Park Innovaare
Schnee, Regen, Pandemie – allen Widrigkeiten zum Trotz feiert der Innovationscampus pünktlich Aufrichte

Der Park Innovaare feierte am Freitag Aufrichte. Nur zwei Jahre nach dem Spatenstich und trotz zahlreicher Herausforderungen. Aber weder Pandemie, Schnee oder Preis­explosionen der Rohstoffe konnte das Leuchtturmprojekt aufhalten.

Sébastian Lavoyer
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Am Freitag, 24. September, feiert der Park Innovaare das Aufrichtefest in Villigen.

Am Freitag, 24. September, feiert der Park Innovaare das Aufrichtefest in Villigen.

Alex Spichale / AGR

Noch ist das Rednerpult leer, aber langsam strömen die geladenen Gäste von draussen ins Innere. Stimmengewirr, Festbänke, beleuchtete Betonpfeiler – der Park Innovaare in Villigen feiert am Freitag Aufrichte, keine zwei Jahre nach dem Spatenstich im November 2019. Die Gebäudehülle ist geschlossen, doch fertig ist der Bau noch lange nicht. Das soll im Frühjahr 2023 der Fall sein, wenn alles nach Plan läuft. Im Herbst 2023 dann soll der Innovationscampus offiziell eröffnet werden.

Volkswirtschaftsdirektor Dieter Egli hielt die Eröffnungsrede beim Aufrichtefest des Park Innovaare.

Volkswirtschaftsdirektor Dieter Egli hielt die Eröffnungsrede beim Aufrichtefest des Park Innovaare.

Alex Spichale / AGR

Dass noch gearbeitet wird, erfährt auch Regierungsrat Dieter Egli. «Es ist eine grosse Freude heute hier mit ihnen zu feiern», sagt er. Dann ertönt das schrille Geräusch eines Bohrers. Egli cool: «Wie man hört, sind nicht alle Bauarbeiter am Feiern.» An einem Bau, der mehr sein soll als Beton. Auf über 30000 Quadratmetern soll hier dereinst die Zukunft geformt werden. Neben rund 450 Mitarbeitenden des Paul Scherrer Institus (PSI), die hier einziehen werden, will man Hightech-Firmen angelockt werden. Das verspricht zukunftsfähige Arbeitsplätze, was Volkswirtschaftsdirektor Egli freut.

Brönnimann:« Das ist ein Leuchtturmprojekt, das international ausstrahlt»

Das Projekt hat eine lange Geschichte. 2014 bewarben sich Kanton und PSI erfolgreich als Netzwerkstandort des nationalen Innovationsparks (einer von insgesamt sechs schweizweit). Anfang 2019 hatte man die Baubewilligung, Mitte desselben Jahres konnte man die Coop-Pensionskasse als Investor für das 150-Millionen-Franken-Projekt gewinnen. Wenige Monate später folgte der Spatenstich.

Christian Brönnimann, Verwaltungsratspräsident innovAARE AG.

Christian Brönnimann, Verwaltungsratspräsident innovAARE AG.

Alex Spichale / AGR

Ziel ist es, Wissenschaft und Wirtschaft zu vernetzen, den Austausch zu fördern. Christian Brönnimann, Verwaltungsratspräsident der Innovaare AG, sagte: «Das ist ein Leuchtturmprojekt, das national und international ausstrahlen wird. Wenn die Schweiz offen bleibt.»

Dass an diesem Freitag rund 250 geladene Gäste im fertig aufgerichteten, rund 30 Meter hohen Hauptgebäude des Innovationscampus’ versammelt sind und feiern, ist einer Parforce-Leistung aller Involvierten zu verdanken. Insbesondere der für den Bau verantwortlichen Erne AG. Erst die kurze Planungszeit (Mitte 2019 bis Ende 2019) und dann die bis dahin unvorstellbare Pandemie – Hürde um Hürde galt es zu überspringen.

Daniel Leber, Gesamtprojektleiter des Innovationscampus seitens der Erne AG Holzbau.

Daniel Leber, Gesamtprojektleiter des Innovationscampus seitens der Erne AG Holzbau.

Alex Spichale / AGR

Gesamtprojektleiter Daniel Leber sagt: «Nach dem Lockdown kamen die Schneeflocken. Wir mussten den Bau stoppen. Kaum wieder gestartet, regnete es so stark, dass wir die PSI-Feuerwehr anfordern mussten, damit sie die Baustelle frei pumpen konnte.» Und als man dann dachte, die Pandemie sei vorbei, setzten die Nachwehen ein. Es kam zu Lieferverzögerungen und Preisexplosionen. «Damit hat niemand gerechnet, wir wurden alle auf dem falschen Fuss erwischt», sagt Leber.

Deshalb investiert die Coop-Pensionskasse

Allen Widrigkeiten zum Trotz konnte man sämtliche Termine einhalten. Und die Herausforderungen waren zahlreich. Leber: «Die Stahlpreise sind um über 70 Prozent gestiegen, beim Aluminium war es ähnlich und beim Kupfer sogar noch schlimmer.» Auch das Holz, das dereinst die Fassade zieren soll und aus dem das Dach gebaut wird, wurde zur Herausforderung. «Wir haben zum doppelten Preis einkaufen müssen», sagt Leber. Dies vor allem, weil die Holz-Nachfrage aus den USA nach Europa überschwappte, nachdem die Holz-Versorgung der Amerikaner vom Handelsstreit mit Kanada beeinträchtigt worden war.

Dass trotz steigender Materialpreise die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, darauf achtete Danilo Zampieri, der Leiter Immobilien und Mitglied bei der Coop-Pensionskasse. Ansonsten habe man sich als Investor aber vornehm zurückgehalten.Zampieri sagte:

«Bei unseren anderen Projekten sind wir sehr aktive Bauherren, hier sind wir doch eher passiv.»
Ein Drohnenbild von Anfang Oktober 2020.REchts im Bild die Synchroton Lichtquelle Schweiz (SLS).

Ein Drohnenbild von Anfang Oktober 2020.REchts im Bild die Synchroton Lichtquelle Schweiz (SLS).

Otro Agency / Aargauer Zeitung

Normalerweise investieren institutionelle Anleger auch viel eher in Wohnimmobilien. Aber die Ausweitung der Geldmenge und die tiefen Zinsen haben dazu geführt, dass alle in Immobilien investieren wollten. Die Coop-Pensionskasse brauchte eine Alternative. Sie fand diese im Innovationscampus.

Dabei sei es nicht einfach gewesen, die Basler Kollegen in der Geschäftsleitung vom Standort zwischen Villigen und Böttstein in der Aargauer Pampa zu überzeugen, gesteht Zampieri. Das wichtigste Argument: «Die Nähe zum PSI und das Wissen, dass dieses auch Hauptnutzer wird», so Zampieri. Das internationale Renommee des ETH-Forschungszentrums half zusätzlich. Und 2023 wird erst die erste Etappe des Baus fertig, da kann einiges gedeihen.

Doch an diesem Freitag wird gefeiert. Da stehen Bauarbeiter vor Forschern und Wirtschaftsführern in der Schlange und warten auf Bratwurst und Bier, während Jazz aus den Boxen tönt und die September-Sonne langsam hinter den Hügeln verschwindet.

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