«so-freiwillig-engagiert»
Neue Plattform vermittelt Bürger, die Asylbewerbern helfen wollen

Der Kanton Solothurn hat eine Plattform initiiert, die Unterstützung durch Private für Asylsuchende vermittelt. Die Fachstelle «Freiwillig engagiert im Asyl- und Flüchtlingsbereich» berät, begleitet und leitet weiter.

Elisabeth Seifert
Drucken
Teilen
Eines von vielen möglichen Beispielen: Ein Freiwilliger hilft bei den Hausaufgaben. Symbolbild/az

Eines von vielen möglichen Beispielen: Ein Freiwilliger hilft bei den Hausaufgaben. Symbolbild/az

Mario Heller

Das Telefon wollte nicht aufhören, zu klingeln. Im letzten Hochsommer und bis weit in den Herbst hinein. Die TV-Bilder der Männer, Frauen und Kinder, die vor dem Kriegs-Elend in ihrer Heimat nach Europa flüchteten, liessen viele engagierte Bürgerinnen und Bürger nicht mehr los. Auch nicht im Kanton Solothurn.

Sie meldeten sich bei der kantonalen Verwaltung und boten ihre Hilfe an. «Wir wurden von diesen vielen Anfragen regelrecht überrumpelt», sagte Anne Birk, Projektleiterin im Amt für soziale Sicherheit (ASO). «Alle wollten etwas machen, um das Flüchtlingselend zu lindern.» Und viele wollen das immer noch.

In den letzten Monaten haben deshalb die Verantwortlichen im Amt für soziale Sicherheit eine Plattform geschaffen, die als Anlauf- und Vermittlungsstelle für freiwillige Helferinnen und Helfer dient.

Per sofort werden sie von der Fachstelle «Freiwillig engagiert im Asyl- und Flüchtlingsbereich» beraten, begleitet und an die zuständigen Fachpersonen weitergeleitet. Dies teilte der Kanton am Donnerstag mit. Sämtliche Kontaktdaten finden Interessierte auf der Website www.so-freiwillig-engagiert.ch. Betrieben wird die Fachstelle im Auftrag des Kantons durch das Schweizerische Rote Kreuz des Kantons Solothurn.

Ausflüge und Hausaufgabenhilfe

«Wir möchten das Engagement der Bürger nutzen und nicht einfach verpuffen lassen», erläuterte ASO-Projektleiterin Anne Birk die Initiative des Kantons. Die öffentlichen Stellen kämen zudem bei der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen zunehmend an ihre Grenzen.

Den Freiwilligen sei vor allem die Aufgabe zugedacht, Asylsuchenden und Flüchtlingen bei der sozialen und sprachlichen Integration zu helfen, betont Anne Birk. Dies können zum Beispiel gemeinsame Ausflüge sein, Deutschkurse oder auch die Unterstützung bei Hausaufgaben. Neben solch niederschwelligen Hilfeleistungen berät die Fachstelle aber auch Freiwillige, die Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich als Mentor oder Mentorin über einen längeren Zeitraum hinweg begleiten möchten. Und schliesslich können sich Personen melden, die als Gastfamilie Asylsuchende, die mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Schweiz bleiben können, für eine längere Zeit bei sich aufnehmen wollen.

Die neu geschaffene Fachstelle richtet sich neben Privaten auch an Organisationen, hält Anne Birk fest. Angesprochen sind etwa die sozialen Dienste, die bei der Tagesstruktur für Asylsuchende oder auch bei Deutschkursen auf zusätzliche Hilfe angewiesen sind. Bei der Fachstelle kann sich ausnahmslos jeder melden, der einen Beitrag leisten möchte. Egal, ob er oder sie bereits eine konkrete Vorstellung hat oder eben nicht. «Die Verantwortlichen vermitteln passende Freiwilligenprojekte oder helfen bei der Umsetzung eigener Ideen.» Eine Plattform, die sich als Drehscheibe für sämtliche Freiwilligen-Projekte im Asylbereich versteht, dürfte, so Anne Birk, schweizweit einzigartig sein.

Gesucht: Männliche Mentoren

Freiwillige, die sich für ein längerfristiges Engagement als Mentor oder Mentorin interessieren, werden nach einer ersten Überprüfung der persönlichen Motivation an die Caritas Solothurn weitergeleitet. «Unser Fokus liegt besonders bei der Begleitung männlicher Asylsuchender», unterstreicht Anne Birk. Der Verlust von Status und Anerkennung erschwere oft die Integration, so ihre Beobachtung. Männliche Mentoren könnten als Vorbilder einen wichtigen Beitrag leisten, um männlichen Asylsuchenden den Weg in die Gesellschaft zu ebnen.

Das Mentoring-Projekt und auch die längere Begleitung innerhalb einer Gastfamilie ermöglichen eine «nachhaltige Integration und verstärken die Vernetzung mit der hiesiegen Gesellschaft», betont die Fachfrau im ASO. Die Federführung beim Projekt «Gastfamilie» liegt bei der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, die in diversen Kantonen Erfahrungen damit gesammelt hat. In Solothurn gab es laut Anne Birk bisher 12 Anfragen von Einzelpersonen oder Familien. «Nach ersten Gesprächen werden derzeit fünf dieser Anfrage durch die Flüchtlingshilfe genauer abgeklärt.» Im Rahmen der Sozialhilfe zahlen die Asylsuchenden eine Miete für den Wohnraum.

Das gesamte Projekt, das der Kanton vorderhand auf zwei Jahre befristet hat, kostet für diese Zeitspanne 315'000 Franken. Die Finanzierung erfolgt über den Asylfonds. Nach der zweijährigen Aufbauphase durch das Rote Kreuz soll die Plattform dann von Benevol weiterbetrieben werden, der kantonalen Beratungsstelle für Freiwilligenarbeit.

Aktuelle Nachrichten