Palliative Care
«Aufgeben kommt nicht infrage»: 350'000 Franken fehlen dem Sterbehospiz zur Betriebsbewilligung

Der Verein Sterbehospiz Solothurn muss eine Million Franken aufbringen. Nun ist mit der Kirchgemeinde Wasseramt ein wichtiger Partner auf dem Absprung.

Ann-Kathrin Amstutz
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Aus dem ehemaligen Pfarrhaus in Derendingen könnte ein Sterbehospiz werden.

Aus dem ehemaligen Pfarrhaus in Derendingen könnte ein Sterbehospiz werden.

Hans Peter Schläfli / Solothurner Zeitung

Es ist ein herber Rückschlag für den Verein Sterbehospiz Solothurn. Der Antrag auf eine provisorische Betriebsbewilligung für das erste Sterbehospiz im Kanton wurde vom Amt für soziale Sicherheit abgelehnt. Der Grund: Es fehlen 350'000 Franken, um die Betriebskosten für das Hospiz über drei Jahre abzudecken.

Und nun stellt auch die am Projekt beteiligte reformierte Kirchgemeinde Wasseramt ein Ultimatum, wie sie in einer Medienmitteilung erklärt. Im Dezember hat die Kirchgemeinde einen Kredit von 460'000 Franken bewilligt, um das leerstehende Derendinger Pfarrhaus in ein Sterbehospiz umzubauen. Doch nur unter der Bedingung, dass eine provisorische Betriebsbewilligung vom Kanton vorliegt.

Um diese einzuholen, hat der Verein bis Ende April Zeit. Schafft er das nicht, will sich die Kirchgemeinde Wasseramt aus dem Projekt zurückziehen. «Das wäre sehr schade», sagt Bruno Greusing vom Vorstand des Vereins Sterbehospiz. In Bezug auf die Liegenschaft würde es bedeuten: zurück auf Feld eins.

«Wir waren noch nie so nahe an einer Eröffnung»

Eine Bewilligung vom Kanton gibt es nur, wenn die Finanzierung des Hospizes über drei Jahre gesichert ist. Das bedeutet: Der Verein Sterbehospiz muss im Voraus eine Million Franken aufbringen. Davon sind zwei Drittel schon beisammen. «Alleine in den letzten drei Monaten sind Spenden über rund 350'000 Franken eingegangen», erklärt Greusing. Das zeige doch, wie viel Unterstützung das Projekt geniesse. Aufgeben kommt denn auch nicht infrage, so Greusing: «Wir waren noch nie so nahe an einer Eröffnung.»

Aktuell finanziert sich der Verein Sterbehospiz allein durch Spenden von Stiftungen und Privatpersonen. Finanzielle Unterstützung von der öffentlichen Hand gibt es keine. Dabei ist für Bruno Greusing klar: Die palliative Begleitung von betagten und schwer kranken Menschen gehört zur Aufgabe der Politik. Er sagt:

«Es braucht einen Ort, wo die Leute würdevoll sterben können.»

2016 habe der Bundesrat die Kantone diesbezüglich in die Pflicht genommen: «Nun braucht es mutige Entscheide, um dies umzusetzen.» Bald bietet sich die Gelegenheit, seinen Wunsch direkt auf der politischen Ebene anzubringen: In den nächsten Tagen steht eine Aussprache zwischen Verein, Regierungsrat und Kirchgemeinde an.