Mariastein
Kulturaustausch und Fondueplausch auf der Burg: Hier treffen sich junge Auslandschweizer

Ein multikulturelles Sommerlager der Stiftung für junge Auslandschweizer auf Burg «Rotberg»: Kontakte mit den «Wurzeln» inklusive.

Lara Enggist
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Erstmals im Leben eine Burg von innen gesehen: Die versammelten Lagerteilnehmer sind bei bester Laune.

Erstmals im Leben eine Burg von innen gesehen: Die versammelten Lagerteilnehmer sind bei bester Laune.

Auf einem Burghügel im Leimental thront sie: die Burg ‹Rotberg› mit ihren verwinkelten Treppen und dicken Burgmauern. Heute tafeln jedoch keine Ritter mehr, sondern meist Lagergruppen und Schulklassen im ritterlichen Speisesaal – zurzeit eine 53-köpfige Lagergruppe mit Kindern aus 13 verschiedenen Ländern.

Unbeschwerte Ferien

1917, mitten im Ersten Weltkrieg, wurde die Stiftung für junge Auslandschweizer (SJAS) gegründet. Das Ziel war es, Schweizer Kindern aus Kriegsgebieten unbeschwerte Ferien in der Schweiz zu ermöglichen, heisst es auf der Website der Stiftung. Auch noch 100 Jahre später finden in der ganzen Schweiz verteilt jährlich zehn Lager statt – eines dieser Lager dieses Jahr auf der Burg «Rotberg» in Mariastein. Kinder von elf bis vierzehn Jahren haben die Möglichkeit, eine Bindung zu ihrem Herkunftsland zu knüpfen und vor allem lernen sie Freunde aus Spanien, Kanada, der Elfenbeinküste und den Bahamas kennen.

Mittelalterliche Atmosphäre

Geschäftsführer und Lagerleiter Loïc Roth ist seit dem 24. Juni mit 42 Kindern, acht Leiter und zwei Köchen auf der Burg. «Einige Kinder aus den USA waren noch nie auf einer Burg», erzählt er schmunzelnd. Die mittelalterliche Kulisse sei bei der Planung direkt ins Lagerprogramm miteinbezogen worden. «Das Ambiente hier ist einmalig», erzählt Roth begeistert.

In den zwei Wochen werden zusammen Lieder gesungen und im Burghof gemeinsam Rösti und Fondue probiert. Die Gruppe sei oft im Wald und man hätte auch schon Wanderungen unternommen, um die Umgebung zu erkunden. Daneben gebe es immer wieder Tagesausflüge: nach Basel ins historische Museum oder in die Twannbach-Schlucht bei Biel. Zudem sei eine Schifffahrt auf dem Bielersee geplant, um die Schweiz von verschiedenen Seiten kennen zu lernen.

Und wie wird kommuniziert?

Miteinander geredet werde meist auf Englisch oder mit Händen und Füssen, die Programme durch das Leitungsteam in Deutsch, Französisch und Englisch durchgeführt. Laut Roth sei das Leiten solcher multikulturellen Lager relativ zeitaufwendig, «schon nur bis alle Kinder die Spielregeln verstanden haben, kann das manchmal dauern». Oder einmal hätte es beim Tischdecken Unstimmigkeiten gegeben, da eben nicht überall auf der Welt das Messer rechts und die Gabel links vom Teller hingelegt wird.

Wie erfahren Auslandschweizer überhaupt von diesen Sommerlagern? «Über die Zeitung ‹Schweizer Revue›, über Schweizer Schulen im Ausland und vor allem durch Mund-zu-Mund Propaganda», erklärt Simone Riner vom Stiftungsrat. Die Lager seien jeweils sehr schnell ausgebucht, es gebe sogar eine Warteliste – für den Fall, dass ein Kind kurzfristig absagt.
Auf die Frage, wie die Rückmeldungen der Kinder und Eltern seien, antwortet Loïc Roth: «Etwa die Hälfte der Kinder kommt ein zweites Mal in ein Lager. Das finde ich schon recht aussagekräftig». Von den Eltern höre er oft, dass die Kinder selbstständiger aus den Lagern zurückkehren würden.

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