Kloster mariastein
Zuerst wurden die Mönche vertrieben, dann aber wieder willkommen geheissen

Vor 50 Jahren wurde das Kloster Mariastein von der Kantonsregierung wieder den Mönchen zurückgegeben.

Fränzi Zwahlen
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Das Wahrzeichen des Klosters Mariastein: die Basilika

Das Wahrzeichen des Klosters Mariastein: die Basilika

zvg

Es war ein Freudentag, als am 21. Juni 1971 der damalige Landammann und spätere Bundesrat Willi Ritschard und mit ihm die ganze damalige Kantonsregierung Abt Basilius Niederberger und die Mönchsgemeinschaft von Mariastein feierlich in die Klosterkirche geleitete und in einem Akt «die korporative Selbstständigkeit des Klosters Beinwil-Mariastein» wieder herstellte. Den Beschluss dazu hatten die Solothurner Stimmbürger (nur die Männer), ein Jahr vorher, am 7. Juni 1970 gefasst und «korrigierten» damit die ebenfalls mittels Volksbeschluss vom 4. Oktober 1874 erfolgte Aufhebung des Klosters.

Dieser wurde damals mit der Vertreibung der Mönche und der Enteignung des Klosterbesitzes radikal umgesetzt. Die Mönche standen daher im März 1875 buchstäblich «auf der Strasse», wurden zu heimatlosen Flüchtlingen auf der Suche nach einem Asyl.

Wie kam es zur Vertreibung aus dem Kloster?

Die Französische Revolution (1789-1799) und die darauffolgenden Napoleonischen Kriege am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts führten europaweit zu gesellschaftlichen Umwälzungen. Dazu gehörte auch das Verhältnis zwischen Kirche und Staat.

Das Kloster Mariastein stand noch um 1870 fest in der Tradition der katholischen Kirche, die zu Anfang des 19. Jahrhunderts einen reaktionären Kurs einschlug. Dies als Gegenbewegung der liberalen Tendenzen der staatlichen Institutionen. Die Papstdogmen des 1. Vatikanischen Konzils von 1869/70 verstärkten die Vorbehalte der Staaten gegenüber der Kirche und lösten den schon länger schwelenden Kulturkampf aus.

Zwar gab es schon früher Klosteraufhebungen, denn auch liberal denkende Katholiken hinterfragten die Existenz von Klöstern. Der Kanton Solothurn forderte vom Kloster Mariastein bereits in den 1830er Jahren Rechnungsablage, verlangte eine Sondersteuer für den Ausbau des Schulwesens und verfügte eine Beschränkung der Novizenaufnahme. Es gab dann Verhandlungen der Klosterleitung, den Klostersitz ins Elsass zu verlagern, um damit der bisherigen Abhängigkeit vom Kanton Solothurn zu entkommen.

Das Kloster und die Stifte wurden enteignet

Das machte die Solothurner noch argwöhnischer und so wurde im Kantonsrat 1874 über die Aufhebung des Klosters Mariastein, aber auch der weltlichen Chorherrenstifte St. Urs in Solothurn und St. Leodegar in Schönenwerd diskutiert. Schliesslich kam es zur Volksabstimmung am 4. Oktober desselben Jahres. Die Vermögenswerte der Stifte und des Klosters, von diesem etwa 2,8 Mio. Franken, gingen an den Staat über und wurden im Schulfonds angelegt.

Die Odyssee der Mönche beginnt in Frankreich

So verliessen die Mönche Mariastein - ausser einer kleinen Gruppe, die sich weiter um den Wallfahrtsort kümmerte. 1875 liessen sich die Mönche in Delle (F) nieder, 1902 in Dürrnberg bei Hallein (Salzburg), 1906 in Bregenz.

Gleichzeitig übernahmen die Mariasteiner Mönche die Leitung des Kollegiums St. Borromäus in Altdorf. Als die Gestapo die Mönche am 2. Januar 1941 aus Bregenz verjagte, gewährte ihnen Solothurn in ihrem ehemaligen Kloster Mariastein Asyl. Dieser Zustand dauerte dann an bis zur erwähnten Volksabstimmung 1970.

Abt Peter von Sury, in der Basilika des Klosters Mariastein.

Abt Peter von Sury, in der Basilika des Klosters Mariastein.



Kenneth Nars / archiv

«Heute, 50 Jahre später ist es der jetzigen Klostergemeinschaft ein Anliegen, dieses Ereignis als Ansporn für die Gestaltung der Zukunft in Erinnerung zu rufen», schreibt Abt Peter von Sury in einer Mitteilung. «Wir stehen vor neuen Aufbau und mitten in diversen Projekten. Das Heiligtum Unserer Lieben Frau in Stein bleibt unser erstes Anliegen."

Ein paar der geplanten Feierlichkeiten

Ein Organisationkomitee unter der Leitung von alt Regierungsrat Klaus Fischer hat ein umfangreiches Programm zur Feier erarbeitet. Dazu gehören die «Mariasteiner Dialoge», die «Begegnungen» , die Instandstellung des Kreuzweges auf dem Weg zur St. Annakapelle, ein Konzert und die «Feierstunde» am 19. Juni sowie ein feierlicher Gottesdienst am 20. Juni mit Kardinal Kurt Koch.

Coronabedingt können nicht alle Veranstaltungen öffentlich durchgeführt werden. So wird der Eröffnungsvortrag von Abt Peter von Sury «Ein Jahr der Erinnerung, des Verstehens und des Dankes» aufgezeichnet und als Video auf die Webseite des Klosters, auf Facebook und YouTube gestellt. Es sind auch verschiedene Publikationen, darunter das Büchlein zur Geschichte des Klosters «Willkommen daheim» erschienen.

Weitere Informationen sind unter: www.kloster-mariastein.ch abrufbar.

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