Fremdenfeindlich
Mümliswiler enttäuscht über Flyer-Aktion: «Es war eine Gruppe ganz junger Männer»

Nach dem Auftauchen eines rassistisch aufgeladenen Flugblattes an der Mümliswiler Fasnacht liegen die Nerven blank. Ein kleines Stimmungsbild aus dem Dorf.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Der Mümliswiler Fasnachtsumzug nimmt das Motto «Ursprung – 1291» auf. Auch nicht ganz ohne, wie die «Hinger- Hüsler» damit umgehen.

Der Mümliswiler Fasnachtsumzug nimmt das Motto «Ursprung – 1291» auf. Auch nicht ganz ohne, wie die «Hinger- Hüsler» damit umgehen.

Monika Kammermann

Das Flugblatt der Fasnachtsgruppe «Spastrim Clean», welches am vergangenen Fasnachtssamstag in Mümliswil am Maskenball verteilt wurde ist einfach nur geschmacklos und hat mit Humor an der Fasnacht nichts zu tun. Wer einigermassen bei klarem Verstand ist, dem müssten beim Lesen seine sämtlichen Alarmglocken geschrillt haben. Solche pauschalen Verunglimpfungen ganzer Volksgruppen sind nicht nur dumm – sie sind nach unserer Gesetzgebung auch strafrechtlich relevant.

Dies, auch wenn sie an der Fasnacht verbreitet wurden. Denn an der Fasnacht ist nicht einfach alles erlaubt. Hört man sich etwas in Mümliswil um, erntet man Kopfschütteln und Wut über die (noch) unbekannte Narrengruppe. Namen werden zwar genannt; es sind aber alles Gerüchte. «Es war eine Gruppe ganz junger Männer, die sich mit weissen Ganzkörperhüllen verkleideten, ähnlich wie sie Forensiker bei ihrer Arbeit anziehen. Sie mischten sich unter die Fasnächtler und verbreiteten ihr übles Pamphlet», sagt eine Beobachterin.

Es sei ja nicht einmal erwiesen, dass das wirklich Mümliswiler gewesen sind, meinte ein anderer Einheimischer. Man ist enttäuscht, dass die ganze Schweiz jetzt so negativ über die einstige Solothurner Fasnachtshochburg Mümliswil denkt und schreibt, denn die Kommentarspalten vieler Medien quellen über. Dabei hätte man doch nach den ewigen Schlussrangierungen im jährlichen Städteranking positive Publicity für Mümliswil bitter nötig.

Allerdings muss sich das Mümliswiler Fasnachtskomitee GFK eine Frage gefallen lassen. Hat man mit dem Motto «Ursprung – 1291» solche Fasnachtsentgleisungen nicht angeheizt? In einem Schreiben an alle Mümliswiler Haushalte, in dem man um finanzielle Unterstützung bittet, beruft man sich auf den Inhalt des Bundesbriefes und argumentiert: «Es braucht allgemeingültige Regeln für das Zusammenleben und es braucht den gegenseitigen Beistand. Hingegen braucht es keine richterlichen Befugnisse von aussen für innerstaatliche Angelegenheiten.» Eine solche politisch durchtränkte Botschaft hat in einem Fasnachts-Bettelbrief nichts verloren.

«Ich bedaure»

Gemeindepräsident Kurt Bloch ärgert sich – zunächst aber über die Medien, die diese Geschichte seines Erachtens zu hoch kochen. «Man kann doch nicht jeden Kostümierten kontrollieren». Dennoch sagt er: «Ich bedauere den Vorfall. Das hat mit Fasnacht nichts zu tun». Eine Anzeige «gegen Unbekannt» wegen Verletzung der Anti-Rassismus-Strafnorm stehe nicht im Raum.

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