Andreas Schertenleib
Leonard Cohen schaut von oben zu

Andreas Schertenleib widmet sich in seinem neuen Einmann-Stück dem kanadischen Singer-Songwriter Leonard Cohen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Andreas Schertenleib nähert sich als «Übersetzer Engel» Leonard Cohen.

Andreas Schertenleib nähert sich als «Übersetzer Engel» Leonard Cohen.

Urs Amiet

Mit dem Cohen-Song «Bird on a Wire» (Vogel auf dem Draht) beginnt Schauspieler und Autor Andreas Schertenleib sein neues Einmann-Stück in Mundart «Mein Leonard Cohen». Er spielt den Übersetzer Gabriel Engel, der von seinem Verleger den Auftrag bekommen hat, Cohens Lieder und Texte zu übersetzen. Doch ist es überhaupt möglich, dessen Texte sinngerecht in eine andere Sprache zu übertragen? Und wer war denn eigentlich dieser Mann Leonard Cohen, der 2016 82-jährig starb? Was war so faszinierend an ihm?

Schertenleib alias Gabriel Engel sieht aus wie Cohen. Schwarze Kleidung, der Hut liegt bereit, zerlesene Bücher stapeln sich. Er gibt anhand von Episoden, Songs und Gedichten einen Abriss über Cohens Leben. Der 1934 geborene Singer-Songwriter kam in Montreal in einer jüdischen Familie zur Welt. Er strebte zunächst eine literarische Karriere an, was ihm auch teilweise gelang. Mit dem Roman «Beautiful Losers» schuf er einen Avantgarde-Erfolg in den sechziger Jahren. Und schon fragt sich der Übersetzer: «Soll man diesen Titel ins Deutsche übertragen oder nicht? Erstaunlich ist, dass so manche Zeile von Cohen in Mundart besser funktioniert, als im Hochdeutschen.

Ein paar Jahre lebte Cohen auf der griechischen Insel Hydra, wo auch einige seiner bekanntesten frühen Songs entstanden, wie das eingangs erwähnte «Bird on a Wire». Der Cohen-Übersetzer versetzt sich immer wieder in die Gefühlswelten des Songschreibers, versucht ihm nahe zu kommen: Wie er die Vögel auf dem Draht beobachtete, den Männern beim gemeinsamen Schwatz und Weintrinken zuschaut.

Geige – Gitarre, Tenor – Bass

Dann beginnt Engel auch Songs anzustimmen und begleitet sich nicht etwa auf der Gitarre wie Cohen, sondern zupft dazu die Geige. Ganz eigen interpretiert er die Lieder, denn er singt nicht mit der markanten brüchigen Bassstimme Cohens, sondern im Tenor (musikalische Beratung Rachel Maria Kessler und Schifer Schafer) in Englisch, übersetzt vorher, dazwischen oder hinterher.

Dann erzählt Engel – zwischen Faszination und Abscheu schwankend – von Cohens Verhältnis zu Frauen. «I’m your Man», da war sich der Kanadier immer sicher. Der Beste, Einzige, Grösste. Ob für Suzanne, Marianne und die vielen andern. Besonders auch für Janis Joplin, die er im Chelsea Hotel – darüber gibt es den Song «Chelsea Hotel No 2» – traf. Er schätzte die Frauen, die ihn weiter brachten, aber auch jene, die er nur benutzte, um sich dadurch als Mann zu fühlen. Übersetzer Engel hat im Gegenteil mit Frauen, insbesondere seiner eigenen, seine Schwierigkeiten, denn er ist verlassen worden. «Sie hat einen andern», sagt er nur.

Das stimme ihn depressiv und so ist er Cohen wieder sehr nahe, denn auch dieser litt zeitlebens an Depressionen, «dabei gibt es in meinem Leben nichts, um depressiv zu sein», schrieb er. Engel erzählt vom Zen-Kloster, wohin Cohen sich zurückzog und versuchte, Hilfe zu finden. Und schliesslich von den späteren Jahren, in denen er sich vermehrt der Religion, Gott zuwandte: «Ich gehe, wenn ich herausgefunden habe, was ich verlasse», zitiert er den Songschreiber, der allen Berufskollegen den Rat gibt: «Ein guter Song beinhaltet zehn bis zwölf Geschichten.»

Wer nun erwartet, an diesem Theater-Abend, bekannte Cohen-Songs zu hören und in Erinnerungen zu schwelgen, wird enttäuscht. Dafür versteht es Andreas Schertenleib, unter der Regie von Ueli Blum einen monumentalen, selbstsicheren und eigenständigen Künstler und Mann zu beschreiben.

Kreuz Kultur Solothurn heute Sa, 20.30 Uhr und So, 27. 5., 17 Uhr. Theaterbureau Gysi Märstetten 1. Juni 20 Uhr.

www.schertenleibundseele.ch

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