Berufsmesse
Rudolf Strahm: «Der Fachkräftemangel in der Schweiz ist teilweise hausgemacht»

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Referent Rudolf Strahm bei seiner Ansprache.

Referent Rudolf Strahm bei seiner Ansprache.

Hanspeter Bärtschi

Der Zuspruch des Publikums an der Eröffnungsveranstaltung für die Berufsmesse IB Live war ihm gewiss. Der ehemalige SP-Nationalrat, Preisüberwacher und profilierter Bildungspolitiker Rudolf Strahm hat sich starkgemacht für das duale Bildungssystem. Anhand zahlreicher Grafiken zeigte er auf, warum das schweizerische Bildungssystem sich positiv auf die Beschäftigung auswirke.

Zum Beispiel sei die Jugendarbeitslosigkeit in Ländern mit dualer Berufsbildung wie eben in der Schweiz oder in Deutschland und Österreich massiv tiefer sei als in Ländern mit einer starken Akademisierung ohne eigentliche Berufsbildung. «Das ist ein guter Indikator für die Integrationsfähigkeit eines Bildungssystemes.» Die vergleichsweise tiefe Maturitätsquote hierzulande sei kein Nachteil. Im Gegenteil. So sei die Schweiz Spitzenreiterin in der Industrieproduktion pro Kopf der Bevölkerung, die Schweizer Wirtschaft verfüge – trotz hohem Lohnniveau – über die höchste Exportfähigkeit.

Zudem liege die Schweiz trotz tiefer Akademikerquote bei der Innovationsfähigkeit weltweit fast an der Spitze. «Das scheint paradox, ist aber Realität», so Strahm. Er führt das darauf zurück, dass es den beruflichen Fachkräften gelinge, technologische Entwicklungen rasch und effizient umzusetzen. Und das Bildungssystem mit der Berufslehre sei auch keine Sackgasse, wie vielfach behauptet. Die Durchlässigkeit sei extrem hoch. Die Losung laute «kein Abschluss ohne Anschluss».

Er nannte die Berufsmaturität mit Zugang zu den Fachhochschulen oder die berufsbegleitende Höhere Berufsbildung. Mittlerweile gebe es 450 eidgenössisch anerkannte Abschlüsse der Höheren Berufsbildung. Zudem widersprach Strahm der Auffassung, dass der Fachkräftemangel eine Folge der tiefen Maturitätsquote sei. «Nein, wir haben nicht generell zu wenig Akademiker, sondern der Fachkräftemangel ist hausgemacht.»

So gründe etwa der Ärztemangel im Numerus clausus, es werden schlichtweg zu wenig Ärzte ausgebildet. Oder der Mangel an Pflegepersonal sei die Folge einer jahrelangen Vernachlässigung in der Spitalausbildung. «Und wir haben zu wenig Fachkräfte in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik wegen der Sprachlastigkeit der Gymnasien.» Für Strahm ist deshalb klar: Wirtschaftspolitik heisst Bildungspolitik und umgekehrt.» (FS)

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