Am Morgen des 21. November 2018 versammelten sich über 130 Tierschutz-Aktivisten der Organisation «269 Libération animale» zu einer Protestaktion bei Bell. Sie besetzten den Bereich des Schlachthofs, wo Rinder zur Schlachtung angeliefert werden. Diese Aktion löste einen mehrstündigen Polizeieinsatz aus. Nachdem die Personen durch die Polizei vom Gelände geführt werden mussten – erst um 20 Uhr war die Räumung beendet –, wurden sie befragt und aus der polizeilichen Kontrolle entlassen. 

Die Strafuntersuchungen sind nun betreffend den grössten Teil der beschuldigten
Personen abgeschlossen, wie die Solothurner Staatsanwaltschaft mitteilt. Sie habe diese Woche mehr als hundert Strafbefehle wegen Nötigung, Hausfriedensbruchs sowie Hinderung
einer Amtshandlung erlassen. 125 an der Zahl sind es genau. Die höchst mögliche Strafe geht an die Organisatoren und umfasst laut TeleM1 180 Tagessätze. Für die anderen Aktivisten wurden Strafen um die 160 Tagessätze verfügt.

Demo gegen Bell: 125 Aktivisten bekommen Post

Demo gegen Bell: 125 Aktivisten bekommen Post

Letzten November kam es beim Bell in Oensingen bei einer Demo zu wüsten Szenen. Jetzt bekommen 125 Aktivisten einen Strafbefehl.

Den Beschuldigten wird vorgeworfen, sich mit mitgebrachten Ketten und Rohrmaterial an Geländer und aneinander gefesselt zu haben, weshalb der Fleischverarbeitungsbetrieb eingestellt und Lieferungen umgeleitet werden mussten. Die Protestierenden liessen ein vom Betrieb gestelltes Ultimatum zum Verlassen des Geländes ungenutzt verstreichen. Zudem leisteten sie bei der anschliessenden Räumung des Areals durch die Polizei Widerstand. 

Tierschützer blockieren Bell-Schlachthof

Tierschützer blockieren Bell-Schlachthof (21.November 2018)

Über 100 radikale Tierschützer besetzten heute das Firmengebäude des Fleischverarbeiters Bell in Oensingen und legten den Betrieb zum grossen Teil lahm.

«Unter den beschuldigten Personen befinden sich Männer und Frauen im Alter zwischen 19 und 69 Jahren», schreibt die Staatsanwaltschaft. Sie seien in der Schweiz, Belgien, Italien, Frankreich und Spanien wohnhaft.

Gegen die Strafbefehle kann innerhalb von 10 Tagen nach Zustellung Einsprache erhoben werden. Bis zum rechtskräftigen Abschluss der Verfahren gilt für die beschuldigten Personen die Unschuldsvermutung.

Schadenersatz einklagen?

Die Aktion kostete den Fleischverarbeiter rund 100'000 Franken. Ob Bell auf dem Zivilweg Schadenersatzklagen einreichen wird, ist noch nicht bekannt. Der Fleischverarbeiter will keine Stellung nehmen, solange die Strafbefehle der Staatsanwaltschaft noch nicht rechtskräftig sind, teilt er auf Anfrage mit. Je nach Abschluss des Verfahrens behalte man sich weitere rechtliche Schritte vor. (mgt/ldu/lfl)

Wegen Tierschützern: Bell baut Sicherheit in Oensingen aus

Wegen Tierschützern: Bell baut Sicherheit in Oensingen aus

100'000 Franken hat die Ankettungsaktion im November 2018 den Fleischverarbeiter gekostet. Jetzt wird in die Schlachthof-Sicherheit investiert.