass genommen, etwa Sonnenaufgang und Zmorge im «Hinterweissenstein» einzubauen.

Edition Unik

Im Frühling und im Herbst bietet das vereinsbasierte Unternehmen Edition Unik (in Anlehnung an das Wort «unique»: einmalig) je die 17-wöchige Schreibwerkstatt «Schreib dein Buch» mit einer Browser-basierten Schreib-App für 100 Teilnehmende an. Für den Herbst gibt es noch freie Plätze. Neben wöchentlichen Rundmails finden für die Planungs- und Schreibphase in Bern, Basel und Zürich Austauschtreffen statt. Dienstleistungen wie Mentoring und Lektorat können zusätzlich gebucht werden. Entstanden ist Edition Unik 2014 aus einem Projekt des Expo.02-Direktors Martin Heller.

Wenn sie im Büro in Aarau vor Ort sein musste, klingelte der Wecker der Frühaufsteherin vor vier Uhr morgens. Sie schrieb eine Stunde und ging anschliessend auf den Zug. Arbeitete sie im Homeoffice, dann schrieb sie oft am Abend ein bis zwei Stunden.

Hürlimanns Buch ist keine Biografie, sondern eine Mischung aus Lebensratgeber und Erzählung eigener Alltagserlebnisse. «Mein Mann und ich mögen spontane Aktionen.» Ein Beispiel sind «Alles-ist-möglich-Wochenenden», zu denen die beiden mit Zahnbürste und einem Satz frischer Wäsche losziehen – ohne Ziel. «Ich möchte Freunde und Bekannte daran teilhaben lassen, wie viel Lebensqualität überraschende Freizeitgestaltung und Zeichen der Wertschätzung an die Mitmenschen geben», sagt Hürlimann. «Warum nicht der Schuhverkäuferin nach der guten Bedienung Pralinen ins Geschäft bringen?» Solche Episoden hat sie im Kapitel «Deine Freude ist meine Freude» abgehandelt. Denn hier habe die Gesellschaft ein Manko: «Wir sind allzu sehr auf das fokussiert, was nicht gut ist, und kritisieren mehr, als dass wir loben und danken.»

Private Vernissage im Garten abgehalten

Mit ihrer beruflichen Brille beurteilt Hürlimann auch den Service von Edition Unik: «Ich fühlte mich immer gut abgeholt. Die Ansprache ist persönlich und gepflegt, die Schreibsoftware leicht verständlich.» Der Austausch der Teilnehmenden sei «professionell und spannend» gehalten. Neben dem Gespräch mit anderen Autoren geben hier Routiniers Tipps zum Schreiben. Hürlimann hatte sich für die Berner Gruppe angemeldet, doch die Treffen vor Ort mussten digitalen Meetings weichen.

Etwa 40 Ausgaben ihres «guten Lebens» sind seit der Vernissage Ende Mai im Freundeskreis im Umlauf. Verglichen mit anderen Autoren, die für die persönliche Psychohygiene oder den engsten Familienkreis schreiben, seien 40 Stück eher viel. Die Vernissage habe sie in ihrem Garten abgehalten. Dafür hätte sie zwar nach Bern reisen dürfen, doch ohne Begleitung. «Menschen sind zentral in meinen Geschichten.» Eine davon ist übrigens «nur für Männer», wie das Kapitel betitelt ist. Bei der Nachbestellung von Büchern (neben dem PDF gehören zwei gebundene Ausgaben zum Basispaket) bringt Hürlimann die einzige Kritik an die Adresse der Schreibwerkstatt an: «Zusatzbücher sind sehr teuer. Das können sich viele nicht leisten.» Ihr Ausweg: der Nachdruck bei Copy Quick.

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