Auf ein Bier mit...
Murtenläufer Roland Heim setzt zum Endspurt an

Der Gitarre spielende und trommelnde Regierungsratskandidat Roland Heim (CVP) sieht sich als Teamplayer. Er hat grossen Respekt vor der Aufgabe des Regierungsrats. Eine Nicht-Wahl würde ihn nicht aus der Bahn werfen.

Theodor Eckert
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Roland Heim während des Gesprächs mit Chefredaktor Theodor Eckert.

Roland Heim während des Gesprächs mit Chefredaktor Theodor Eckert.

Hanspeter Bärtschi

Beschwingt steigt er vom Velo und setzt zu einer freundlichen Begrüssung an. Er wirkt zwar fit, doch an einen Modellathleten erinnert er nicht auf Anhieb. Muss er auch nicht mehr mit seinen 57 Jahren. Wie sich noch zeigen wird, ist er allerdings weit sportlicher als vermutet – auch wenn es nun zum Bier geht.

Wir treffen Roland Heim im Zunfthaus Wirthen in Solothurn. Nein, eine eigentliche Stammbeiz habe er nicht, erklärt er, als es um den Treffpunkt geht. «Wirthen» sei aber gut, es handle sich schliesslich um das Stammlokal seiner Tambouren. Das hört sich schon mal interessant an: ein Gitarre spielender CVP-Politiker, der gleichzeitig auch noch Spass am «Drummele» hat. Nach dem ersten grossen Schluck Gerstensaft erfahren wir dann, dass er die Gitarre nach einer beinahe dreissig Jahre dauernden schöpferischen Pause erst vor fünf Jahren wieder aus dem Schrank genommen habe. Und noch eine Insiderinformation: Das Spiel mit der Trommel habe sich enorm entwickelt. Es sei viel dynamischer geworden und tendiere mittlerweile Richtung Schlagzeugspielen. «Die älteren Semester tun sich mit der veränderten Schlagtechnik nicht selten schwer», doziert der Kantonsschullehrer.

Respekt vor der Aufgabe

Ob es denn wenigstens noch zum Zusammentrommeln eines ganzen Departements reiche, wollen wir wissen. Heim schmunzelt. Auf die Frage nach der Bedeutung des Amtes und was denn einen guten Regierungsrat ausmache, wirkt er gleich wieder ernst. Er habe sehr grossen Respekt vor dieser Aufgabe. Heim sieht sich als Teamplayer und wünscht sich ein harmonierendes Gremium, das über genügend Zeit zum Gedankenaustausch sowie Raum zum Reflektieren verfügt. Aus seinen Schilderungen geht hervor, dass sein Bild stark geprägt ist von Regierungsräten früherer Tage, als Exekutivpolitiker noch eigentliche Respektspersonen waren. Deshalb habe er sich vor dem Nominationsverfahren ernsthaft die Frage gestellt, ob er dieser Aufgabe gewachsen sei. Gleichzeitig habe er verschiedene Gespräche geführt, nicht zuletzt mit seinem jetzigen Arbeitgeber. Schliesslich sollte die Schule unter seinen politischen Ambitionen nicht leiden. Das sei dann auch reibungslos aneinander vorbeigegangen.

Wie die anderen Kandidaten bezeichnet Heim den Wahlkampf als zeitintensiv und anspruchsvoll. Davon sei er jedoch ausgegangen, klagen mag er überhaupt nicht. Schnell verweist er auf die vielen hilfreichen Geister innerhalb der Partei. Deren Leistungen könne man nicht hoch genug einstufen. Oft habe er fast ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn er bei einem liebevoll gestalteten Stand nur kurz verweilen konnte, weil bereits der nächste Termin rief. Und dort, Roland Heim, wartet bereits der andere Roland, der Parteikollege und Konkurrent, welcher von der Wirtschaft, dem Gewerbe auffällig stark gefördert wird?

«Ich bin sozialen Fragen gegenüber aufgeschlossen»

Wie lebt es sich damit, wenn man selber über Wirtschaftskompetenz verfügt, dies aber nicht honoriert wird? Heim gibt sich gelassen. Wer das Abstimmungsverhalten von Roland H. und Roland F. vergleiche, stelle keine fundamentalen Unterschiede fest. Die angesprochene Positionierung sei absehbar gewesen. Er wisse seine Trümpfe schon auszuspielen. Als linker CVPler? «Ach woher denn. Spreche ich mit meinen Brüdern darüber, lachen die laut heraus, wenn man mir dieses Etikett anhängen will». Für den Stadtsolothurner ist klar, woher die Einschätzung kommt: «Ich bin sozialen Fragen gegenüber aufgeschlossen, durchaus ein CVP-Thema.» Er fühle sich sehr wohl in dieser Partei. Einer Partei, die es zulasse, dass man zu Sachfragen unterschiedliche Positionen habe.

Roland Heim ist ein unterhaltsamer Tischnachbar. Er erzählt von seinen positiven Erlebnissen während der vielen Wahlkampf-Auftritte. Den Kollegen, die ihn herumchauffiert haben. Seiner Frau, seiner Familie, die ihm vorbehaltlos den Rücken stärken. Erwähnt seinen 92-jährigen Vater, der ihn auf falsch oder schlecht platzierte Wahlplakate aufmerksam gemacht hat. Spricht über die Schüler, die seinen Wechsel in die Regierung bedauern würden. Doch halt, wie wäre es, wenn es nach dem grossen Aufwand letztlich doch nicht klappen würde, er das überzählige Rad am Wagen wäre? Man nimmt Heim ab, wenn er ausführt, dass ihn die Niederlage nicht aus der Bahn werfen würde. Selbstverständlich würde er äusserst gerne zwei Amtsperioden in der Regierung mitwirken, ansonsten habe er einen tollen Beruf, der ihm immer viel Befriedigung gebe. Doch daran denke er vor dem 14. April nicht weiter nach. Schmunzelnd fügt er ironisch hinzu: Wenn er sich nicht täusche, habe die CVP einen Sitz auf sicher.

Zurück zum Sport, wie ist das jetzt genau? Roland Heim entpuppt sich als leidenschaftlicher Läufer. Früher Mittelstrecken auf der Bahn, heute noch immer regelmässig am Murtenlauf anzutreffen. Inzwischen steht seine 33. Austragung an. Das Training habe während der vergangenen Monate gelitten. Etwas nachholen steht am Wahlsonntag an: Er will um 6 Uhr in der Früh zusammen mit Wahlhelfern die Plakate einsammeln gehen. Wer weiss, vielleicht holt er dabei den künftigen Regierungsrat Roland Heim von den Kandelabern herunter.

Bereits erschienen: Auf ein Bier mit . . . Remo Ankli (FDP, Beinwil), 3. April; Brigit Wyss (Grüne, Solothurn), 4. April.

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