Oberbipp
Raum und Form ist doch alles – zu Besuch im Atelierhaus von Carlo Borer

Das Haus der Kunst St. Josef Solothurn und Künstler Carlo Borer laden zur Buchvernissage in seinem Atelier-Haus in Oberbipp ein.

Fränzi Zwahlen-Saner
Drucken
Teilen
Zu Besuch bei Künstler Carlo Borer
22 Bilder
Künstler Carlo Borer inmitten seiner Objekte
Blick in die Werkhalle
Blick in die Werkhalle
Blick in die Werkstatt
Borer arbeitet mit den verschiedensten Werkzeugen
Der Lagerraum
Blick in den Ausstellungsraum
Blick in den Ausstellungsraum
Eine Mischung von Ausstellungs- und Wohnbereich
Eine Mischung von Ausstellungs- und Wohnbereich
Eine Mischung von Ausstellungs- und Wohnbereich
Capsule 2 im Fotostudio
NoReadymades
Meteor 1 White
Meteor 1 Black
Die Aussenfassade wurde einer Mondlandschaft nachempfunden
Chromstahl-Objekte auf dem Gelände von Borers Haus
Chromstahl-Objekte auf dem Gelände von Borers Haus
Chromstahl-Objekte auf dem Gelände von Borers Haus
Chromstahl-Objekte auf dem Gelände von Borers Haus
Chromstahl-Objekte auf dem Gelände von Borers Haus

Zu Besuch bei Künstler Carlo Borer

Hanspeter Bärtschi

Zwölf Jahre der Arbeit des Solothurn-oberaargauischen Künstlers Carlo Borer, von 2004 bis 2016, ist in einem soeben erschienenen Buch zu bewundern. Ausgangspunkt für diese Publikation sei seine Idee gewesen, seine Objekte in der Natur, vor allem in Wäldern, zu fotografieren, erzählt Borer.

Im Buch findet sich aber viel mehr. Borers vielseitiges künstlerisches Schaffen der vergangenen zwölf Jahre ist nachvollziehbar. Es sind Objekte, die zuerst im virtuellen Raum entstehen und die der Künstler dann in perfektem handwerklichem Können in der Realität umsetzt: die bekannten grossen Loops – Verschlingungen aus Edelstahl; die sogenannten Clouds – Edelstahlgebilde wie Wolken; Spaceships – Rundformen aus Kupferblech.

Oder die «No ReadyMades» – formvollendete, vermeintliche «Gebrauchsgegenstände», deren Einsatz beim Betrachten logisch und verlockend erscheinen, aber deren Verwendung immer unklar bleibt. Darüber hinaus seine Mega-Installationen «Breath» und «White Heart». Dazu sind im Buch Texte von Kunsthistorikern und dem Künstler selbst nachzulesen.

Ganz ins Absurde gedreht

Borer, der Formenschöpfer, sagt: «Ich liebe es, Gegenstände zu schaffen, die in der Schwebe bleiben. Um die gewollte Ambivalenz zu erreichen, müssen sie formvollendet und handwerklich präzise geschaffen sein.» Seine neueste Schöpfung «Capsule»: Ein Gebilde, dessen Form zwischen einem Raumschiff und einem Rennwagen aus dem Sechzigerjahren pendelt. Der Körper wird von einem dicken Reifenprofil umrahmt und ist völlig mit Bitumen bedeckt.

Verschiedene Kabel und Anschlüsse verlassen den Körper. Das Objekt steht auf Böcken wie in einer Garage: Ist es Studien- oder Testobjekt, oder zur Reparatur da? Es bleibt ein Rätsel. Borer benutzt für seine Werke Materialien, die auch für Hightech-Produkte verwendet werden. Er nutzt auch dieselbe Formensprache, verfremdet sie aber, verdreht sie ins Absurde. So stellt er unsere Technologie und deren Auswüchse, aber auch unsere Sehweise infrage.

Mondkrater an der Fassade

Morgen Sonntag, anlässlich der Buchpräsentation, stellt Borer zum ersten Mal der Öffentlichkeit sein Atelier-Wohnhaus in Oberbipp vor. Seit zwei Jahren lebt und arbeitet der Künstler auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei an der Oltenstrasse zwischen Hauptstrasse und asm-Bahn gelegen.

Doch was der Künstler hier mittels seiner selbst projektierten Wohnhaus-Architektur und mit seinen Skulpturen geschaffen hat, verblüfft. Von der Oltenstrasse her sind zwei kubusartige Häuser, eines als Wohnhaus, das andere als Werkstatt, zu erkennen. Dazwischen steht der alte Mammutbaum, der die Bauphase überstanden hat. Betrachtet man dann aber von der Südseite her das Grundstück, so ist erkennbar, dass beide Gebäude «unterirdisch» miteinander verbunden sind. Dies belegt: Hier lebt, arbeitet und stellt der Künstler aus.

Besonders ins Auge sticht der scheinbar schwebende Betonkubus des Wohnbereichs, dessen Fassaden-Struktur an eine Mondoberfläche erinnert. Tatsächlich hat Borer dazu Nasa-Daten der Mondoberfläche originalgetreu in die Betonfläche «gefräst». Je nach Lichteinfall zeichnet sich deutlich die Kraterlandschaft ab.

Einen Traum erfüllt

Der Wohntrakt ist in einen Ausstellungsteil und einen privaten Teil gegliedert; im Werkstattteil sind Montageraum, Lager und Räume für die verschiedenen Fabrikationsschritte der Objekte zu finden. Rund sieben Jahre lang habe er das passende Grundstück gesucht, erzählt Borer, der früher in Wanzwil lebte und arbeitete. «Mit dem Bau in Oberbipp habe ich mir einen Traum erfüllt.»

Buchvernissage ist am Sonntag, 23. April, von 14 bis 17 Uhr, im Atelierhaus Carlo Borer, Oltenstrasse 24, 4538 Oberbipp. Musik mit «The 2 of us».
Buch: Carlo Borer «Transformers Clouds and Spaceships», Bielefeld, Kerber Verlag, 192 S. ill.

Momentan ist Borers Grossinstallation «White Heart» in der Gruppen-Ausstellung «Metamorfosi» im Museo d’Arte in Mendrisio zu sehen.

Aktuelle Nachrichten