Auszeichnung

Medienpreis Aargau/Solothurn für zwei Solothurner Journalisten

Medienpreis Aargau/Solothurn mit v.l. Thomas Vogel (Preisträger Kategorie TV), Bähram Alagheband (Preisträger Radio),  Thomas Müller (Präsident Verein Medienpreis AG/SO), Hanspeter Bärtschi (Preisträger Kategorie Foto) und Lucien Fluri (Preisträger Kategorie Print).

Verleihung des Medienpreis Aargau/Solothurn.

Medienpreis Aargau/Solothurn mit v.l. Thomas Vogel (Preisträger Kategorie TV), Bähram Alagheband (Preisträger Radio), Thomas Müller (Präsident Verein Medienpreis AG/SO), Hanspeter Bärtschi (Preisträger Kategorie Foto) und Lucien Fluri (Preisträger Kategorie Print).

Der 17. Medienpreis Aargau/Solothurn geht an den Journalisten Lucien Fluri und den Fotografen Hanspeter Bärtschi von der Solothurner Zeitung sowie an den Radiojournalisten Bähram Alagheband und den TV-Journalisten Thomas Vogel von der SRG.

Der Journalist hat keinen einfachen Beruf. Heute weniger denn je. Zunehmende Konkurrenz, steigender Kostendruck und sinkender Personalbestand gehen nicht spurlos an den Redaktionen vorbei; die Arbeitsbelastung nimmt weiter zu. Darauf wies der Aargauer Landammann Urs Hofmann in seiner Rede an der gestrigen Verleihung des Medienpreises Aargau/Solothurn im Stadttheater Olten hin. Trotzdem: «Die Vorgesetzten sollen weiter in innovative Köpfe investieren.» Das heisse aber nicht nur auf das Handwerk setzen, sondern auch Raum schaffen für Kreativität. Hofmann warnte vor dem «Sofort-Journalismus», der mit den Online-Medien aufgekommen ist. «Lasst nicht zu, dass Geschwindigkeit auf Kosten von Qualität und Seriosität in den Vordergrund gerät», richtete er sich an rund 160 anwesende Journalisten und ihre Vorgesetzten.

«Um Qualität im Journalismus sicherzustellen, müssten auch die Chefredaktoren aktiver arbeiten», sagte der Jurypräsident Peter Schellenberg. Schliesslich sei Journalismus von ihm aus gesehen nur 10 Prozent Theorie und 90 Prozent On-the-job-Training. Und um den Medienpreis AG/SO zu gewinnen, muss man das Journalisten-Handwerk fest im Griff haben. Wie im Fall der diesjährigen vier Gewinner.

«Unerschrockenes Jungtalent»

In der Kategorie Print gewann aus 37 eingesandten Beiträgen die politisch brisante Artikel-Reihe «Vergabepraxis im Amt für Wirtschaft und Arbeit» des 31-jährigen Lucien Fluri, Kantonsredaktor der Solothurner Zeitung. Catherine Duttweiler, Fachjury-Leiterin Print bezeichnete ihn als «unerschrockenes Jungtalent» und lobte die wiederkehrenden Schwerpunkte in seiner Serie. Die Recherche sei zwar etappenweise erfolgt, beleuchtete jedoch mit der Zeit alle wichtigen Aspekte. «Diese Geschichte schlug vor allem im Kanton Solothurn hohe Wellen und brachte weitreichende, erfreuliche Folgen mit sich.»

Der junge Preisträger schätzte die Anerkennung sehr und bedankte sich für den Freiraum, aber auch die Unterstützung, die er von seinen Vorgesetzten erhalten habe. «Für mich war diese bis jetzt einer der aufwendigsten und spannendsten Geschichten», so Fluri. Der Preis sei eine Motivation, so weiter zu machen wie bisher.

«Unaufdringlich und doch nah»

Auch in der Kategorie Foto war die Solothurner Zeitung vertreten: Unter den elf eingesandten Beiträgen gewann zum dritten Mal in Folge eine Serie des Pressefotografen Hanspeter Bärtschi. «Mit den Fotos zum Thema ‹Bosch streicht definitiv 330 Scintilla-Jobs› schaffte er es, die Schwere und Agonie der Belegschaft einzufangen», sagte Emanuel Freudiger, Fachjury-Leiter Foto. «Unaufdringlich und doch nah.»

Hanspeter Bärtschi zeigte bei der Preisverleihung zwiespältige Gefühle. «330 Leute verlieren ihre Stelle, und ich gewinne einen Preis», so der Prämierte. «Dieser Auftrag war nicht ganz einfach für mich.» Ist das Voyeurismus? Respektlos? Inneren Widerstand habe er gespürt, sich aber schliesslich doch entschieden, die schlimmen Momente festzuhalten. «Ich wollte der Geschichte ein Gesicht geben; eine Geschichte mit Gesichtern erzählen», so Bärtschi. Für 180 Arbeiter sei seines Wissens mittlerweile eine Lösung gefunden worden. Die Zukunft von 150 sei jedoch noch offen.

«Halt einfach nur schön»

Einfach sei die Entscheidung in der Kategorie Radio nicht gewesen, so Vinzenz Wyss, Fachjury-Leiter Radio. Unter den 33 Beiträgen schaffte es schliesslich der Beitrag «Zivilcourage: Wie ein einfacher Bauer eine ganze Stadt gerettet hat», in dem Bähram Alagheband vom SRF Regionaljournal AG/SO die Geschichte des Solothurn-Retters Hans Roth erzählt. Wyss lobte die «schöne Vertonung» und die kreative Auswahl der O-Töne des Beitrags aus dem speziellen Genre des «Geschichtsjournalismus». Der Beitrag solle Radio-Journalisten inspirieren, mehr Geschichtsbeiträge zu produzieren. «Ich habe eigentlich nichts mit Geschichte am Hut», sagte Alagheband. Und in der Regel mache er auch mehr Tiefgründigeres. Sein Gewinnerbeitrag sei «halt einfach nur schön».

«Bisher schwierigste Geschichte»

Nur fünf Beiträge wurden in der Sparte TV eingesandt. «Die hervorragende Qualität des Gewinnerbeitrages hat uns aber sofort überzeugt», so Toni Zwyssig, Fachjury-Leiter TV. Mit der sorgfältigen Recherche, aber auch dem guten Umgang mit Nähe und Distanz und der Relevanz des Themas gewann Thomas Vogel, Redaktor der SRF Rundschau, mit dem Beitrag «Demenzkranke hinter Gittern». Eine Geschichte, die anhand der Erlebnisse seines nun verstorbenen Vaters eine aktuelle Problematik aufzeigt. «Das war die schwierigste Geschichte meines Lebens», sagte Thomas Vogel. Angefangen habe alles mit einem iPhone-Filmchen. Erst später entschied er sich – trotz ursprünglicher Skepsis seiner Kollegen –, eine richtige Geschichte daraus zu machen.

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