Mariastein
Kanton finanziert die Jugendherberge auf Burg Rotberg mit

Die Burg Rotberg in Mariastein dient als Unterkunft. Die Solothurner Regierung war kürzlich bereit 116'000 Franken an die Sanierung zu zahlen. Gäbe es die Jugendherberge ohne die Hilfe der Kantone überhaupt noch?

Lucien Fluri
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Seit dem Neubau 1935 befindet sich in der Rotburg eine Jugendherberge. Laut dem Stiftungszweck der Stiftung Jugendburg Rotberg muss gar eine Herberge betrieben werden. (Archiv AZ)

Seit dem Neubau 1935 befindet sich in der Rotburg eine Jugendherberge. Laut dem Stiftungszweck der Stiftung Jugendburg Rotberg muss gar eine Herberge betrieben werden. (Archiv AZ)

Zur Verfügung gestellt

Die Jugendherberge in der Burg Rotberg ist der Solothurner Regierung lieb und teuer. Sie hat kürzlich 116'000 Franken für Sanierungsarbeiten am Bauwerk in Mariastein gesprochen. Das Geld stammt aus dem Lotteriefonds. Den gleichen Betrag zahlen die Kantone Basel-Landschaft und Basel Stadt ein.

Die drei Kantone und ihre Lotterietöpfe sind immer wieder gefragt, wenn bei der Burg Arbeiten anstehen. Neben den aktuell 116'000 Franken pro Kanton fielen 2007 bereits je 64'000 Franken für Sanierungsarbeiten und den Einbau eines Leiterzimmers an. «Seit eh und je», sagt Cäsar Eberlin, Chef des Solothurner Amtes für Kultur, würden die drei Kantone bei grösseren Aufwendungen paritätisch mitwirken. Baselland hat denn auch die Lotteriefonds-Zuständige in den Stiftungsrat delegiert, der die Burg trägt.

Die Unterstützung ist auch historisch bedingt: Schon beim Wiederaufbau der Ruine zu der heutigen Jugendburg in den 1930er-Jahren übernahm der Kanton Solothurn eine tragende Rolle. Die Stifter legten im Stiftungszweck fest, dass im Gebäude eine Jugendherberge betrieben werden muss.

Beitrag als Gewinn für die Jugendherbergen?

Bleibt die Frage, ob die Kantone mit den Beiträgen ein Unternehmen wie die Schweizerischen Jugendherbergen finanzieren, die am Montag einen Umsatz für 2015 von 46,6 Millionen Franken vermeldeten? Die Stiftung Jugendburg Rotberg, die sich um den Unterhalt der Burg kümmert, verfügt offenbar kaum über Rückstellungen, etwa aus Mieteinnahmen. Gerüchteweise zahlen die Jugendherbergen lediglich 16'000 Franken Miete jährlich plus eine allfällige Gewinnbeteiligung.

Schwarz auf weiss sind diese Zahlen nicht erhältlich. Die Schweizerischen Jugendherbergen und die Stiftung Jugendburg Rotberg, in der auch ein Vertreter des Kantons Solothurn sitzt, verweigern die Bekanntgabe von Zahlen. «Wir publizieren zu einzelnen Jugendherbergen keine Zahlen und Details. Dies betrifft auch die uns angeschlossenen Stiftungen», sagt Fredi Gmür. Er ist nicht nur CEO der Schweizer Jugendherbergen, sondern in Personalunion auch Präsident der Stiftung Jugendburg Rotberg. Seit 2011 ist im Stiftungszweck festgeschrieben, dass der Betrieb explizit durch die Schweizerischen Jugendherbergen erfolgt.

«Nicht gewinnorientiert»

Ursula Brunschwyler, beim Kanton Solothurn für den Lotteriefonds zuständig, sieht kein Problem. Brunschwyler sagt: «Gegenüber uns herrscht Transparenz.» Die zuständigen Stellen beim Kanton hätten Einblick in die Geschäftszahlen der Stiftung. «Der Beitrag ist absolut in Ordnung», folgert Brunschwyler. Sie verweist darauf, dass die Jugendherbergen eine Non-Profit-Organisation seien. «Gewinnorientiert ist in diesem Fall also zu viel gesagt», so Brunschwyler. Jugendliche können zudem für Fr. 28.50 pro Nacht im Mehrbettzimmer übernachten. Möglicherweise wäre der Betrieb der Herberge, die abseits grosser Touristenströme liegt, ohne die staatlichen Zuschüsse an den Erhalt des Bauwerks schon längst eingestellt.

Pseudohistorisches Bauwerk

«Es ist eine Burg wie aus dem Bilderbuch», heisst es auf der Homepage der Schweizer Jugendherbergen. «Trotzig und erhaben ragt sie aus dem Wald. 150 Treppenstufen führen den Hügel hinauf in den Burghof, die Zimmer liegen hinter meterdicken Mauern, steile, verwinkelte Treppen führen hoch bis ins Turmzimmer.» Im Rittersaal mit offenem Cheminée, «wo früher die Edelleute speisten», sei sogar schon der Bundesrat gesessen.

Doch aller Burgenromantik und allem Mittelalter-Kitsch zum Trotz: Die heutige Burg sieht heute um ein Vielfaches historischer aus, als sie tatsächlich ist. Nur noch die Ruine des einstigen, 1413 erstmals erwähnten Bauwerks war übrig, als der Schweizerische Burgenverein in den 1930er-Jahren die Idee ausheckte, die Ruine auch als Arbeitsbeschaffungsprojekt für arbeitslose Jugendliche wieder aufzubauen.

Das Projekt sorgte schon damals für Aufregung: Es existierte nämlich keine historische Vorlage, wie die Burg einst ausgesehen hatte. Das heutige Aussehen stammt vom Architekten Eugen Probst, der sich im Burgenverein engagierte. Beim Verein war man überzeugt, eine Burg zu erhalten, «so wie sie einmal ausgesehen habe». Der Schweizer Heimatschutz dagegen kritisierte den Bau als «Verschandelung einer Ruine, für den Laien und Neuling ein Kinobild einer Burg, voll Schein und Trug». Dafür wurden die Kritiker vom Burgenverein als «Altertumsfanatiker» geschmäht, die «darauf bestünden, dass kein Stein hinzugefügt noch weggelassen» werde.

Trotz der Opposition stimmte die Solothurner Regierung 1934 dem Baugesuch zu. Der Regierungsrat nahm Rotberg ins staatliche Inventar «zu den in den Interessenkreis der Öffentlichkeit fallenden Altertümern und historischen Denkmälern von landesgeschichtlicher Bedeutung» auf, wie die Schweizerische Vereinigung zur Erhaltung der Burgen und Ruinen 1936 stolz mitteilte. Schon damals beteiligten sich die Kantone Basel Stadt und Solothurn finanziell. Dass eine Jugendherberge betrieben werden soll, wurde als Stiftungszweck festgehalten.

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